In einem kleinem Karton sind je 25 Tests verpackt. Die Lehrer verteilen diese zu Beginn der ersten Stunde an die Schüler, die sich dann selbst testen.
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In einem kleinem Karton sind je 25 Tests verpackt. Die Lehrer verteilen diese zu Beginn der ersten Stunde an die Schüler, die sich dann selbst testen.

Eine von 21 Pilotschulen

Corona-Schnelltest: Hutten-Gymnasium in Schlüchtern erprobt Teststrategien für Hessens Schulen

  • vonMarius Scherf
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An 21 Pilotschulen in Hessen wurden in der Woche vor den Osterferien Selbstteststrategien erprobt. Denn der Schulbetrieb soll wieder zur Normalität zurückfinden. Am Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasium wurde morgens fleißig getestet.

Schlüchtern - Die Gänge und Flure waren am Mittwochmorgen leer, die meisten Klassenräume verwaist. Es schien fast so, als hätten die alten Klostergemäuer, in denen das Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern im Mainz-Kinzig-Kreis untergebracht ist, seine Schüler, wie in einem Harry-Potter-Roman, verschluckt. Aber tatsächlich saß ein Großteil der Schüler zu Hause im Distanzunterricht. Dennoch tat sich hier etwas. In der historischen Eingangshalle hatten zwei Hausmeister einen Tisch aufgebaut, auf denen sie kleine weiße Schachteln platzierten. „Antigen-Test“ stand darauf.

Das Gymnasium war eine von 21 Pilotschulen in Hessen, in denen in der Zeit vor den Osterferien Teststrategien erprobt wurden. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich einmal wöchentlich selbst testen - freiwillig. So soll mittelfristig die Rückkehr in den regulären Schulbetrieb ermöglicht werden. Mehr als 16.000 Tests waren hessenweit ausgeliefert worden. Die Landesregierung möchte nach den Osterferien die Tests flächendeckend an allen Schulen problemlos durchführen können. (Lesen Sie hier: Corona-Schnelltest direkt in der Firma machen: Mobile Teams vom DRK Fulda im Einsatz).

Schlüchtern: Am Hutten-Gymnasium wurden Corona-Teststrategien für Hessens Schulen erprobt

Der Direktor des Schlüchterner Gymnasiums, Thomas Röder-Muhl, ist überzeugt davon, dass dies möglich ist. In seinem großen Büro stand in einer Ecke eine Pinnwand, auf der die Abläufe angeheftet waren, wann welche Klasse mit dem Testen dran war. „Das Ganze ist schon mit einigem Organisationsaufwand verbunden.“ Deshalb packte der Direktor bei der Planung selbst mit an. „Wir sind froh, hier erste Erfahrung sammeln zu können und als eine Schule unseres Amtsbezirkes ausgesucht worden zu sein“, sagte er. „Es ist ein dringender Wunsch der Schüler und Lehrer, dass sie wieder normal in die Schule kommen können. Wenn Tests den Weg dazu eben, ist das der richtige Weg.“

Seit Monaten sind die Klassen in Teil-Lerngruppen aufgeteilt, die abwechselnd in der Schule oder daheim unterrichtet werden. Vor den Ferien verteilten sich die „Kleinen“, die Jahrgänge 5,6,7 und die „Großen“ aus der E-Phase auf den weitläufigen Korridoren und Gängen. „13 bis 15 Schüler sind das pro Klasse, die in der Schule sind“, erklärte Röder-Muhl.

Das Ziel: Jedem Schüler sollte einmal die Woche ein Testangebot gemacht werden können

Das Ziel: Jedem Schüler sollte einmal die Woche ein Testangebot gemacht werden können. Am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern klappte das schon ganz gut, dauerte aber zu lange. Verbesserungen in den Abläufen wurden bereits vorgenommen. In der Klasse 6b hatten die Schüler Briefe erhalten. Hier wurde seit 7.30 Uhr getestet. Die Lehrkräfte hatten bemerkt, dass das Prozedere wesentlich schneller abläuft, wenn die Bestandteile eines Testkits - Abstrich, ein Reaktionmittel, ein kleines Gefäß und das Anzeigedisplay - nicht erst in der Klasse verteilt, sondern zuvor für jeden Schüler in einen Umschlag gepackt werden. In der Klasse 6d dauerte alles noch ein wenig länger. Hier gab es noch keine Briefe. 20 Minuten verstrichen, bis die Schüler unter Anleitung von Daniel Nix ihre Tests abgeschlossen hatten.

Damit alles korrekt ablief, gab es eine Testanleitung mit 21 Punkten, jeder Lehrer wurde fortgebildet. Der wichtigste Punkt für Schulleiter Röder-Muhl: Keiner wurde zum Test gezwungen. Bei einem positiven Test werden die Eltern des Kindes benachrichtigt, die es aus der Schule abholen. Es folgt ein PCR-Test.

Thomas Röder-Muhl: „Wir haben noch keinen einzigen Fall gehabt“ - Testquote bei 80 bis 85 Prozent

Zwei Schülerinnen aus der 6d wollten nicht mitmachen. Sie mussten draußen warten. „Das ist unsere Morgengymnastik“, sagte Lehrer Nix. Die Schüler lachten. Einige fanden „das alles ganz kompliziert“, andere freuten sich über den „Baukasten“, den sie bekamen. 15 Sekunden musste das Stäbchen in der Nase bleiben, dann wurde der Abstrich in einer Lösung getaucht und von dieser vier Tropfen auf das eigentliche Anzeigedisplay gegeben. 15 Sekunden dauerte es dann wieder, bis ein Ergebnis angezeigt wird.

Und dann: Alle waren negativ. Der Schulleiter zieht eine positive Bilanz: „Wir haben noch keinen einzigen Fall gehabt“, sagt Röder-Muhl. „Und das bei einer Testquote von 80 bis 85 Prozent.“

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