Melanie und Doris König bei ihren Milchkühen.
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Melanie und Doris König bei ihren Milchkühen.

Landwirte im Kinzigtal

Corona-Pandemie beeinflusst Verkauf von Kälbern

Wie sind die Landwirte in der Region in Corona-Zeiten betroffen? Sie arbeiten an der frischen Luft, oftmals gemeinsam mit Familienmitgliedern. Dennoch kann Corona bei manchem das Fass zum Überlaufen bringen.

Niederzell/Mernes - Für Dieter Euler, der mit seiner Familie und zwei weiteren Mitarbeitern das Hofgut Lindenberg in Niederzell als Bio-Betrieb bewirtschaftet, sind Viren etwas Normales. Denn Viren gebe es überall. Auch Tiere und Pflanzen würden von Viren befallen. Bei jeder Schlachtung werde sowohl eine Lebend-, als auch Totbeschau durchgeführt, eben damit keine Krankheiten vom Tier auf den Menschen übertragen würden, erklärt Dieter Euler. Insgesamt werde der Tierbestand gesundheitlich streng überwacht, beispielsweise durch jährliche Blutproben.

Am Corona-Virus störe ihn persönlich am meisten, dass in dessen Folge die Außenkontakte zu anderen Menschen so eingeschränkt seien und beispielsweise keine Chorproben stattfänden. Ansonsten befinde er sich seit über 40 Jahren in Bauernhof-Quarantäne, sagt er augenzwinkernd.

Gastronomie nimmt kein Fleisch mehr ab

Die Eulers halten um die 150 Angus-Rinder in Mutterkuhhaltung, pflanzen Mais als Tierfutter, aber auch für Maismehl sowie Gries, Roggen, Weizen und Hafer für den menschlichen Verzehr in Bio-Qualität an. Der Absatz der acht bis neun Monate alten Kälber könne sich schwieriger gestalten, da Gastronomiebetriebe kein Fleisch abnähmen, vermutet der Bio-Bauer.

Als Landwirt müsse man optimistisch sein, betont Dieter Euler. Schließlich könne sich jede Entscheidung im Nachhinein als falsch herausstellen: „Wie sich das Wetter entwickelt, wissen wir nicht!“

110 Hektar Grünland

Auf dem Hof der Familie König in Mernes arbeiten drei Generationen. Mit 135 Milchkühen und circa 100 Tieren in der Nachzucht liefern die Königs täglich frische Milch. Sie bewirtschaften 110 Hektar Grünland für das tägliche Grundfutter für die Kühe und Rinder. Zusätzlich werden auf circa 40 Hektar Ackerland Getreide und Mais für die Fütterung der Tiere produziert.

Hatten Molkereien wie die Schwälbchen Molkerei in Zeiten der Corona-Pandemie die Milchabnahme um 20 Prozent reduzieren müssen, so können die Königs ihre Milch, die von der Molkerei vornehmlich zu Käse verarbeitet werde, bisher weiter in vollem Umfang abgeben.

Wenig Nachfrage nach Kalbsschnitzel

Konnten sie allerdings zwei Wochen alte Bullenkälber bisher zu dem geringen Preis von 50 Euro verkaufen, so ist dies derzeit wegen der geschlossenen Gastronomiebetriebe fraglich. Es würden wenig Kalbsschnitzel nachgefragt, weshalb man nun davon ausgehe, dass man die Bullenkälber behalten werde.

Da die Königs ihren Betrieb als Familie bewirtschaften, haben sie in Corona-Zeiten keine Probleme, Abstandsregeln einzuhalten. Lediglich vom Fahrer, der morgens um 4 Uhr die Milch abhole, oder vom Lieferanten des Kraftfutters gelte es auf Abstand zu gehen. Denn beide kommen auf ihren Touren auf viele verschiedene Höfe und hier mit verschiedenen Menschen in Kontakt. Was passiert, wenn diese Menschen krankheitsbedingt ausfallen würden, mag sich Doris König nicht vorstellen. Denn sowohl die tägliche Abholung der Milch als auch die regelmäßige Lieferung des Kraftfutters seien essenziell für das reibungslose Laufen des landwirtschaftlichen Betriebs.

Fehlende Regen macht Sorgen

Was Doris König derzeit mehr Sorgen bereitet als die Corona-Pandemie, das ist der fehlende Regen. Denn es zeichne sich ab, dass auch in diesem Jahr nach den beiden vorangegangenen trockenen Jahren wieder nur wenig Gras wachse, was zu Silo verarbeitet werden könne. Das bedeute, dass nicht genügend Futter für die Rinder zur Verfügung stehe, beziehungsweise teuer zugekauft werden müsse.

Zudem bestehe die Gefahr aufgrund der afrikanischen Schweinepest immer noch. Bei Auffinden eines befallenen Tieres dürfe in einem Umkreis von 10 bis 20 Kilometern für 100 Tage keine Ernte eingebracht werden. Außerdem habe der Sturm im Februar den Wald der Familie niedergemäht, was ebenfalls finanzielle Verluste bedeute.

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