Oliver Ohrmann (links) und Karsten Rading von den „Kloburschen“ sind zwei Aktive aus dem Lasch-Lieferserviceteam. Darüber freut sich Wirtin Gisela Gärtner.
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Oliver Ohrmann (links) und Karsten Rading von den „Kloburschen“ sind zwei Aktive aus dem Lasch-Lieferserviceteam. Darüber freut sich Wirtin Gisela Gärtner.

Zweiter Lockdown

Lieferservice, Kurzarbeit, Zukunftsangst in der Corona-Krise: So geht es Gastronomen im Kinzigtal

Die Gastronomen haben landauf und landab mit am meisten unter den Corona-Maßnahmen zu leiden und müssen sich überlegen, wie sie ihr Geschäft trotz Lockdown und damit Schließung der Gaststube einigermaßen am Laufen halten. Dazu gibt es in der Region ganz viele unterschiedliche Ideen.

Main-Kinzig-Kreis - Die „Kloburschen Schlüchtern“ etwa, Stammgäste der Gaststätte Zum Lasch“ in der Schlossstraße, wollten nicht tatenlos zusehen, wie sich Wirtin Gisela Gärtner durch die Corona-Beschränkungen quälen muss (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden). Deswegen machten sie ihr den Vorschlag, einmal in der Woche jeweils sonntags von 17 bis 21 Uhr einen kostenfreien Heimlieferservice anzubieten.

Gärtner zeigte sich überwältigt von dem Angebot. „Wahnsinn“, „irre“ und „einfach super“. Die Wirtin findet nur extreme Formulierungen für diese Idee in der Corona-Pandemie. Total stolz ist sie auf „meine Jungs“. Sofort nahm sie das Angebot dankbar an.

Coronavirus: So trotzen Gastronomen im Main-Kinzig-Kreis dem zweiten Lockdown

Fabian Orth, derzeitiger „Oberklo“ der Kloburschen in Schlüchtern und Ideengeber dieser Aktion, organisierte die Umsetzung. Anfang November ging es los. Acht Männer haben an jedem Sonntag Dienst. Mit vier Autos fahren sie in Zweierteams mit Thermoboxen Hähnchen, Schnitzel, Pommes und andere Leckereien aus. Alle Akteure sind in der Corona-Pandemie mit Mund-Nasen-Schutz ausgerüstet.

Während Wirtin Gärtner in der Küche die Zubereitung der Speisen organisiert, sorgt Karsten Rading für die Verteilung des Essens auf die Fahrerteams, die draußen auf einem Parkplatz abfahrbereit warten. Schon am ersten Sonntag wurden weit über 100 Essen ausgeliefert. „Die Küche war nachher richtig geräubert“, erinnert sich die Lasch-Chefin. Und auch an den Folge-Sonntagen war der Ansturm entsprechend.

Lieferservice in der Corona-Krise - Gastronomen im Main-Kinzig-Kreis wissen sich zu helfen

Rund zwei Dutzend Kloburschen helfen bei dem Lieferservice mit. Insgesamt zählt die Gruppierung etwa 40 Mitstreiter. Vor 31 Jahren gründeten sich die „Kloburschen“ als Schlüchterner Antwort auf die Blooburschen in den Dörfern rundherum. Seitdem treffen sich die Mitglieder regelmäßig und auf jeden Fall am Kalte-Markt-Donnerstag in ihrem Stammlokal. An den Faschingsumzügen in Schlüchtern, Steinau und Altengronau beteiligen sie sich mit einem eigenen Wagen.

