Polizisten laufen in der Nacht Streife und kontrollieren die Einhaltung der Ausgangssperre.
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Die Corona-Lage ist ernst: Ab Dienstag gilt im Main-Kinzig-Kreis eine Ausgangssperre. (Symbolbild)

Mehr Infektionen unter Jüngeren

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Nächtliche Ausgangssperre ab 6. April - Infektionen nicht mehr zurückzuverfolgen

Die Corona-Lage ist ernst: Im Main-Kinzig-Kreis gilt ab Dienstag, 6. April, eine nächtliche Ausgangssperre. Der Kreis berichtet von einem zunehmend diffusen Infektionsgeschehen und kündigt schärfere Kontrollen an.

Erstmeldung vom 3. April, 10.13 Uhr: Wie das Polizeipräsidium Südosthessen mitteilte, stellten die Beamten im Stadtgebiet Offenbach am Freitagabend zwischen 21 bis 5 Uhr „eine niedrige zweistellige Anzahl an Verstößen gegen die Ausgangssperre fest“. Die beiden Stadtreviere hatten zusammen mit dem Ordnungsamt Offenbach Kontrollen zu den geltenden Corona Beschränkungen durch geführt.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Nächtliche Ausgangssperre ab dem 6. April

Erstmeldung vom 2. April, 17.08 Uhr: Main-Kinzig-Kreis - Eine nächtliche Ausgangssperre wird im Main-Kinzig-Kreis ab Dienstagabend, 6. April, gelten. Damit reagiert der Kreis auf die stetig steigenden Corona-Infektionszahlen, die sich auch durch die ansteckendere britische Virusvariante ergeben, heißt es in einer Pressemitteilung. „Dies geht einher mit einem zunehmend diffusen Infektionsgeschehen“, meldet der Kreis.

„In wachsendem Maße“ seien die Infektionen nicht mehr zurückzuverfolgen, „was auch das zunehmend diffuse Infektionsgeschehen vor allem in den jüngeren Jahrgängen bestätigt“. Der Inzidenzwert für den Main-Kinzig-Kreis hat laut Kreis am Freitag, 2. April, einen Wert von 183 erreicht und liegt damit deutlich höher als der hessenweite Wert von 142,8. (Bleiben Sie mit dem Corona-News-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis auf dem Laufenden.)

Die Ausgangssperre soll ab Dienstag von 21 bis 5 Uhr für zunächst zwei Wochen gelten. Das habe der Verwaltungsstab um den Landrat Thorsten Stolz, die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und den Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann in Abstimmung mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stefan Erb, Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung, am Karfreitag beschlossen. Mit allen Bürgermeistern der Region gab es noch am Nachmittag eine Abstimmung, heißt es.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Nächtliche Ausgangssperre ab 6. April

„Wir haben es mit einer schwierigen Lage zu tun: die britische Virusvariante, die als deutlich ansteckender gilt, hat den ursprünglichen Virustyp fast vollständig verdrängt – auch bei uns im Main-Kinzig-Kreis. Das bedeutet, dass wir damit rechnen müssen, schon Mitte April einen Inzidenzwert von 300 zu erreichen, wenn wir jetzt nicht gegensteuern“, erläutert Landrat Stolz.

„Unsere Bürgerinnen und Bürger sind erneut zu einem enormen Kraftakt aufgerufen. Durch nächtliche Ausgangsbeschränkungen alleine werden wir die Zahl der Neuinfektionen nicht in den Griff bekommen, aber sie sind eine notwendige Säule in dieser Situation“, erklärt Kaminsky. Auch Stefan Erb sieht diesen Schritt als unumgänglich an: „Die Ausgangssperre wird ein deutliches Zeichen setzen. Die Lage ist ernst, gerade weil wir im Kreis mittlerweile immer mehr Kommunen haben, deren Corona-Inzidenz schon jetzt sehr hoch liegt.“

„Wir müssen dringend eine Stabilität reinbekommen und zwar auf einem anderen Inzidenzniveau als bisher. Das braucht das Gesundheitssystem, aber vor allem brauchen wir alle es. Und dabei ist wichtig, dass kein Beschluss der Politik die Eigenverantwortung eines Jeden ersetzen kann: Ohne Eigenverantwortung geht es nicht“, betont Gesundheitsdezernentin Simmler. In den vergangenen zwei Wochen sei in den Krankenhäusern der Region wieder ein Anstieg der Corona-Fälle und auch der schweren Fälle erkennbar.

