Anja Weber hat sich im März in Südtirol mit dem Coronavirus angesteckt.
+
Anja Weber hat sich im März in Südtirol mit dem Coronavirus angesteckt.

„Patient X“ im Kinzigtal

Erste Corona-Patientin aus Main-Kinzig-Kreis infizierte sich in Südtirol: Anja Weber spürt noch immer Spätfolgen

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
    schließen

Anja Weber (48) war im März in Südtirol. Bis zu diesem Jahr hätten die meisten da an Skifahren gedacht. Inzwischen ist Südtirol fast ein Synonym für das Coronavirus. Das Virus hat auch Weber mitgebracht.

Bad Soden-Salmünster - Anja Weber ist „Patient X“ im Bergwinkel. Vorher gab es das Coronavirus hier nicht. Inzwischen haben sich mehr als 6700 Personen im Main-Kinzig-Kreis infiziert. Der 48-Jährigen geht’s bis heute nicht gut. (Lesen Sie hier: Erster bestätigter Corona-Fall im Main-Kinzig-Kreis)

„Eigentlich ist nur meine Nase dicht“, sagte die Frau aus der Kurstadt vor nunmehr gut acht Monaten, als sie gerade mitten in der Quarantäne steckte. Doch der anfänglich symptomarme Verlauf der Krankheit hat sich aus Sicht von Anja Weber im Lauf der Zeit verschlimmbessert: „Ich war gefühlt den ganzen Sommer über erkältet“, erklärt sie heute und meint, dass dies durchaus an der Corona-Infektion gelegen haben könnte. Gleicher Meinung sei auch ihr Hausarzt.

Anja Weber hatte sich in Südtirol mit dem Coronavirus infiziert. (Symbolbild)

Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden

Corona im Main-Kinzig-Kreis: „Patient X“ spürt heute Spätfolgen

Auch ihre Arbeitskollegin Birgit Heil aus Birstein hat sich damals im gemeinsamen Skiurlaub angesteckt. Bei Heil war der Verlauf der Krankheit schwerer. Anja Weber konnte drei Wochen nach der Diagnose, nach Quarantäne, negativen Tests und einer zusätzlichen Rückversicherung durch das Gesundheitsamt, weil sie in der Eingliederungshilfe und damit einem sensiblen Umfeld tätig ist, ihrem Beruf wieder nachgehen. Birgit Heil hatte weitere Wochen mit der heimtückischen Krankheit zu kämpfen. 

Damals hatten die beiden Frauen viele Anfeindungen ertragen müssen. Erst als sie in einem Artikel unserer Zeitung offensiv ihre Infektion mit dem Coronavirus und die darauf folgenden persönlichen Angriffe geschildert hatten, verebbten die Misstöne in der Öffentlichkeit.

„Ich wurde sehr oft auf die Artikel angesprochen“, berichtet Weber rückblickend. Die Leute seien interessiert gewesen, hätten sie für ihre Offenheit gelobt, erzählt die 48-Jährige.

Lesen Sie hier: Betrieb der Skilifte in der Rhön und im Vogelsberg wegen Corona-Verordnung verboten

Video: Post-Covid-Syndrom - Spätfolgen einer Coronainfektion

Doch neben den lobenden Worten hat die Corona-Infektion noch etwas bei Anja Weber und ihrem Partner Bernd Reifschneider verändert: Sie fühlen sich bis zum heutigen Tag nicht wirklich fit. „Meine Nase ist immer noch dicht. Oft werde ich gefragt, wenn ich ans Telefon gehe, ob ich krank sei. Ich höre mich immer noch erkältet an“, erklärt Weber. Und, noch schlimmer: Sie fühlt sich auch eingeschränkt. „Wenn ich Treppen steige oder bergauf gehe, werde ich kurzatmig.“ Dass sie den Sommer über Sport getrieben haben, um fitter zu werden, hat die Situation nicht verbessert.

„Ich bin nicht die einzige, wie mir mein Hausarzt erzählt hat“, so Weber. Und Langzeitstudien gibt es bekanntlich nicht. Dass es trotz allem noch so viele Maskenverweigerer und Verschwörungstheoretiker gibt, lässt die taffe Frau nur sprachlos den Kopf schütteln. „Ich kann die Maskenverweigerer und ,Querdenker‘ nicht verstehen, die überall Verschwörungen wittern“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren