Mit der Lockdown-Klingel (links unten) kommt Helmuth Gunkel gut durch diese Zeit. Manchmal reicht er auch ein Schnäpschen durch das Fenster.
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Mit der Lockdown-Klingel (links unten) kommt Helmuth Gunkel gut durch diese Zeit. Manchmal reicht er auch ein Schnäpschen durch das Fenster.

Motto: Positiv Denken

Erst Schwätzchen, dann Schnäpschen: Helmuth Gunkel aus Altengronau ist dank Corona-Lockdown-Klingel nicht allein

Positiv Denken und aus jeder Situation das Beste machen. Das schützt den Menschen zwar nicht vor den Unwägbarkeiten des Lebens, führt aber zur Gelassenheit. Helmuth Gunkel (83) aus Altengronau hat sich diese Lebenseinstellung auf die Fahnen geschrieben, vor allem in Corona-Zeiten. Wir haben ihn besucht - oder besser gesagt, bei ihm geklingelt.  

Altengronau - Angesichts der schier endlosen Pandemie-Einschränkungen im täglichen Leben wird so mancher Bürger auf eine harte Probe gestellt. Doch Ausnahmen - von einer sei hier erzählt - gibt es eben auch. Helmut Gunkel aus Altengronau (Main-Kinzig-Kreis) hat in 83 Lebensjahren schon so mache schwierige Hürde überwunden und hat nicht vor, Corona oder irgendeiner Mutation die Chance eines Angriffs zu geben.

Im vergangenen Sommer war er dem Coronavirus gegenüber noch recht gelassen, aber die steigenden Zahlen im Herbst führten bei ihm zu dem Entschluss, seinen eigenen Sicherheitsbereich einzurichten. Seit Oktober ist der Sinntaler allein in seiner Wohnung, geht maximal zum Arztbesuch nach draußen. Wer übernimmt das Kochen, Waschen und Putzen, haben wir gefragt. „Kein Problem. Das mache ich schon, seit meine Frau vor 30 Jahren gestorben ist“, sagt der 83-Jährige. Gunkel ist konsequent, er macht keine Ausnahme, auch nicht für enge Angehörige. Seinen beiden Kindern und den drei Enkeln Jonathan, Jana und Julia gewährt er ebenfalls keinen Eintritt.

Altengronau: Helmuth Gunkel ist dank Corona-Lockdown-Klingel nicht allein

Als Kontaktstelle mit Familie, Freunden und denen, die sonst so vorbeikommen, ist seit dem zweiten Lockdown das Küchenfenster aktiviert. Gut zwei Meter Abstand bietet es zwischen den Personen und ist somit für ein Schwätzchen wunderbar geeignet. Die Einkäufe für das tägliche Lebens erledigen seine Kinder. Die Waren reichen sie ihm durch das Küchenfenster ins Haus oder stellen sie vor der Haustüre ab.

Damit Gunkel an seinem Küchenfenster im Rothwiesenweg 1b auch erreichbar ist, hat er eigens eine sogenannte Lockdown-Klingel installiert. Ideen umsetzen, positiv bleiben, darauf kommt es an. Mitarbeiterin Brigitte Betz hat die Klingel ausprobiert - und bekam einen zufriedenen und lachenden Menschen zu Gesicht, der auf nichts sauer war, auch nicht auf Corona. „Es ist eben da und wir müssen damit fertig werden“, lautet die Einstellung des 83-Jährigen. Wenn ihn das Leben etwas gelehrt habe, dann die Dinge anzunehmen wie sie sind und das Beste daraus zu machen, berichtet er. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden)

Helmuth Gunkel: Ich freue mich immer, wenn jemand klingelt

„Mir geht es ja momentan besser als sonst “, sagt er und meint damit die wesentlich intensivere Sorge der Kinder und Enkel um seine Person. Gunkel war von Beruf Elektriker in der Firma seines Bruders. Heute macht er neben dem Haushalt seinen einstigen Beruf zum Hobby. Er ist ein „Tüftler“, der gerne hilft und allen möglichen elektrischen Geräten wieder zum Leben verhilft. Selbst „junge Kerle“ kommen laut Tochter Pia auf ein Schwätzchen vorbei oder holen sich Ratschläge zu Geräten. Gunkel ist der Berater schlechthin.

„Ich freue mich immer, wenn jemand klingelt“, erzählt er. Wer möchte und alt genug ist, bekommt zum Dank für das Schwätzchen ein kleines Schnapsfläschchen gereicht - natürlich coronakonform aus dem Küchenfenster. Was der Sinntaler vermisst, sind die Spaziergänge mit seinen ehemaligen Schulkameraden. In der Hoffnung, dass das bald wieder sein darf, denkt er positiv und bleibt dank seines Fensters negativ. (Brigitte Betz)

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