„Das Ziel hat sich auch nicht verändert, jeder der Hilfe braucht, soll sie bekommen können. Jetzt haben wir es mit einem noch ansteckenderen Feind zu tun – das muss uns allen klar sein. Deswegen müssen die Zahlen runter“, appellieren die Verantwortlichen. Die Corona-Ansteckungen werden vor allem in jüngeren Altersklassen immer mehr, heißt es. Deshalb wurde auch eine Ausgangssperre als Maßnahme gewählt. Die Kindertagesstätten bleiben aber zunächst geöffnet, heißt es. „Den Eltern wird jedoch dringend empfohlen, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu betreuen.“

Kommunen im Main-Kinzig-Kreis sollen Corona-Regeln stärker kontrollieren

„Doch mit Appellen an die Bürgerinnen und Bürger allein ist es nicht getan“, stellt der Kreis fest. Die Kommunen im Main-Kinzig-Kreis seien aufgerufen, die Einhaltung der Corona-Regeln stärker zu kontrollieren. „Der Grund: Den Verwaltungsstab haben insbesondere mit Beginn der wärmeren Temperaturen zahlreiche Hinweise erreicht, dass sich viel zu viele Menschen bei Aufenthalten im Freien nicht an die Abstands- und Kontaktbestimmungen halten“, heißt es.

„Natürlich sind Kontakte zu anderen Menschen, die nicht dem eigenen Hausstand angehören, im Freien besser als in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen. Aber dennoch gilt auch im Freien: Abstand halten, Maske tragen, wo dies nicht möglich ist, und generell überlegen, ob dieser Kontakt gerade notwendig ist. Es geht weiterhin um die Reduzierung von Kontakten – auch ohne Vorschrift, so schwer uns das nach einem Jahr fällt“, sagt Susanne Simmler.

Die britische Coronavirus-Variante sei deshalb so gefährlich, weil eine infizierte Person deutlich mehr Viruslast entwickeln kann, die sehr leicht an andere weitergegeben werden kann – auch im Freien. „Hier ist Abstandhalten unbedingt einzuhalten“, erklärt die Gesundheitsdezernentin. Der Großteil der Übertragungen finde zwar im privaten und familiären Bereich statt. Diese werden aber in Schulen oder Unternehmen eingetragen.

„Es sind drei wesentliche Bereiche zur Pandemiebekämpfung: Das Mitwirken jedes einzelnen, wenn es um das Vermeiden von Kontakten geht, das Impfen und die Schnelltests“, sagt Landrat Stolz. Neben dem Aufbau von sechs Corona-Schnelltestzentren hat der Main-Kinzig-Kreis mit der Industrie- und Handelskammer an die Unternehmen appelliert, Schnelltest-Angebote in den Betrieben zu schaffen.

Video: Die aktuelle Corona-Lage in Hessen

„Auch in den Schulen wird verstärkt getestet. Um geeignete Strukturen zu schaffen, hatte der Kreis zwei Pilot-Schulen ausgesucht – auch, um die Dunkelziffer bei unbemerkt verlaufenden Infektionen besser ausleuchten zu können“, ergänzt Schuldezernent Winfried Ottmann mit Blick auf die Zeit nach den Osterferien. Auch das Land Hessen hatte die Selbsttests an einer Schule im Kreis getestet. Mit Blick auf weitere Öffnungen nach den Ferien bleiben die Verantwortlichen skeptisch, denn wenn der Corona-Inzidenzwert im Main-Kinzig-Kreis weiter steigt, wird in den Schulen über kurz oder lang der Präsenzunterricht wieder ausgesetzt, erklärt Winfried Ottmann. Verstärkt würden jetzt auch die Unternehmen in den Blick genommen. Diese seien dazu aufgerufen, ihre internen Arbeitsprozesse genau unter die Lupe zu nehmen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht auf zu engem Raum arbeiten und womöglich auch ihre Tätigkeit zu Hause ausüben können.

Während die Corona-Infektionen bei den älteren Menschen dank Impfungen deutlich abgenommen habe, steige die Zahl bei jüngeren Menschen. „Das bereitet uns große Sorge, da wir aus der Erfahrung heraus wissen, dass steigende Infektionszahlen zeitverzögert dazu führen, dass auch die Zahl der Covid-Fälle in den Krankenhäusern zunehmen werden“, sagt Simmler. Man dürfe mit weiteren Corona-Regeln nicht zu lange warten. „Denn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Krankenhäusern, im Rettungsdienst und auch den Arztpraxen haben in den zurückliegenden Monaten Schwerstarbeit geleistet.“ Es wäre unverantwortlich, das Gesundheitssystem erneut an seine Belastungsgrenze zu bringen.

Die Allgemeinverfügung des Kreises wird ab Dienstagabend, 6. April, zunächst für zwei Wochen gelten. Deshalb muss jeder zwischen 21 und 5 Uhr in seiner eigenen Wohnung sein, falls keine dringenden Gründe vorliegen. Allerdings wird klargestellt, dass etwa die Arbeit, das notwendige Versorgen von Tieren oder auch Arztbesuche sowie zum Beispiel Impftermine, davon ausgenommen sind. (lea)

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