Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich hat einen Corona-Lagebericht verfasst, indem er deutliche Kritik übt.
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Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich hat einen Corona-Lagebericht verfasst, indem er deutliche Kritik übt.

Lagebericht der Gemeinden

Wegen Corona-Zahlen: Sinntals Bürgermeister Ullrich kritisiert „Fußball gucken im heimischen Partykeller“

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Die Corona-Fallzahlen steigen weiterhin. Auch in der Gemeinde Sinntal macht das Virus keine Ausnahme. Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD) hat deshalb erneut einen Lagebericht verfasst, in dem er an die Verantwortung der Bürger appelliert und deutliche Kritik übt.

Sinntal - In einer Pressenotiz von Bürgermeister Carsten Ullrich zur Corona-Lage schreibt er zu Beginn: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ein besonderes Jahr geht zu Ende. Ein besonderes Weihnachtsfest stellt uns mit Abstand vor viele Fragen. Wer hätte am Jahresanfang geahnt, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen wir meistern werden. Schwierigkeiten, die unsere Eigenverantwortung und unsere Disziplin gefordert haben. Herausforderungen, die unsere Solidarität und unseren Zusammenhalt gefördert haben.“

Corona in Sinntal: Heftige Kritik vom Bürgermeister an Corona-Partys und Fußball gucken im Partykeller

Bis November sei die Gemeinde Sinntal laut Ullrich „sehr gut durch die Pandemie gekommen“. Dann habe sich das Coronavirus „auch bei uns extrem dynamisch ausgebreitet“. Und die Zahlen sprechen für sich. „Von März bis November gab es in Sinntal insgesamt 22 nachgewiesene Corona-Fälle. Seit November kamen 128 Fälle dazu, darunter der erste Todesfall. Ende November kratzte der örtliche Inzidenzwert in Sinntal an der 500er Marke und liegt weiterhin deutlich über 200. Am 14. Dezember waren es in Sinntal insgesamt 150 nachgewiesene Corona-Fälle, davon 106 als genesen eingestuft und ein Todesfall. Das sind 43 aktuell infizierte Menschen. Im Main-Kinzig-Kreis liegt die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken seit Wochen zwischen 160 und 200 Personen“, ruft der Rathauschef in Erinnerung. (Lesen Sie hier: Der Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis)

Diese Zahlen verdeutlichten, „warum wir auch fernab der großen Städte im Westkreis und der Rhein-Main-Region dringend handeln müssen“, so Sinntals Bürgermeister Ullrich. Die Dynamik der Infektionswelle müsse auch in Sinntal dauerhaft gebrochen werden. Alle Einschränkungen, wie die strengen Kontaktbeschränkungen, die nächtliche Ausgangssperre oder der neuerliche Corona-Lockdown, wirkten nur dann, „wenn wir es vor allem in unserem privaten Umfeld beherzigen“.

Der Bürgermeister findet zudem deutliche Worte: „Geisterspiele der Fußballbundesliga, Veranstaltungsverbote oder Gaststättenschließungen bringen wenig, wenn sich halb Fußballdeutschland mit mehreren Personen im heimischen Partykeller vor dem Fernseher oder der Freundeskreis zu privaten Corona-Feiern im Wohnzimmer trifft. Hierfür haben diejenigen kein Verständnis, die sich an die Vorgaben halten. Ebenfalls kein Verständnis hierfür haben diejenigen, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Beschränkungen hart getroffen werden.“

Corona-Lage in Sinntal sei Ernst - Infektionszahlen starten im Januar nicht wieder bei null

Dass die Lage in der Corona-Pandemie Ernst ist, daran besteht für Ullrich kein Zweifel mehr: „Es geht längst nicht mehr nur um die Frage, wie wir das Weihnachtsfest feiern können. Es geht darum, wie wir durch den Winter und das Frühjahr kommen. Die Infektionszahlen starten am 1. Januar nicht wieder bei null. Wir starten das neue Jahr mit der Dynamik, der Anzahl an infizierten Personen und an stationär behandelten Corona-Patienten, mit der wir das alte Jahr in der Silvesternacht verabschieden. Nur gemeinsam werden wir es schaffen, die hohen Infektionszahlen dauerhaft zu brechen. Zusätzlich zu Solidarität, Zusammenhalt und Eigenverantwortung sind Achtsamkeit und Rücksicht wichtig. Wer möchte dafür verantwortlich sein, durch unvorsichtiges oder unachtsames Handeln einen anderen Menschen angesteckt zu haben?“

Sinntals Bürgermeister appelliert mit Blick auf die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen an die Bevölkerung: „Bitte nehmen Sie Rücksicht und seien Sie achtsam. Bitte vermeiden Sie alle nicht zwingend notwendigen persönlichen Kontakte, halten Sie Abstand, beachten Sie die Hygieneregeln und lassen Sie uns weiterhin solidarisch zusammenhalten!“

Und weiter sagte Ullrich: „Setzen Sie damit ein Zeichen unseres gegenseitigen Respekts! Nur gemeinsam kommen wir durch diese anspruchsvolle Zeit. Ich wünsche Ihnen, im Namen der gemeindlichen Gremien und der Verwaltung, ein friedvolles und frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein gesundes und glückliches Jahr 2021. Bewahren Sie sich Ihre Zuversicht und kommen Sie gut an!“

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