In den Krankenhäusern wie hier in Schlüchtern gelten strenge Schutzmaßnahmen.
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In den Krankenhäusern wie hier in Schlüchtern gelten strenge Schutzmaßnahmen.

Fast 15.000 Infektionen

Ein Jahr Corona im Main-Kinzig-Kreis - Landrat Stolz blickt zurück: „Harte Prüfung für Gesellschaft“

  • Alina Hoßfeld
    vonAlina Hoßfeld
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Gestern vor einem Jahr wurde der erste Corona-Fall im Main-Kinzig-Kreis bekannt. Für Landrat Thorsten Stolz stellt dieses Datum den „Beginn einer sehr harten Prüfung für die gesamte Gesellschaft“ dar.

Main-Kinzig-Kreis - „Wir sind mit dem Verwaltungsstab von Beginn an immer fachlich geleitet vorgegangen, aber haben auch eher auf Nummer sicher gesetzt. Niemand konnte im März 2020 die Frage beantworten, wie bedrohlich das Coronavirus sein würde, keiner hatte ein Patentrezept in der Schublade, wie mit all den Fragen umzugehen war“, blickt der Landrat zurück.

Wenn Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler an den ersten Fall vor einem Jahr denkt, dann fällt ihr der Anruf einer Hanauer Bürgerin ein. „Wo wohnt dieser erste Fall und wer ist das genau, das muss die Öffentlichkeit doch vom Gesundheitsamt wissen, um dem Virus aus dem Weg gehen zu können: Diese Erwartung war vor einem Jahr ziemlich verbreitet“, erinnert sich die Erste Kreisbeigeordnete. (Leser Sie hier: News-Ticker: Alles Wichtige zu Corona im Main-Kinzig-Kreis)

Corona im Main-Kinzig-Kreis - Landrat Stolz blickt zurück: „Harte Prüfung für Gesellschaft“

Das Gesundheitsamt und alle damit verbundenen Ämter mussten sich auf eine breit angelegte Pandemie-Bewältigung einstellen. Der Bereich Hygiene im Gesundheitsamt zum Beispiel, bis vor einem Jahr mit 17 Personen besetzt, wächst zunächst auf bis zu 150 Personen an. Ihr Ziel: Kontakte nachzuverfolgen. Innerhalb des Gesundheitsamts bilden sich Teams für Heime, für Schulen, für Arztpraxen. Zunächst wird das Personal aus allen Verwaltungsteilen zusammengezogen, nach und nach werden sie durch neu angeworbene Kräfte ersetzt.

Die Kreisverwaltung befasste sich zunächst mit der Organisation von Schutzausrüstung, dann den technischen und digitalen Hilfsmitteln im Gesundheitsamt, mit der Unterstützung der Pflegeheime oder die Organisation von Schnelltestmöglichkeiten. „Wir versuchen, wo immer möglich, pragmatisch und der Lage angepasst Lösungen zu finden“, erklärt Susanne Simmler in einer Pressenotiz. Neue digitale Instrumente sind hinzugekommen, als einziger hessischer Landkreis bietet der Main-Kinzig-Kreis eine App an, die die Kontaktnachverfolgung vereinfacht und Daten von Kontakten direkt in die Systeme des Gesundheitsamtes einspielt, um so die Zettelwirtschaft in dem Bereich zu beenden.

Main-Kinzig-Kreis: Fast 15.000 Corona-Infektionen

Der Main-Kinzig-Kreis geht nach den Sommerferien bei der häuslichen Isolierung für Rückkehrer konsequent voran, nicht ohne Widerstände. Aber eben auch nicht ohne Grund: eine kleine neue Welle baut sich bei den Neuinfektionen auf, die durch neuerliche Einschränkungen - punktuell und auf den Westkreis beschränkt - zunächst eingedämmt werden kann. Ab Oktober rollt die größere und bis heute viel heftigere Corona-Welle, begleitet von Hinweisen von Virologinnen und Virologen, dass sich Varianten des Coronavirus ausbreiten, infektiöser und auch bei jüngeren Menschen ansteckender. Der Bereich Hygiene im Gesundheitsamt wird noch deutlich vergrößert, auf über 200 Personen, unterstützt durch Kräfte der Bundeswehr. (Lesen Sie hier: Neues Corona-Testzentrum vom Deutschen Roten Kreuz in Schlüchtern - Nachfrage nach Schnelltests nimmt zu)

Ein Jahr Corona-Pandemie bedeutet auch ein Jahr voller Statistiken und Zahlen: Fast 15.000 Menschen haben sich in diesen zwölf Monaten mit dem Virus infiziert, mehr als 13.600 haben die akute Infektion überstanden. 471 Tote sind zu beklagen, überwiegend Menschen hohen Alters.

Landrat Thorsten Stolz: Hinter uns liegt ein Jahr der enormen Herausforderungen

Mittlerweile liegt die Sieben-Tages-Inzidenz, die das Infektionsgeschehen beschreibt, zwischen 80 und 90. Ein hoher Wert nach wie vor, aber deutlich niedriger als noch Ende Dezember mit Werten jenseits der 300. Seinerzeit gab es noch zahlreiche Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen; unter den Menschen im Alter von über 60 liegt der Inzidenzwert jedoch seit einigen Wochen konstant unter dem Wert für den gesamten Kreis, nämlich im Bereich zwischen 60 und 70.

Denn auch das steht ein Jahr nach Fall eins im Main-Kinzig-Kreis fest: Die Impfkampagne kommt mit zunehmender Geschwindigkeit voran, in allen stationären Einrichtungen waren bereits mobile Teams. Die Impfzentren arbeiten täglich, mit über 17.000 Menschen gibt es mittlerweile mehr Geimpfte als einst Infizierte. „Hinter uns liegt ein Jahr der enormen Herausforderungen. Ich danke allen Menschen, die angepackt und mit dazu beigetragen haben, unseren Main-Kinzig-Kreis auf Kurs zu halten“, so Landrat Thorsten Stolz.

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