Auf dem Dorfplatz unter freiem Himmel trafen sich die Seidenröther an Heiligabend zur Christvesper.
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Auf dem Dorfplatz unter freiem Himmel trafen sich die Seidenröther an Heiligabend zur Christvesper.

Corona-Weihnachten

Christvesper Heiligabend auf dem Dorfplatz - „war nicht gemütlich bei der Geburt im Stall“

Erstmals feierten evangelische Christen in Seidenroth, einem Stadtteil von Steinau an der Straße im Main-Kinzig-Kreis, ihre Christvesper an Weihnachten Corona-bedingt mitten auf dem Dorfplatz. Mehr als 50 Gläubige waren gekommen.

Steinau - Die Anwesenden umrahmten Pfarrer Gernot Fleischer und die jugendlichen Musikerinnen Maja Holstein an der Querflöte sowie Nina Günther mit der Gitarre in großzügigem Corona-Abstand. So feierten sie den Heiligen Abend und sangen in Familienverbänden kräftig mit.

Gernot Fleischer beschrieb die Vesper als authentisches Erleben, weil die Gläubigen keine geheizte Kirche nutzen könnten, weder Krippenspiel noch fein gestaltete Weihnachtslieder eines Kirchenchors zur Verfügung stünden. „Wir spüren mit Haut und Haaren heute, dass es nicht gemütlich gewesen sein kann bei der Geburt im Stall.“

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Heiligabend auf Dorfplatz - „nicht gemütlich bei Geburt im Stall“

Lediglich ein kleiner Weihnachtsbaum, dessen Zeitschaltuhr allerdings zu dieser Zeit noch keine Beleuchtung schenkte, sowie brennende Kerzen in winddichten Laternen brachten etwas heimelige Atmosphäre auf den Dorfplatz in Steinau-Seidenroth im Main-Kinzig-Kreis (lesen Sie auch hier: Corona im Main-Kinzig-Kreis - Inzidenz sinkt an den Feiertagen auf 189).

Viele hätten in den vergangenen Monaten erlebt, dass man nicht in Herbergen einkehren konnte. Einige bemerkten am eigenen Leib, wie sich Ausgrenzung anfühle. Man habe sich selbst im Kirchenraum in Listen eintragen müssen und sich zählen lassen und sei damit mitten drin im Geschehen von damals.

Obwohl nun im zweiten Jahr alles anders als gewohnt sei mit Zählungen, Kontrollen, begrenzten Plätzen und verschlossenen Türen gelte die weihnachtliche Botschaft: „Fürchtet euch nicht!“ Die Frage nach dem tröstenden Gott beantwortet Pfarrer Gernot Fleischer mit der vielerorts erfahrbaren Solidarität, die einem Weihnachtswunder gleichkomme. Und auch die Bekämpfung der Pandemie komme ihm mit dem Ringen um die besten Lösungen wundervoll vor.

Selbstverständlich wurde die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium verlesen. Da sich alles im Freien zutrug, waren während der Christvesper fröhlich und stimmgewaltig die Weihnachtslieder „Ihr Kinderlein kommet“, „Tochter Zion“ und „Stille Nacht“ weit im Dorf zu hören. Mit guten Wünschen und der Melodie von „O du fröhliche“ in Ohren und Herzen begaben sich die Beteiligten nach Beendigung der Christvesper zu ihren familiären Weihnachtsfeiern.

In Fulda hat die evangelische Gemeinde Fulda-Neuenberg Heiligabend mit 200 Anwesenden ebenfalls einen Open-Air-Gottesdienst gefeiert - vor der illuminierten Kreuzkirche. Im Dom erneuerte indes der römisch-katholische Bischof von Fulda, Dr. Michael Gerber, an Weihnachten seinen Corona-Impfaufruf. Wer im kalten Nebel ohne angemessene Kleidung unterwegs sei, gefährde die eigene Gesundheit, wer ohne Scheinwerfer fahre, zudem auch andere, betonte er in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag. (von Barbara Kruse)

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