Corona-Impfung zu Hause: Die Hausärztin Christiane Heister impft die 90-jährige Anna Schüler.
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Corona-Impfung zu Hause: Die Hausärztin Christiane Heister impft die 90-jährige Anna Schüler.

4500 Impfdosen

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Hausarzt-Pilotprojekt angelaufen - auch AstraZeneca-Impfstoff wird verwendet

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Ein Corona-Pilotprojekt im Main-Kinzig-Kreis ist angelaufen. Hausärzte haben 4500 Impfdosen erhalten, um sie diese älteren Patienten zu verabreichen, die die Impfzentren nicht aufsuchen können.

Main-Kinzig-Kreis - Gut gelaunt klingelt Christiane Heister an der Tür der 90-jährigen Anna Schüler aus Gelnhausen. Im Gepäck hat sie eine Corona-Schutzimpfung. Die Hausärztin aus Gelnhausen ist an diesem Tag unterwegs, um Patientinnen und Patienten im Main-Kinzig-Kreis gegen das SarsCoV-2-Virus zu impfen, die aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, eines der Impfzentren in Gelnhausen oder Hanau aufzusuchen.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Hausarzt-Pilotprojekt angelaufen - ältere Patienten erleichtert

Während Anna Schüler ihren linken Arm frei macht, klärt die Ärztin letzte Fragen. Dann geht es los: „Jetzt schön lockerlassen“, sagt die Ärztin, setzt die Nadel am Oberam an und schon kurz darauf klebt ein Pflaster über der Einstichstelle. Christiane Heister ist eine von 45 Ärzten und Ärztinnen, die vom Main-Kinzig-Kreis im Rahmen eines Pilotprojekts mit 4500 Impfdosen versorgt wurden, um diese entweder in der Praxis oder bei Hausbesuchen an Patientinnen und Patienten zu verabreichen.

Dabei sollen insbesondere auch jene Menschen im Fokus stehen, für die der Weg ins Impfzentrum zu beschwerlich ist. Die 90-jährige Anna Schüler gehört zu diesem Personenkreis. Bis vor wenigen Monaten war sie zwar noch gut in der Lage, sich selbst um Haushalt und Garten zu kümmern. Doch seitdem sie gesundheitliche Probleme bekommen hat, ist sie auf die Unterstützung im Alltag angewiesen.

Die Unterbringung in einem Pflegeheim kam für ihren Sohn Ottmar Schüler nicht in Frage. Er wollte seine Mutter nach Möglichkeit in der vertrauten Umgebung behalten. Jedoch geht es nicht ohne tägliche Kontakte durch den Pflegedienst. „Die Impfung hilft uns deshalb sehr und gibt uns ein beruhigendes Gefühl“, erklärt der Sohn.

„Die Freude und Erleichterung bei meinen Patientinnen und Patienten ist groß. Sie sind dankbar, dass sie nicht vergessen worden sind“, bestätigt auch Christiane Heister, die bereits rund 50 Impfdosen gespritzt hat. Denn gerade die älteren Menschen, die zu Hause versorgt werden, spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie oft mit voller Härte.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Aktion wird nach Ostern auf alle Hausarztpraxen ausgeweitet

Die Impfungen sollen dazu beitragen, dass sie bald wieder einen normaleren Umgang mit anderen Menschen haben können „Wir sind sehr froh, dass wir dieses Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Arztpraxen aus dem Main-Kinzig-Kreis starten konnten. Denn die frühzeitige Einbindung der Ärztinnen und Ärzte gehört zu einem ausgewogenen Impfkonzept dazu und wird dazu beitragen, dass wir mehr Schutzimpfungen vornehmen können, sobald die Impfstoffmengen steigen“, erläutert die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler.

Laut Simmler seien dann nämlich bereits „bewährte Strukturen geschaffen“. Die Kreisbeigeordnete weiter: „Neben den Impfungen in den beiden Impfzentren und durch die mobilen Teams in den stationären Einrichtungen konnten die ersten Ärzte und Ärztinnen seit Mitte März nach eigenem Ermessen innerhalb der aktuell priorisierten Personengruppen impfen. Und dazu gehören auch die Menschen, die zu Hause versorgt werden.“

Nachdem das Land Hessen dem Main-Kinzig-Kreis die Liste derjenigen Menschen übermittelt hat, die sich für eine Impfung im häuslichen Umfeld angemeldet hatten, werde nun geprüft, wer aus diesem Personenkreis, bestehend aus rund 4000 Menschen, bereits geimpft wurde und wo noch Interesse besteht.

„Rund die Hälfte derjenigen, die sich für eine häusliche Impfung gemeldet hatten, sind bereits geimpft. Jetzt arbeiten wir daran, allen übrigen Impfberechtigten aus dieser Gruppe schnellstmöglich ein Impfangebot zu machen“, so die Gesundheitsdezernentin weiter und ergänzt: „Dabei spielen unsere niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen eine wichtige Rolle, schließlich kennen sie ihre Patientinnen und Patienten am besten und wissen, wo die Schutzimpfung am dringendsten gebraucht wird.“

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Auch AstraZeneca-Impfstoff kann weiter verwendet werden

Die Aktion, frühzeitig die hausärztlichen Praxen einzubinden, sei ein voller Erfolg und werde in der Zeit nach Ostern ausgeweitet, da dann allen Hausarztpraxen die Möglichkeit offen steht, sich an den Schutzimpfungen gegen das Coronavirus zu beteiligen. „Die Zahl der teilnehmenden Hausarztpraxen wird weiter steigen und wir werden dadurch mehr Impfstoff auch in der Fläche verteilen können“, erklärt Susanne Simmler.

Das gelte auch angesichts der neuerlichen Vorsichtsmaßnahme, den AstraZeneca-Impfstoff vor allem Menschen über 60 Jahren anzubieten. „Der Impfstoff selbst ist trotz dieser Empfehlung der Ständigen Impfkommission weiterhin in Deutschland für Menschen ab 18 Jahren zugelassen. Wenn Menschen unter 60 Jahren über die möglichen Risiken aufgeklärt werden, kann AstraZeneca deshalb auch weiterhin an diese Personen verimpft werden, sofern sie dies möchten“, erklärt Dr. Wolfang Lenz, Leiter der Impfaktion im Main-Kinzig-Kreis.

Die von den Ärztinnen und Ärzten in den Praxen und bei Hausbesuchen verabreichten Impfdosen mit rund 4500 Stück sind noch nicht in Gänze in die Impfstatistik eingeflossen. „Fest steht: Im Main-Kinzig-Kreis werden alle Impfberechtigten weiterhin so schnell es geht, gegen das SarsCoV-2-Virus immunisiert, die Arztpraxen leisten hierbei einen wichtigen Beitrag“, erklärt die Gesundheitsdezernentin. Deshalb haben die Impfzentren auch über Ostern geöffnet. In einem weiteren Schritt werden Betriebsärzte insbesondere von größeren Unternehmen eingebunden, die ebenfalls bei den Impfungen unterstützen wollen.

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