Eine sehr lange Menschen-Schlange bildete sich am Samstagmorgen vor der Praxis Razavi in Steinau.
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Eine sehr lange Menschen-Schlange bildete sich am Samstagmorgen vor der Praxis Razavi in Steinau.

In Corona-Zeiten

Riesenansturm bei Sonder-Impftermin - Praxis im Main-Kinzig-Kreis versorgt mehr als 600 Menschen

Verkehrschaos und Menschenandrang in der Steinauer Sachsenstraße am Samstag: Hausärztin Diana Razavi und ihr Team hatten zu einem Sonder-Impftermin eingeladen. Exakt 633 Menschen kamen.

Steinau - Eigentlich ist das Wohngebiet am Rande Steinaus im Main-Kinzig-Kreis ein beschauliches Fleckchen Erde. Doch zum Beginn des Wochenendes pilgerten zahlreiche Menschen dorthin. Der Grund: Sie wollten diese eine Spritze, die sie vor einer Corona-Erkrankung schützt.

Diana Razavi hatte von ihrem Lieferanten eine Großmenge an Impfstoff von Johnson & Johnson zugewiesen bekommen, der im Gegensatz zu anderen Vakzinen nur einmal verabreicht werden muss. Nachdem sie von ihrem gesamten Team volle Unterstützung zugesichert bekam, entschloss sie sich zu einem Groß-Aktionstag.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Riesenansturm bei Sonder-Impftermin - Mehr als 600 Menschen geimpft

Und das sprach sich rasend schnell herum. Schon in den Tagen zuvor gab es zahlreiche Anrufe von Menschen aus ganz Hessen und sogar dem angrenzenden Bayern, die sich vergewissern wollten, dass sich die Anfahrt nach Steinau wirklich lohnt.

Als sie selbst gegen 5 Uhr morgens ihre Praxis ansteuerte, warteten schon die ersten fünf Personen vor dem Gebäude: Studenten aus Kassel und Frankfurt, die die Wartezeit mit einem gemeinsamen Frühstück im Freien überbrückten. Eigentlich sollte die Praxis erst um 8 Uhr öffnen. Doch wegen des Andrangs wurde die Tür schon gegen sieben Uhr aufgeschlossen.

Und dann ging es Schlag auf Schlag: Zwei Ärzte und zehn Mitarbeiter nahmen den entscheidenden Pieks vor. Der Rest des Teams und Mitglieder der Familie Razavi sorgten für eine reibungslose Schleusung der Menschenmassen.

Lange Schlage vor Arztpraxis in Steinau - wegen Corona-Impfung

Geduldig warteten die Patienten in der teilweise sehr langen Schlange. Manche hatten Klappstühle mitgebracht. Die Beharrlichkeit zahlte sich aus. „Geil. Endlich wieder Freiheit“, freute sich Nico Hohmann, der mit seinem Bruder Lukas aus Freiensteinau gekommen war. Gleich mit zehn Kumpels waren die Brüder Niklas und Felix Beck aus Biebergemünd-Bieber angereist. Sie waren extra früh aufgestanden. Sonst hätten sie vermutlich bis zum Mittag im Bett gelegen.

Dario Commendatore scheute selbst die Anreise aus Frankfurt nicht. „Ich bin heute das erste Mal in Steinau.“ Aber das sei kein Thema gewesen. Freunde hatten den Vertriebsingenieur über das Impf-Event informiert. Enes Cakovic aus Schlüchtern hatte auf den Rat seiner Mutter gehört und war in die Grimm-Stadt gefahren.

Als „Zaungast“, weil schon geimpft, fungierte bei dem Termin Steinaus Stadtverordnetenvorsteher Michael Graf. „Das ist beispielhaft und sollte Schule machen“, war er voll des Lobes. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden)

Corona: Impf-Aktion in Steinau soll wiederholt werden

Nach neun Stunden wurde die Aktion beendet. Die letzten Patienten waren fünf junge Menschen aus Würzburg, die eigens angereist waren. Diana Razavi zeigte sich abschließend nicht nur geschafft, sondern auch voll des Lobes – über die Aktion und besonders ihre Mitarbeiter: „Ich bin mega stolz auf mein gesamtes Team. Alle haben von sich aus mitgemacht und waren sehr engagiert.“

In der Praxis Razavi werden nach Angaben der Ärztin regelmäßig pro Werktag 60 bis 80 Impfungen vorgenommen. In der vergangenen Woche wurde so die Grenze von insgesamt 3000 Pieksen überschritten. Eine solche Samstags-Aktion will das Team übrigens schon in Kürze wiederholen. (Von Ulrich Schwind)

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