Ein 39-Jähriger musste sich wegen Trunkenheit im Verkehr vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten. (Symbolbild)
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Ein 39-Jähriger musste sich wegen Trunkenheit im Verkehr vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten. (Symbolbild)

Kurioser Alkoholfahrt-Fall

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Quarantäne für Polizisten und Klinik-Personal - Richter lehnt Aussage auf Englisch ab

Ein Angeklagter, der leugnet; ein Hauptbelastungszeuge, der den Weg zum Gerichtssaal nicht findet; und viele Menschen, die wegen Corona in Quarantäne mussten. Das sind die „Zutaten“ für eine nicht alltägliche Strafsache.

Biebergemünd - Die Sache nahm in den Abendstunden des 4. Juli 2020 auf der Bundesstraße von Lanzingen nach Wirtheim in der Gemeinde Biebergemünd (Main-Kinzig-Kreis) ihren Lauf. Dort war ein Mann aus dem Raum Fulda mit seinem Auto unterwegs, als er auf einen anderen Verkehrsteilnehmer aufmerksam wurde.

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Quarantäne für fünf Polizisten und Klinik-Personal

Dieser fuhr in Schlangenlinien und geriet dabei mehrmals auf die Gegenfahrbahn. Also wählte der Fuldaer den Notruf und beschrieb der Polizei den Sachverhalt. Die setzte zwei Streifenwagen in Bewegung. Auf einem Radweg bei Wächtersbach gelang es einer Streife, den Wagen anzuhalten.

Einem 51-jährigen Beamten kam die gesamte Situation allerdings sehr verwunderlich vor. Am Steuer saß eine Frau, die ungewöhnlich langsam gefahren war und mit der Bedienung des Fahrzeugs überfordert schien. Noch verwunderlicher: Der Zeuge hatte einen Mann als Fahrer gemeldet. Die Daten passten allerdings zu dem Beifahrer.

Daher gingen die Beamten von einem zwischenzeitlich erfolgten Fahrerwechsel aus und nahmen diesen 39-Jährigen zur Blutentnahme mit ins Krankenhaus. Dabei ergab sich ein Wert von mindestens 1,33 Promille Alkohol im Blut, zur Tatzeit vermutlich noch mehr. (Lesen Sie hier: 36-Jähriger fährt in Edelzell im Rausch mit Mountainbike gegen Auto - und rastet aus).

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Infizierter betrunken mit dem Auto unterwegs?

Der Fall bekam dann unerwartet eine besondere Brisanz, weil der Biebergemünder erst verspätet erklärte, dass er mit Corona infiziert ist. Darauf mussten unmittelbar fünf eingesetzte Polizeibeamte sowie Klinikpersonal eine zweiwöchige Quarantäne antreten. Und der 39-Jährige musste sich nun wegen Trunkenheit im Verkehr vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten. Dort schwieg er und ließ seinen Verteidiger sprechen.

Der bestritt die Alkoholfahrt. Die von den Beamten am Steuer angetroffene Bekannte des Mannes sei die Fahrerin auch schon auf der Bundesstraße gewesen. Sein Mandant konnte an diesem Tag nicht Auto fahren, weil er ein Glas Whiskey getrunken hatte. Und das Nichteinhalten der Quarantäne begründete der Anwalt so: Der Angeklagte wollte mal „an die frische Luft gehen“.

Main-Kinzig-Kreis: Richter lehnt Zeugen-Aussage auf Englisch ab

Die 36-Jährige, ebenfalls aus Biebergemünd, sollte nun mit ihrer Zeugenaussage etwas Klarheit in den Fall bringen. Das ging allerdings schief. Was das Gericht nicht wusste: Sie ist der deutschen Sprache nur bedingt mächtig und konnte sich nicht verständlich vor Richter Wolfgang Ott ausdrücken. Ihr Vorschlag, sich in Englisch zu äußern, wurde vom Gericht abgelehnt.

Auch die Einvernahme des Hauptbelastungszeugen, des Autofahrers aus dem Raum Fulda, schlug fehl. Als er aufgerufen wurde, konnte er nicht vor dem Gerichtssaal angetroffen werden. Der Vorsitzende vertagte daraufhin die Verhandlung auf einen neuen Termin.

Der Angeklagte verließ den Gerichtssaal. Erst danach stellte sich heraus, dass der Zeuge einige Meter entfernt im Flur wartete und seinen Aufruf nicht mitbekommen hatte. Er soll nun bei einem zweiten Termin gehört werden - ebenso die 36-Jährige, für die dafür in ihrer Landessprache ein Dolmetscher organisiert wird. (ls)

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