Weniger Wildschweine als erwartet, vermeldet der Forstamtsleiter. Das hat mit der Trockenheit zu tun.
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Weniger Wildschweine als erwartet, vermeldet der Forstamtsleiter. Das hat mit der Trockenheit zu tun.

Abnehmer für Wildbret fehlt

Coronavirus, trockene Sommer und volle Kühlhäuser: Forstamt im Main-Kinzig-Kreis gibt Einblicke

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Gastwirtschaften geschlossen, große Familienfeiern fallen aus und wohin mit dem Wildbret? Christian Münch von Hessen Forst, Forstamtsleiter vom Forstamt Jossgrund, berichtet über ungünstige Zeiten, trockene Sommer und volle Kühlhäuser.

Main-Kinzig-Kreis/Jossgrund - Wildbret von Reh-, Rot- und Schwarzwild: Christian Münch, Leiter des Forstamtes Jossgrund, kommt hierbei ins Schwärmen. „Wildtiere liefern das natürlichste und gesundeste Fleischprodukt überhaupt. Mehr bio geht eigentlich nicht“, sagt er. Ethische Fragen der Massentierhaltung schieden aus, weil Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung artgerecht leben, erklärt Münch. Durch die hochwertige Nahrung in Wald und Flur ergebe sich ein Fleisch mit hohem Mineralstoff- und Vitamingehalt. Aufgrund der natürlichen Lebensbedingungen weise Wild einen hohen Muskel- und einen geringen Fettanteil auf. Wildbret sei darüber hinaus kein Saisonprodukt.

Wegen Corona weniger Fleisch verkauft: Forstamt Jossgrund mit Einbrüchen beim Absatz

Auf die Frage, ob es wegen Corona Probleme beim Verkauf des Fleischs gibt, sagt Münch: „Ja und nein. Wir haben zwar schon massive Einbrüche beim Absatz, aber uns stehen weiterhin Vermarktungswege mit eingeschränktem Volumen offen. Nach Weihnachten ist aber immer eine ungünstige Zeit für Wild.“ Die Afrikanische Schweinepest sei in der Region aktuell kein Thema. „Wir haben in Hessen Gott sei dank noch keinen bestätigten Fall. Dies wäre für alle der Supergau. Wir bejagen das Schwarzwild sehr scharf und müssen aber auch feststellen, dass wohl durch die Trockenheit im Sommer und andere Effekte die Sauen sich nicht so vermehrt haben wie in den Vorjahren“, so der Forstamtsleiter. Die Strecken seien vielerorts „deutlich eingebrochen“.

Ob er vermehrt Anfragen von Privatleuten bekommt, weil wegen des Corona-Lockdowns mehr und öfter zuhause gekocht wird, in dieser Frage will sich Münch nicht ganz festlegen. „Ja, vielleicht. Aber die Privatkunden beziehen das Wild schwerpunktmäßig aus dem Handel.“ Ein Stück Rehwild bestehe aus mehr als nur einem Rücken, sagt er.

Spessart regional und Forstamt Jossgrund werben für Wildprodukte aus der Region

Der Wald profitiere indes von der nachhaltigen Nutzung der Wildbestände. Viele Wildtiere ernährten sich von der Waldvegetation. Insbesondere Reh- und Rotwild „knabbert gerne an jungen Bäumen“, die dringend für die Nachzucht der Wälder benötigt werden. So liege es auf der Hand, „dass angepasste Wildbestände und eine sachgerechte Jagd zur Erhaltung unseres schönen Spessarts beitragen“, sagt Forstamtsleiter Münch. Mit frischen und saisonalen Zutaten aus der Region zu kochen, liege außerdem im Trend. Dafür gebe es auch gute Gründe, denn naturbelassene Lebensmittel bedeuten kurze Transportwege, weniger Energieverbrauch, mehr Frische. Ebenso verunsicherten Fleischskandale die Verbraucher, der Wunsch nach einem „herkunftsgesichertem guten Produkt“ bestehe.

Noch hat sich das nicht überall herumgesprochen. Spessart regional und das Forstamt Jossgrund haben sich daher im Sommer zu einem Vermarktungsprojekt zusammengetan, um für Wildprodukte aus der Region im Einzelhandel, der Gastronomie aber auch im heimischen Haushalt zu werben. Das trägt Früchte. Im Forstamt Jossgrund konnten bislang schon ganze Stücke von Reh-, Rot- und Schwarzwild erworben werden. Das Angebot richtet sich nach dem Jagderfolg. Bestellungen sind möglich.

Die Gastronomie als größter Abnehmer fehlt in der Corona-Krise - Kühlhäuser sind voll

Der größte Abnehmer, die Gastronomie, fehlt in der Corona-Krise. Die Kühlhäuser sind voll. „Die Abnehmer produzieren mit gedrosselten Kapazitäten auf Halde in diesem Nachweihnachtsgeschäft. Vor Weihnachten war der Wildabsatz bei uns sehr gut. Viele Privatpersonen und Erleger haben die anfallenden Strecken teilweise komplett übernommen. Zeitweise waren die Anfragen deutlich höher als der eigentliche Wildbretanfall“, berichtet Münch.

Wer Wildfleisch aus der Region kaufen möchte, nehme am besten Kontakt zu den örtlichen Forstämtern auf, telefonisch, im Internet oder über die Vermarktungsplattform „Wild auf Wild“, wo auch das Forstamt Jossgrund beim nächsten Listing erscheint.

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