Frank Schlingloff geht es mit dem Hüniche Baby-Express in Schlüchtern wie vielen Kollegen: Ein Teil des Shops ist gesperrt.
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Frank Schlingloff geht es mit dem Hüniche Baby-Express in Schlüchtern wie vielen Kollegen: Ein Teil des Shops ist gesperrt.

Schwierige Situation

Corona: Ladeninhaber im Main-Kinzig-Kreis stellen sich auf Lockdown ein - Telefonische Bestellungen im Trend

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Der Lockdown wegen der Coronapandemie geht in den dritten Monat – und ein Ende ist nicht abzusehen. Doch wie gehen die Geschäftsinhaber im Bergwinkel und Blauen Eck damit um? 

Region - „Ich höre derzeit kein großes Klagen“, sagt Axel Ruppert, Vorsitzender des Vereins für Wirtschaft und Tourismus in Schlüchtern (Wito) und Inhaber des Vital-Zenrums Schlüchtern. Er betont aber: „Ich weiß, dass wir mehr als in anderen Gegenden gemacht haben.“ Viele Geschäfte nehmen telefonische Bestellungen an und legen die Waren für die Kunden bereit. Ein spezielles Problem sieht er auf Branchen zukommen, die saisongebundene Waren wie Mode verkaufen: „Die aktuelle Kollektion sitzt im Laden. Sie müsste raus, ehe die neue Kollektion eintrifft.“

Der Wito unterstütze seine Mitglieder mit den verschiedensten „Fördermaßnahmen. 2020 haben wir zwischen 30 000 und 40 000 Euro ausgegeben, zum Beispiel für den Erlass der Beiträge oder Anzeigenkampagnen.“ Ein großer Erfolg seien die Schlüchterner Gutscheine. Seitdem diese digital ausgegeben werden, seien im freien Verkauf 30.000 Euro zusammengekommen.

Corona-Lockdown: Ladeninhaber im Kinzigtal stellen sich um - Telefonische Bestellungen im Trend

Angesprochen werde der Wito-Vorstand nicht nur von den Mitgliedern, sondern auch von Kunden. Über die Internetseite des Vereins landete eine Anfrage nach einem „Kleinhunde-Wintermantel“ beim Vorsitzenden. Er leitete diese an den eigentlichen Adressaten, den Tierbedarfsladen dogspot, weiter. Oder im Bereich der Gastronomie, die ja seit November nur noch Außer-Haus-Bestellungen für Essen annehmen darf. Ruppert: „Es kommen vermehrt Anfragen von Kunden, die gerne das Essen Online bestellen und bezahlen möchten. Mein Vorstandskollege Wolfgang Stehling und ich haben mit einem Anbieter Sonderkonditionen erreicht, der entsprechende Systeme anbietet.“ Der Vorschlag sei positiv aufgenommen worden – bei anderen Kollegen sei „noch Überzeugungsarbeit nötig“. (Lesen Sie hier: Corona im Main-Kinzig-Kreis: Ausgangssperre wird ab Donnerstag aufgehoben - aber nicht überall).

Sein Sanitätshaus ist systemrelevant und hat daher für seine Kunden geöffnet. Zumindest zum Teil trifft das auch auf das Geschäft von Jörg Traudt in Steinau zu. Der Inhaber der Walkmühle bietet Gartenbedarf und Motorgeräte an. Diese Bereiche ruhen aktuell weitgehend. Geöffnet hat der zweite Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins Steinau (GVV) habe die Annahmestellen für zwei Paketdienste – und auch Futtermittel für Nagetiere, Geflügel, Hunde und Katze sind vom Lockdown ausgenommen. „Die Situation ist bei allen Geschäftsinhabern schwierig. Wir dürfen zwar offen haben. Die Leute sollen aber nicht so oft rausgehen. Daher kaufen sie eher im Internet – und uns bricht der Umsatz weg. Mir tut es vor allem Leid für jene, die nicht aufmachen dürfen.“ Gerade die Gastronomie habe alle Auflagen umgesetzt und sei schwer betroffen: „Es gibt viele, die es viel schlimmer als uns betrifft.“

Jochen Melk: „Das Ladengeschäft läuft nebenher, wir leben vom Handwerk“

Frank Schlingloff, Inhaber von Hüniche Baby-Express in Schlüchtern, fährt ebenfalls mehrgleisig: „Wir haben einen Notfalldienst. Die Kunden können Spielsachen bestellen und abholen. Babyartikel können sie dagegen ganz normal im Laden kaufen.“ Allerdings stellen bei ihm die Spielwaren mit 60 Prozent den Schwerpunkt dar. Dort fallen etwa die „Geburtstagskisten“ weg, da die Kindergeburtstage ja nicht gefeiert werden dürfen. Der wachsende Online-Verkauf – hier ist Schlingloff seit Jahren aktiv – kann den Umsatzverlust von etwa 40 Prozent nicht ausgleichen. Dort konzentriert er sich jedoch auf Ersatzteile für Kinderautositze oder Kinderwagen: „Bei den anderen Produkten können wir online nicht konkurrieren.“

Ähnlich sieht es Jochen Melk, Geschäftsführer des Gewerbevereins Sinntal und Inhaber einer Elektrofirma mit Fachhandel für Haushaltsgeräte, für seinen Betrieb: „Das Ladengeschäft läuft nebenher, wir leben vom Handwerk. Daher ist der Umsatzrückgang nicht so dramatisch.“ Er bietet telefonische Bestellung und Abholung durch den Kunden an, so wie auch andere Geschäftsinhaber: „Bei denen sieht es ähnlich aus. Auch die Gastronomen haben auf Abholung umgestellt. Das läuft einigermaßen – ist aber kein Ersatz für den Normalbetrieb.“ Ein Problem sei, dass Hilfen nur schleppend ankommen und diese auch nicht einfach zu bekommen seien.

Mit dem Außer-Haus-Verkauf kann ein Teil des Umsatzverlustes abgedeckt werden

Der Freiensteinauer Metzger Andreas Seipel spürt im Laden keine Auswirkungen von Corona, im Partyservice und der Gaststätte ist das aber anders: „Der Außer-Haus-Verkauf wird angenommen. Ein Teil des Umsatzverlustes kann ich damit abdecken. Aber es stehen bei mir auch zwei Spielautomaten still und der Getränkeverkauf fehlt auch.“

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