+
Nach zweieinhalb Jahren ist das Kapitel „Silentium“ in Schlüchtern unter der Leitung von Stefan Rüffer Geschichte.

Silentium in Schlüchtern

Restaurant-Pächter überzeugt: Corona-Pandemie schuld an Schließung

  • schließen

Ohne die Schließung der Gastronomie infolge der Corona-Pandemie hätte das Restaurant Silentium in der Stadthalle Schlüchtern nicht in die Insolvenz gehen müssen. Davon ist Pächter Stefan Rüffer überzeugt.

  • Nach der Insolvenz des Restaurants Silentium in der Stadthalle Schlüchtern äußert sich der Pächter.
  • Vor Corona-Pandemie sei Restaurant nicht in Schwierigkeiten gewesen.
  • Betreiber Stefan Rüffer ärgert sich über Stellungnahme der Bürger-Bewegung Bergwinkel (BBB).

Schlüchtern - Die Tische im Restaurant sind noch so zusammengestellt wie am Sonntagabend, als der Koch und Pächter des Restaurants noch einmal seine Mitarbeiter – eine Festangestellte und bis zu neun Aushilfen – zu einem Abschiedsabend eingeladen hatte.

Ein paar Tage später sitzen Stefan Rüffer und seine Schwester Nicole, die ihn beim Marketing unterstützte, im verwaisten Gastraum und versuchen die Entwicklung zu erklären, die sich vor zweieinhalb Jahren bei der Eröffnung niemand vorstellen konnte.

Bereits Reservierungen im Restaurant Silentium

Das Jahr habe ganz normal begonnen, sagen die beiden. Es habe Reservierungen für mehrere Geburtstagsfeiern und von Busgruppen gegeben, der Abi-Ball hätte für Umsatz gesorgt, die Kreishandwerkerschaft mit einer Veranstaltung, das Straßenmusikfest, der Märchenabend oder der Frühlingsball des TSC Saltatio Schlüchtern.

„Und dann trat Bundeskanzlerin Merkel vor die Presse und sagte alle Großveranstaltungen bis Ende August ab. Das war ein schwarzer Tag für mich“, gesteht der gebürtige Wallrother.

Restaurant Silentium in Schlüchtern sei nicht in Schwierigkeiten gewesen

In diesem Augenblick sei ihm klar geworden, dass er die Ausfälle nicht würde aufholen können. „Denn das heißt ja nicht, dass die Veranstaltungen im Herbst wieder losgehen. Das dauert ja länger“, sagt der 34-Jährige. Als ihm bewusst wurde, dass mehrere 10.000 Euro Umsatz dauerhaft fehlen würden, habe er „leider einen Cut machen müssen“, um die Verbindlichkeiten nicht weiter ansteigen zu lassen.

Diese rühren hauptsächlich von einem Kredit her, den er zum Start für Inventar und Gestaltung des Restaurants aufgenommen habe und der deutlich mehrere 10.000 Euro betrage. „Die Insolvenz ist in den Kreditverbindlichkeiten begründet, das Silentium war nicht in Schwierigkeiten“, betont Rüffer.

Außer-Haus-Essen lohnte sich für Restaurant Silentium nicht

Er habe schon frühzeitig überlegt, ob er wie einige Kollegen Außer-Haus-Essen anbieten soll. „Aber das bringt nicht viel ein“, ist er überzeugt. Nachdem er seine Kündigung im Rathaus abgegeben hatte, wurde ihm dort „ein attraktives Angebot“ unterbreitet, das ihm helfen sollte, die finanziell klamme Zeit zu überstehen.

Auch die Stundung von Strom, Wasser und anderen Nebenkosten stand in Rede, aber „das summiert sich ja trotzdem alles, und verlässliche Einkünfte sind nicht zu erwarten“, sagt seine Schwester Nicole. Deshalb hätten die jüngsten Lockerungsbeschlüsse für die Gastronomie nicht mehr helfen können. Die Abstandsregeln hätte er wohl umsetzen können, aber Großveranstaltungen wären weiter weggefallen.

Restaurant-Betreiber von Silentium hält Unterstellung der BBB für unverschämt

Nachdem die Insolvenz öffentlich wurde, ärgerte sich Rüffer über die selbstgefällige Stellungnahme der Bürger-Bewegung Bergwinkel (BBB). Diese hatte bedauert, dass damals nicht ein anderer Interessent zum Zuge gekommen sei. „Das ist gefährliches Halbwissen, denn der andere hätte auch in Zahlungsschwierigkeiten geraten können.

Koch und Pächter Stefan Rüffer vom Restaurant „Silentium“ in Schlüchtern.

Ohnehin können in einem halben Jahr noch ganz andere Gastwirte Insolvenz anmelden müssen“, sagt Rüffer. Selbst Promi-Köche gerieten jetzt in wirtschaftliche Schieflage. Für „unverschämt“ hält er die Unterstellung der BBB, er könne noch Außenstände bei der Stadt haben. „Ich habe keine Verpflichtungen gegenüber der Stadt“, stellt er dazu klar.

Keine Job-Perspektive für Restaurant-Betreiber von Silentium

Auch die BBB-Kritik am „Umgang mit den Vereinen“ stößt Rüffer unangenehm auf. „Laut Vertrag, der im Übrigen im Vergleich zum Vorgänger in diesem Punkt nicht geändert wurde, gehört die Stadthalle zum Restaurant. Und es ist auch wichtig, dass der Pächter einen sogenannten Abstand erhält, wenn die Stadthallennutzer ihre Getränke selber besorgen und verkaufen.

Sonst rechnet sich das alles nämlich nicht“, betont Rüffer. Das werde in allen Städten so gehandhabt. Kein Wirt könne darauf verzichten. Er habe sich immer gesprächsbereit gegenüber den Vereinen gezeigt, doch nur die wenigsten hätten die Kommunikation mit ihm gepflegt, kritisiert er. Dabei habe er Vereine oft sogar gewähren lassen, obwohl er auf den „Abstand“ hätte bestehen können.

Wie es mit ihm persönlich jetzt weitergeht, das weiß Rüffer nicht. Im Moment habe er keine Job-Perspektive. Die Lage sei derzeit überall schwierig in der Gastronomie. Vielleicht ergebe sich etwas für eine oder zwei Saisons in Österreich oder der Schweiz, hofft er. Am 28. Mai ist das Kapitel Silentium für ihn zunächst einmal abgeschlossen. An diesem Tag übergibt er die Räumlichkeiten an die Stadt.

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema