Corona im Main-Kinzig-Kreis: Im Impfbus in Schlüchtern mussten zunächst die Formalien abgeklärt werden.
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Im Impfbus mussten zunächst die Formalien abgeklärt werden.

Resonanz war verhalten

Corona-Sonderimpfung in Schlüchtern - 100 Menschen nutzen Aktionstag

Erstmals fand am Samstag ein Corona-Sonderimpftag in Schlüchtern statt. Die Resonanz war eher verhalten. In den sechs Stunden, in denen das Angebot ohne Voranmeldung bestand, ließen sich etwa 100 Menschen den Impfstoff von AstraZeneca verabreichen. 

Schlüchtern - Zum Vergleich: Eine Woche zuvor hatten sich in der Steinauer Arztpraxis Razavi etwa 850 Menschen impfen lassen. Der wichtige Unterschied. In der Brüder-Grimm-Stadt wurde das Vakzin Johnson & Johnson verabreicht. Davon ist nur eine Gabe nötig. Bei AstraZeneca muss im Abstand von neun Wochen ein zweites Mal geimpft werden. Das bedeutet, dass am 28. August der Impfbus noch einmal nach Schlüchtern kommt.

Hintergrund für die Sonderaktion war die Lieferung eines Sonderkontingents von AstraZeneca an die Kreise und kreisfreien Städte in Hessen. 5500 Corona-Impfdosen gingen an den Main-Kinzig-Kreis. Deswegen machte der Impfbus aus der Aktion „Dein Pflaster“ am Samstag in Schlüchtern Station. Direkt am Feuerwehrstützpunkt hatte das Fahrzeug geparkt. Davor waren Zelt-Pavillons aufgebaut, um genug Raum für Warte-, Impf- und Liegebereich zu schaffen. Zehn Mitarbeiter des Impfteams Main-Kinzig sowie fünf Bundeswehrsoldaten hatten bereits ab 7 Uhr Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf getroffen.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: 100 Menschen lassen sich bei Aktionstag impfen

Pünktlich um 9 Uhr fanden sich dann etwa 25 Interessierte ein. Einer von ihnen: Klaus Möhlmann aus Schlüchtern. „Keine Frage: Man will sich doch schützen“, erklärte er seinen Beweggrund. Und da er über seinen Hausarzt und das Impfzentrum trotz Anmeldung noch nicht zum Zuge kam, war das Angebot des Kreises genau passend für ihn. Sogar einige Kilometer Anfahrtsweg hatte Samuel Blank auf sich genommen. Er hatte von der Aktion in Schlüchtern gelesen und sich von seinem Wohnort Herbstein auf den Weg gemacht: „Das ist doch selbstverständlich, muss ja sowieso gemacht werden.“

Etwa 25 Interessierte hatten sich zum Auftakt des Aktionstages vor dem Impfbus am Feuerwehrgerätehaus Schlüchtern eingefunden.

Erstaunlicherweise waren einige Ältere unter den Wartenden, die vom Priorisierungsgrad her eigentlich schon längst den entscheidenden Pieks hätten bekommen können. So wie eine 83-Jährige, die anonym bleiben möchte. Die Frau aus Schlüchtern war nach eigenen Angaben bereits im April bei ihrem Hausarzt erstmalig mit AstraZeneca geimpft worden. Trotz Nachfragen habe sie bislang keinen Zweittermin bekommen. Deshalb kam ihr das Angebot des Impfbusses gerade recht – eine Idee, die übrigens mehrere Erst-Geimpfte an diesem Morgen hatten.

An drei Standorten im Main-Kinzig-Kreis wurden 300 Dosen AstraZeneca verabreicht

Doch das war ein Problem, da das Sonderkontingent den Kreisen speziell für Erst-Impfungen zur Verfügung gestellt worden war. Zunächst wurde der 83-Jährigen daher die Verabreichung verweigert. Später bekam sie dann doch die ersehnte Spritze, weil es sich im vorliegenden Fall um ein „spezielles Schicksal“ handelte, wie es hieß.

Parallel zu der Sonderaktion in Schlüchtern hatten am Samstag auch die Impfzentren in Gelnhausen und Hanau für alle geöffnet, die bislang keinen Impftermin erhalten hatten. Insgesamt wurden nach Angaben des Kreises an den drei Standorten zusammen 300 Dosen AstraZeneca verabreicht. Die Initiatoren waren auf deutlich mehr Impfwillige eingestellt. In den Tagen zuvor wurde bereits all jenen ein Angebot unterbreitet, die sich bei der „Impfbrücke Main-Kinzig“ registriert hatten. Mehr als 700 Impfdosen wurden so schon vor dem Wochenende verimpft, mit der Aktion am Samstag haben also binnen weniger Tage gut 1000 zusätzliche Erstimpfungen stattgefunden.

Erster Sonderimpf-Aktionstag: Main-Kinzig-Kreis zieht Bilanz und ist zufrieden

Insgesamt besteht weiterhin viel Skepsis gegenüber AstraZeneca. „Es gibt nach wie vor eine besondere Zurückhaltung gegenüber diesem Impfstoff“, erklärte Prof. Dr. Dirk Maybauer, Leiter des Impfzentrums Gelnhausen, der auch in Schlüchtern im Einsatz war.

Nach dem ersten Sonderimpf-Aktionstag hat der Kreis zufrieden Bilanz gezogen. „Jede Bürgerin und jeder Bürger, die einen der Impfstandorte besucht haben, haben heute unkompliziert eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten können, ohne Termin, ohne vorherige Registrierung, ohne langes Warten“, sagte Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler in einer Presseerklärung. Sie bedankte sich bei den Teams der Impfzentren in Hanau und Gelnhausen sowie bei den Kräften der Schlüchterner Freiwilligen Feuerwehr, der Feuerwehr Gelnhausen-West und des Hygiene-Teams aus Hanau, die den Anlaufpunkt am Untertor in Schlüchtern eingerichtet hatten. Kommenden Samstag, 3. Juli, macht der Impfbus in Nidderau Station. (usd)

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