Curata-Geschäftsführer Thorsten Mohr
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Der Curata-Geschäftsführer Thorsten Mohr hat sich zur Corona-Lage im Bad Soden-Salmünsterer Pflegeheim geäußert.

Interview mit Curata-Geschäftsführer Thorsten Mohr

Kontakt zu Pflegeheimbewohnern nur noch mit Vollschutz

Eines der beiden Häuser der Pflegeeinrichtung Curata, die in Bad Soden rund 200 Plätze vorhält, steht seit Karfreitag unter Corona-Quarantäne. In der Folge sind sechs der an Covid-19 erkrankten Personen gestorben. Unsere Zeitung befragte einen der beiden Geschäftsführer des Berliner Pflegekonzerns Curata, Thorsten Mohr (49), nach der aktuellen Lage in dem Seniorenzentrum an der Parkstraße.

Nach Coronavirus-Tests aller Bewohner und des Personals wurde laut dem Gesundheitsamt Main-Kinzig in der Vorwoche bei bislang 25 Menschen der Einrichtung eine Covid-19-Infektion nachgewiesen. Nach Informationen unserer Zeitung ist die Einrichtung derzeit zu etwa 60 Prozent ausgelastet.

Herr Mohr, welche zusätzlichen Vorsichts- oder Abstandsmaßnahmen zur Vermeidung von Covid-19-Neuinfektionen wurden nach den positiven Testungen getroffen?

Der gesamte betroffene Bereich, ein Gebäude, ist bereits seit dem 4. April isoliert und unter Quarantäne. Dies geschah auf Initiative von Curata, ab dem 10. April dann auf behördliche Veranlassung. Die Versorgung der Bewohner erfolgt unter strengen Hygiene- und Schutzauflagen. Unsere Mitarbeiter arbeiten hier mit Vollschutz, das heißt mit Schutzbrille, Kittel-Overalls, Handschuhen, Nasen- und Mundschutz mittels FFP2- und FFP3-Masken. Das für diesen Wohnbereich zuständige Personal wird auch nur hier eingesetzt und kommt mit keinen anderen Bewohnern der Einrichtung in Kontakt. In der gesamten Einrichtung finden keine Verköstigungen mehr im Speisesaal statt, jeder Bewohner bekommt sein Essen auf das Zimmer gebracht. All diese Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden.

Wie alt waren die Verstorbenen?

Die jüngste verstorbene Bewohnerin war 74 Jahre alt, die anderen fünf Verstorbenen waren zwischen 80 und 91 Jahre alt. Wichtig zu erwähnen ist, dass sämtliche Verstorbene pflegebedürftig waren und unter Vorerkrankungen litten.

Wie entwickelt sich die Zahl der Betroffenen unter den Bewohnern und dem Personal?

Dank der Schutzmaßnahmen in den betroffenen Wohnbereichen konnte eine weitere Verbreitung verhindert werden. Das Gesundheitsamt hat alle Bewohner und das Personal der betroffenen Wohnbereiche durchgetestet. Dabei konnte festgestellt werden, dass nicht alle Bewohner und Mitarbeiter positiv getestet wurden. Wir sind deshalb zuversichtlich, die Ausbreitung in der Einrichtung weiterhin kontrollieren und eindämmen zu können.

Wie viele Personen von beiden Gruppen befinden sich unter Quarantäne?

Insgesamt befinden sich 32 Bewohner und zehn Mitarbeiter unter Quarantäne. Die Personen unter Quarantäne sind dabei nicht notwendigerweise auch infiziert.

Sind beim Personal auch junge Pflegekräfte betroffen?

Es sind alle Altersgruppen betroffen.

Haben Sie Teile des Betriebs oder Abteilungen auslagern müssen?

Nein.

Haben Sie noch genügend freie Raumkapazität, um Bewohner gegebenenfalls zu isolieren?

Ja, das haben wir.

Welche Betreuungsangebote oder Dienstleistungen haben Sie coronabedingt reduzieren oder aussetzen müssen?

Bereits seit dem 15. März galt für unsere Einrichtung ein generelles Besuchsverbot, um unsere Bewohnerinnen und Bewohner so gut wie möglich zu schützen. Hausinterne Veranstaltungen sind seitdem ausgesetzt, und der Kontakt zwischen den einzelnen Wohnbereichen wurde so weit wie möglich eingeschränkt. Einzeltherapien finden derzeit unter Vollschutz statt.

Welche bieten Sie hierdurch neu an?

Wir haben unser Seelsorgeangebot erweitert. Telefonate mit Angehörigen bieten wir auch per Video an. Unser Dank gilt unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, den Angehörigen unserer Bewohner und Bewohnerinnen, den Behörden vor Ort und insbesondere dem Bad Soden-Salmünsterer Bürgermeister Dominik Brasch für die wertvolle Unterstützung.

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