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Coronakrise beschert Apotheken viel Arbeit – zum Beispiel in Schlüchtern

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Neben den Lebensmittelmärkten gibt es in diesen Tagen – und wohl auch kommenden Wochen – nur noch wenige Geschäfte, die geöffnet haben dürfen. Zu diesen gehören die Apotheken, denen in der Coronakrise eine wichtige Rolle in der Nahversorgung zukommt. Deren Inhaber und Beschäftigte haben seit gut einer Woche deutlich mehr zu tun.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanns Szczepanek

Zwar bilden sich im hiesigen, ländlich geprägten Gebiet keine Schlangen vor den Apotheken, es kann aber sein, dass ein Kunde mal draußen warten muss, bevor er Einlass findet.

Maximal zwei oder drei Personen dürfen rein

Denn zusätzlich zum Zwei-Meter-Mindestabstand innerhalb der Räume lassen die Apotheker meist nicht mehr Personen herein als Bedienplätze zu Verfügung stehen – und das sind meist zwei oder drei.

Mancherorts hat das Personal beim Bedienen bereits Handschuhe an, ein Mundschutz wird eher seltener angelegt. Dies ist auch deshalb nicht zwingend erforderlich, weil in vielen Apotheken an den Verkaufstheken ein Spuckschutz in Gestalt einer Plexiglasscheibe oder sonst einem durchsichtigen Material aufgebaut worden ist.

Auch an den Supermarktkassen findet sich schon häufig ein solcher Schutz. Denn der Gesundheitsschutz der Beschäftigten ist für Märkte und Apotheken elementar wichtig.

Gibt es im Personal eine Corona-Infektion, muss der Betrieb vorübergehend schließen und alle Kontaktpersonen werden isoliert. In der Sprudel-Apotheke in Bad Soden ist dies derzeit der Fall. Sie kann erst nach Ende der Quarantänefrist wieder öffnen.

Kein Grund für Panikkäufe

Mancherorts wird deshalb in festen Teams gearbeitet. Fällt eines ausfällt, ist zumindest das andere noch einsatzfähig. „Wir haben den Kopf noch über Wasser“, bewertet Ralf Brauer von der Löwenapotheke in Sterbfritz das erhöhte Arbeitsaufkommen, sieht aber keinen Grund zu Panikkäufen.

Auch vom Großhandel gebe es keinerlei Signal, dass irgendein Medikament oder Wirkstoff dauerhaft nicht bezogen werden könne. Bei aller verständlichen Fokussierung auf das Coronavirus sollten auch andere virale Infektionen, die ebenfalls gefährlich seien, nicht aus dem Blick geraten.

In Schlüchterns Rathaus-Apotheke gehen Rezepte stapelweise ein, denn viele Patienten, die dauerhaft Arzneien einnehmen müssen, decken sich ein. Viele Patienten nutzen dabei die Möglichkeit, über das kontaktfreie Rezepttelefon von ihrem Hausarzt Verordnungen zu erhalten.

Ebenso wie in der Alten Apotheke in der Obertorstraße fällt dadurch deutlich mehr Hintergrundarbeit an, um die Rezepte abzuarbeiten. Ausgefahren werden die Medikamente in zwei Schichten.

„Diabetiker wollen sich eindecken“

„Der Mittwoch war brutal“, erzählt Thomas Krick von der Bergwinkel-Apotheke in Schlüchtern mit Blick auf die vergangene Woche. An diesem Tag sei bei ihm die erste große Welle an Rezepte-Anfragen angekommen.

Auf Medikamente angewiesene Patienten wie Diabetiker wollen sich natürlich bevorraten, aber die Ärzte „schreiben nicht mehr als den normalen Bedarf auf“. Deshalb könne von „Hamsterkäufen“ keine Rede sein.

Nachfrage an Nahrungsergänzungsmitteln

Bei rezeptfreien Arzneien sei zwar mancher unbegründeter „Herdenkauf“ zu beobachten, doch die Apotheken gäben bei Wirkstoffen wie Paracetamol meist nicht mehr als eine Packung pro Kunde aus. Stärker gefragt würden Nahrungsergänzungsmittel zur Stärkung des Immunsystems.

Selbst hergestellte Desinfektionsmittel

Wie in manch anderer regionalen Apotheke stehen in der Brüder-Grimm-Apotheke in Steinau ab heute selbst hergestellte Desinfektionsmittel zur Verfügung, erklärt Inhaberin Annette Merz. Deren Produktion gehörte früher zum normalen Geschäft von Apotheken, wurde aber vor etlichen Jahren durch eine neue Biozid-Verordnung mit so hohen Auflagen und Zulassungskosten belegt, dass das Ganze unrentabel wurde.

Nun wurden die Bestimmungen wieder gelockert und die dezentrale Produktion ist wieder möglich. Arznei-Bestellungen würden derzeit zwar nicht mehrfach pro Tag angeliefert, „aber es läuft“. Und Merz zollt ebenso wie ihre Kollegen ihrer Belegschaft großen Respekt. Zu deren Einsatzbereitschaft und Leistungen können sie nur sagen: „Hut ab!“

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