Eine Lehrerin der Kinzigschule näht an einer Nähmaschine.
+
Die Kinzigschule in Schlüchtern unterrichtet Hauswirtschaft.

6500 Schüler starten

Der erste Schultag wird spannend – Schulen im Kinzigtal bereiten sich auf Montag vor

Montag ist Stichtag: Dann wird auch ein Teil der Schüler im Main-Kinzig-Kreis zurück in die Schulen kommen. Das gilt für rund 6500 von insgesamt 30.000 Schülern. An der Kinzig-Schule in Schlüchtern beispielsweise werden 400 bis 450 der insgesamt 1400 Schüler erwartet.

Region - Schulleiter Karsten Günder freut sich, dass die hauswirtschaftliche Abteilung von sich aus vorgeschlagen hat, bis zum Montag 700 Mund-Nasen-Masken zu nähen und allen Schülern kostenlos eine zur Verfügung zu stellen. Auch sonst sieht er seine Schule im Plan: Größere Klassen werden auf zwei nebeneinanderliegende Räume aufgeteilt, sodass der Lehrer schnell von einem zum anderen wechseln kann. Fast alle Räume haben eine Waschgelegenheit, die Reinigungskräfte kommen täglich statt alle zwei Tage und widmen sich besonders Geländern, Türkliniken und anderen Kontaktflächen.

Damit Lehrer und Schüler zwischendurch für Sauberkeit etwa an Schreibtischen sorgen können, soll es Desinfektionstücher geben. Die sind aber noch nicht eingetroffen, sagt Günder. Eine frühere Projektarbeit im Bereich Gesundheit über Hygieneregeln bei einer Grippewelle liefert indes nun wertvolle Handlungsempfehlungen, die überall ausgehängt sind.

Wir lernen von Tag zu Tag.

Karsten Günder, Schulleiter

Er und Kollegen waren zuletzt oft mit dem Zollstock unterwegs, um nachzumessen: In der Küche kann der Mindestabstand nicht eingehalten werden. Dort fällt der praktische Unterricht wohl aus. In der Schreinerei hingegen seien die Abstände groß genug. „Wir stottern uns da jetzt so rein wie in das digitale Lernen, das wir auch sensationell schnell etabliert haben. Aber klar ist auch: Wir lernen von Tag zu Tag“, verdeutlicht Günder die Herausforderung.Etwa 15 bis 20 Prozent der Lehrer werden am kommenden Montag nicht kommen, da sie zur Risikogruppe gehören. Sie erteilen ihren Unterricht online. „Das hat mit dem Programm Office Teams schon die letzten Wochen verblüffend gut funktioniert“, sagt Günder. Aber nicht bei allen Klassen gleich gut, räumt er ein. Sollten diese Lehrer länger fehlen, so müssten irgendwann Kollegen deren Unterricht übernehmen, denn Online-Unterricht darf nicht benotet werden – und das sei essenziell für eine rechtssichere Bewertung der Schulleistungen.

Stirnrunzeln befällt Günder noch beim Schülertransport. Zwar seien Busse fest zugesagt, aber wie die Schüler den Abstand auf den zum Teil engen Fußwegen und in den kleinen Bushaltestellen einhalten sollen, darüber rätselt er noch. „Da ist ein Höchstmaß an Disziplin erforderlich“, ist er überzeugt und fügt an: „Wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Er lobt sein „tolles Kollegium“, das immer wieder selbst aktiv wird und nach neuen Lösungen sucht, sodass man den ein oder anderen manchmal fast schon bremsen müsse, sagt Günder schmunzelnd.

Mund-Nasen-Schutz in der Schülerbeförderung

Um die Schulen vorzubereiten, beraten sich seit Tagen Vertreter des Main-Kinzig-Kreises aus dem Amt für Schulen und Liegenschaften, dem Kreisgesundheitsamt und der Kreis-Verkehrsgesellschaft (KVG) sowie Vertreter des Staatlichen Schulamts in Hanau. Hauptthemen: Schülerbeförderung und die räumliche Situation, die bisweilen angepasst werden muss. „Wir werden diese Aufgaben bis Montag erledigt haben“, versichert Schuldezernent Winfried Ottmann (CDU).

So sei vom Gesundheitsamt überprüft worden, dass alle Waschstellen ordnungsgemäß mit Seifenspendern und Papierhandtüchern ausgestattet sind. „Beim Händewaschen kommt es gar nicht auf die Temperatur des Wassers an, auch kaltes Wasser ist völlig ausreichend“, erklärt Dr. Siegfried Giernat, der Leiter des Kreisgesundheitsamtes. „Wichtig ist, dass die Hände 20 bis 30 Sekunden lang gründlich eingeseift werden“, betont der Mediziner.

Um zusätzlich den Schutz zu erhöhen, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Schülerbeförderung empfohlen; und überall dort, wo der nötige Abstand nur schwer eingehalten werden kann. „Eltern und Schüler sollten die Tage bis zur Schulöffnung dazu nutzen, eigene Stoffmasken herzustellen oder sich zu besorgen“, erklärt Ottmann. Dennoch hält der Kreis einen Vorrat bereit. „Wir können sicherstellen, dass jeder Schüler an den rund 100 Schulen zwischen Maintal und Sinntal einen Mund-Nasen-Schutz erhält. Die Ausnahme darf aber nicht zur Regel werden“, erklärt Landrat Thorsten Stolz (SPD).

Präsenzunterricht startet für Abschlussklassen

„Wir tun alles, damit dieser Neustart reibungslos stattfinden kann“, betont Winfried Ottmann. Er bittet jedoch um Verständnis für die erste Anpassungsphase. „Wir werden die Situation im öffentlichen Personennahverkehr beobachten, analysieren und bei Bedarf nachjustieren“, verspricht KVG-Geschäftsführer Rüdiger Krenkel. Denn auch Berufspendler werden die Busse vermehrt nutzen: „Diese Zahlen werden wir bei den Überlegungen, wie die Abstandsregeln in den Bussen eingehalten werden können, zugrunde legen“, so Krenkel. Man prüfe, inwieweit Reservefahrzeuge vorhanden sind und zusätzlich eingesetzt werden können.

Wer ab Montag noch nicht in die Schule geht, der erhält weiter von seinem Lehrer Aufgaben, die er selbstständig zu Hause bearbeitet. Gestartet wird der Präsenzunterricht mit den Abschlussklassen von Haupt-, Real- und Berufsschulen, dem Abschlussjahrgang an Schulen mit Förderschwerpunkt Lernen, den vierten Klassen der Grundschulen, der Sprachheilschulen und Schulen mit Förderschwerpunkt Sehen und Hören. Auch für die zwölften Klassen gilt das ab Montag. / ag

Das könnte Sie auch interessieren