Wirtin Gärtner ist die „gute Seele“ der Truppe, die „Mutter der Kloburschen“, erklärt Orth. Keine andere Frau dürfe bei den Zusammenkünften dabei sein. Bei dieser engen Beziehung sei es selbstverständlich gewesen, der Lasch-Macherin zu helfen, so Orth. Kollege Andreas Mock ergänzt: „Weil wir gern hier sind, wollten wir Gisela irgendwie unterstützen.“ Dafür gibt es von vielen Seiten Lob. Eines kommt vom Lasch-Koch Peter: „Das ist einfach klasse, wie hier junge Menschen anpacken, um zu helfen.“ Der kostenfreie Lieferservice wird wegen de des Corona-Lockdowns noch im gesamten November angeboten, unter Umständen auch verlängert.

Mitarbeiter wegen Corona in Kurzarbeit: Gastronomen blicken dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft

Stephan Jöckel vom Hotel-Restaurant Jöckel in Nieder-Moos blickt trotz allem hoffnungsvoll in die Zukunft: „Es kann eigentlich nur besser werden“, sagt er. Weil das Restaurant geschlossen bleiben muss, hat er seinen Lieferservice umgestellt, bietet zusätzlich etwa eine „Gansbox“ mit fertig gebratener Gans oder eine „Grillbox“ an. Das neue Konzept sei zwar kein Vergleich zum normalen Geschäft, immerhin gehe es aber weiter. Die erst im vergangenen Jahr erbaute Vulkan-Eventhalle sei „tot“, alle Mitarbeiter im Veranstaltungsservice und etliche weitere Mitarbeiter sind wegen der Corona-Pandemie seit März in Kurzarbeit. Das Hotel beherberge derzeit lediglich Monteure, berichtet Jökel.

Harald Knobel vom Landgasthof am Brunnen in Mottgers freut sich über die Unterstützung der Bevölkerung, die sein Lieferangebot gut frequentiere. Allerdings seien die 14 Mitarbeiter seines Catering-Service, mit dem er bis zu 1000 Menschen bewirten kann, allesamt in Kurzarbeit. „Es ist wirklich dramatisch. Wir sind jetzt eine One-Man-Show“, so Knobel. Und dennoch: So viel freie Zeit wie jetzt, kenne er eigentlich nicht. Weil es keine Werbeplattform für Gastronomen gab, die in Sachen Catering aktiv sind, hat Knobel die Plattform „mycateringstars.de“ selbst entworfen, um die Branche für die Zeit nach Corona sichtbarer zu machen.

Glühwein und Weihnachtsessen zum Mitnehmen: Diese Ideen haben Gastronomen im Main-Kinzig-Kreis

Das Steinauer Burgmannenhaus ist geöffnet und bietet seine Wildgerichte zum Mitnehmen an, allerdings lediglich mittags. Seit Neuestem gibt es Glühwein und Wildbratwurst außer Haus. Für die Weihnachtstage nehme man Bestellungen an, erklärt Birgit Raach. Schon im März stellte das Burgmannenhaus um und bietet seither Wilderzeugnisse bis hin zu Schinken und Salami an, die der Herr des Hauses als Jäger und Metzger eigenhändig zubereitet. Mitarbeiter kann das Burgmannenhaus wegen der Corona-Pandemie nicht mehr beschäftigen. Dass es keine Übernachtungsgäste mehr gebe, reiße ein großes Loch in die Haushaltskasse. Denn Pacht und Abgaben müssten monatlich gezahlt werden, sagt Raach.

Antonio Garrubba von der Pizzeria Da Enzo in Bad Soden-Salmünster ist froh über die Unterstützung der Bevölkerung. Von März bis Mai hatte er drei Fahrzeuge für den Lieferservice im Einsatz. Das ist ihm inzwischen zu gefährlich. Wenn sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus ansteckt, müsse er den ganzen Laden schließen, sagt er. Garrubbas Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Für Weihnachten liegen bereits Reservierungen vor. Doch er ist nicht überzeugt, dass er sein Lokal bis dahin wieder öffnen darf. Garrubba macht stutzig, dass die Zahlen der Corona-Infizierten nicht sinken, obwohl die Gastronomie geschlossen ist. (uli, bak)

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