Nach 21 Uhr füllte sich der Parkplatz eines Discounters in Salmünster schnell mit Fahrzeugen, deren Insassen überzeugend erklären mussten, warum sie jetzt noch auf den Straßen unterwegs sind. Nicht allen gelang dies.
+
Nach 21 Uhr füllte sich der Parkplatz eines Discounters in Salmünster schnell mit Fahrzeugen, deren Insassen überzeugend erklären mussten, warum sie jetzt noch auf den Straßen unterwegs sind. Nicht allen gelang dies.

Ausgangssperre missachtet

Kontrollen im Main-Kinzig-Kreis: Polizei erwischt 23 Corona-Sünder nach Sperrstunde

Um die hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen einzudämmen, gilt im Main-Kinzig-Kreis momentan eine nächtliche Ausgangssperre. Selbst an Weihnachten hat die Polizei diese strikt kontrolliert.

Schlüchtern/Gelnhausen - Direkt vor den Feiertagen hat daher die Polizei im Main-Kinzig-Kreis die bislang größte Corona-Kontrollaktion vorgenommen. Am späten Abend und in den ersten Nachtstunden waren zwei Dutzend Beamte von Land und Bund – unterstützt von drei Ordnungspolizisten der Stadt Schlüchtern – unterwegs, um die Einhaltung der Sperre zu überprüfen. Dabei gingen ihnen einige „schwarze Schafe“ ins Netz.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Polizei erwischt bei Sonderkontrollen 23 Nachtschwärmer

Punkt 21 Uhr postierten sich insgesamt 14 Beamte der Polizeistation Bad Orb sowie der Bundespolizei – letztere normalerweise am Frankfurter Flughafen stationiert – in Salmünster. Auf dem gut beleuchteten Parkplatz eines Discounters am Anfang der Bad Sodener Straße richten sie einen Kontrollpunkt ein. Die Leitung dieser Sonderkontrolle hatte Frank Geist, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Orber Station.

Das Wetter ist äußerst schlecht. Heftiger Regen, Regen und nochmals Regen. Dennoch sind die Beamtinnen und Beamten hoch motiviert. Fast alle herannahenden Autos werden bei der Corona-Kontrolle heraus gewinkt – denn natürlich gibt es Ausnahmen: der Krankenwagen darf unbehelligt passieren, auch der Notarzt und die Auslieferfahrzeuge für Medikamente und Zeitungen.

Die anderen Fahrer müssen den Beamten gegenüber begründen, warum sie auch nach Beginn der Corona-Sperrstunde noch auf der Straße unterwegs sind. Für den ganz überwiegenden Teil ist das kein Problem. Sie sind berufsbedingt auf der Straße und können eine entsprechende Bescheinigung ihres Chefs vorlegen.

Main-Kinzig-Kreis: Ausreden lässt Polizei in Corona-Sperrstunde nicht gelten

Doch in dem noch regen Verkehrsstrom sind auch Mitbürger, die etwas in Erklärungsnot kommen. Da fallen beispielsweise zwei Schwestern in ihrem Kleinwagen auf – nicht nur, weil sie um diese Uhrzeit noch unterwegs sind, sondern auch, weil ein mitfahrendes Kleinkind Handy-spielend und völlig ungesichert auf der Rückbank liegt. Das kostet die Fahrerin schon mal 50 Euro. Geld, was sie spontan nicht zur Verfügung hat.

Lediglich 20 Euro befinden sich noch im Geldbeutel, und damit will sie den Tank auffüllen, weil der schon Reserve anzeigt. So belassen die Beamten den beiden Frauen ihre letzte Barschaft. Das Geld für die Ordnungswidrigkeit muss die Fahrerin nun überweisen. Überdies wurden Anzeigen wegen Nichtbeachtung der Corona-Ausgangssperre gefertigt. Ihre Erklärung, sie müssten unbedingt zu einer kranken Schwägerin fahren, ließen die Beamten als nicht stichhaltig gelten.

Auch der Fahrer eines Autos mit Mainzer Kennzeichen wird erwischt. Er dachte, die Ausgangssperre gelte nur für Fußgänger, nicht für Autofahrer. Sagt er jedenfalls. Der Beginn einer intensiven Diskussion mit den Beamten. Am Ende seine Bitte, mal ein Auge zuzudrücken. Doch die Polizisten weisen den Herrn freundlich und bestimmt darauf hin: Die Sperre gilt für alle gleichermaßen – und das nicht erst seit diesem Abend.

Corona-Kontrolle gegen Mitternacht in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis)

Beim Fahrer eines Wagens mit polnischem Kennzeichen wird die Verständigung schwierig. Er erzählt von einem Paket, das angeblich um diese Uhrzeit noch zur Post müsse. Und zum Beweis holt er dieses mit stattlichen Abmessungen aus dem Fond des Wagens. Doch damit ist auch er verbotenerweise unterwegs .Ein junger Mann versucht es erst gar nicht mit langwierigen Ausreden, sondern tritt die Flucht nach vorne an: Er komme von der Freundin und wisse, dass er jetzt eigentlich nicht mehr unterwegs sein dürfe.

Nach 23 Uhr lässt der Verkehr merklich nach in der Sodener Straße – nur der Regen nicht. Höchste Zeit auf jeden Fall, den Standort zu wechseln. Gegen Mitternacht richten die Beamten ihre Corona-Kontrollstelle beim Hallenbad in Gelnhausen sein. Hier verläuft die Haupteinfallstraße in die Barbarossastadt, und diese ist zu der frühen Stunde noch oder schon relativ stark frequentiert. Auch an dieser Stelle gehen den Ordnungshütern Fahrer ins Netz, die die Ausgangssperre ignorieren.

Polizei: Etwa zehn Prozent bei der Corona-Kontrolle sind „schwarze Schafe“

Und drei junge Herren, die ungeniert vorbeilaufen. Bei einer Kontrolle finden die Beamten bei einem von ihnen sogar Drogen. Kurioser Schlusspunkt der Corona-Aktion: Beim Zurückfahren in die Polizeistation Bad Orb läuft den Kräften unmittelbar vor dem Dienstgebäude ein Mann quasi vor die Füße, der trotz Verbots um diese Uhrzeit Zigaretten am Automaten holen will.

Einsatzleiter Frank Geist zieht ein sehr positives Fazit der Kontrollaktion. Viele Bürger, die sich an die Corona-Sperrzeiten hielten, hätten die Aktion zur Überwachung der Maßnahme begrüßt. Ganz bewusst habe man schon pünktlich um 21 Uhr angefangen, um zu zeigen, dass es dabei keine „Übergangszeit“ gibt.

Und die Erfahrung habe sich bestätigt: Etwa zehn Prozent der Kontrollierten seien „schwarze Schafe“. In Fulda ging der Polizei zuletzt auch ein solches „schwarzes Schaf“ ins Netz. In der Nacht von Heiligabend stürzte ein Fahrradfahrer dort in der Innenstadt auf der Flucht vor der Polizei. Die Adressen der Ausgangssperren-Sünder werden indes nun an das Gesundheitsamt weitergegeben. Sie erwartet ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro. (usd)

Das könnte Sie auch interessieren