Eine Kita-Leiterin aus dem Main-Kinzig-Kreis berichtet von ihren Erlebnissen mit Gesundheitsamt und Testlabor während der Pandemie.
+
Eine Kita-Leiterin aus dem Main-Kinzig-Kreis berichtet von ihren Erlebnissen mit Gesundheitsamt und Testlabor während der Pandemie.

Wegen ungeklärter Kostenübernahme

Coronavirus im Main-Kinzig-Kreis: Kita-Leiterin berichtet von fehlenden Formularen und vernichteten Test-Proben

Noch immer ist Meike R. (Name von der Redaktion geändert) ratlos. Und ein bisschen ist da auch ein Gefühl von Ohnmacht, ja selbst von Wut. Meike R. ist Erzieherin und leitet eine Kindertagesstätte im östlichen Main-Kinzig-Kreis. Vor einigen Wochen wird eine ihrer Kolleginnen positiv auf das Coronavirus getestet. Für Meike R. beginnt daraufhin eine schier endlose Hängepartie zwischen Gesundheitsamt, Arztpraxis und Testlabor.

Main-Kinzig-Kreis - Inzwischen sagt sie: „Wenn man das erlebt hat, wundert man sich nicht darüber, dass die Infektionszahlen so gestiegen sind.“ (Übrigens: Die aktuellen Entwicklungen im Main-Kinzig-Kreis können Sie in unserem News-Ticker verfolgen.)

Coronavirus im Main-Kinzig-Kreis: Kita-Leiterin berichtet von vernichteten Proben

Bis Mitte November ist die Einrichtung von Meike R. gut durch die Corona-Krise gekommen. Dann aber ist auch dort der erste Corona-Fall zu verzeichnen. Dass es diesen geben könnte, erfährt die Leiterin an einem Wochenende. Eine Kollegin informiert sie, dass sie in der Vorwoche offensichtlich Kontakt zu einer infizierten Person hatte.

Eine Testung der betroffenen Kollegin steht da noch aus. Meike R. ist beunruhigt, aber noch relativ gefasst. Die Kollegin ist nur einen Tag nach dem Kontakt zu der infizierten Person noch im Dienst gewesen. Auch nach dem Wochenende lässt die Leiterin die Kollegin zur Vorsicht zu Hause.

Trotzdem beginnen da die Probleme. „Es war für die Kollegin wahnsinnig schwierig, einen Arzt zu finden, der sie testet.“ Wohl auch deshalb, weil die Teststellen überfordert sind, vermutet Meike R. Am späten Montagabend liegt dann das Testergebnis vor. Es ist positiv, die Kollegin wird für zwei Wochen in Quarantäne geschickt.

„Wir haben noch am Abend mit dem Träger zusammengesessen und das weitere Vorgehen abgestimmt. Im Ergebnis haben wir zunächst die Kolleginnen und die Kinder und deren Geschwister aus der betroffenen Gruppe in Isolation geschickt.“ Auch die Schule im Ort wird informiert, da gegebenenfalls auch dort Geschwisterkinder betroffen seien könnten.

Coronavirus im Main-Kinzig-Kreis: Kita-Leiterin spricht Klartext - „Mit dem Virus allein gelassen“

Am nächsten Tag informiert Meike R. das Gesundheitsamt. Ihr wird bestätigt, korrekt gehandelt zu haben, die Daten der Kolleginnen werden abgefragt, um diese gegebenenfalls kontaktieren zu können. Allerdings: Die Kita bleibt zunächst geöffnet. Das Gesundheitsamt ordnet weder die Schließung noch ein Betretungsverbot für die Einrichtung an.

Der Grund: Nach Ansicht des Amtes ist die Zeit zwischen dem Kontakt zur infizierten Person und dem Tag, an dem Meike R.s Kollegin noch Dienst in der Kita hatte, zu kurz, als dass diese dort schon hätte ansteckend gewesen sein können. (Lesen Sie hier: Die Polizei im Main-Kinzig-Kreis zieht ein erstes Fazit zur Ausgangssperre)

Meike R. hat dadurch keine andere Wahl, als die Kita offenzuhalten – was zu Problemen führt. So beschweren sich Eltern, die ihre Kinder vorsorglich zu Hause lassen und nicht in die Kita oder die Schule schicken, dass die Einrichtungen nicht offiziell geschlossen werden. Die Entschädigung von Arbeitsausfällen steht im Raum.

Auch die Schulleitung ist irritiert, dass kein offizielles Betretungsverbot ausgesprochen wird. Meike R. fühlt sich ratlos, kann aber nichts anderes tun, als auf die Einschätzung des Gesundheitsamts zu verweisen.

Corona-Fall in Kita im Main-Kinzig-Kreis: Test für Betroffenen nur schwer zu organisieren

Da weiß Meike R. noch nicht, dass noch ganz andere Probleme auf sie zukommen werden. Aus Angst, dass sie und ihre Kolleginnen sich angesteckt haben könnten, versucht die Leiterin, für das gesamte Team eine Testmöglichkeit zu finden. Kein leichtes Unterfangen, aber als die Hürde gemeistert ist, wartet direkt das nächste Problem: die Kostenübernahme.

Von Mitte August bis Mitte November hatten Kita-Beschäftigte das Recht auf kostenfreie Tests. Ab Ende November wurde dieses durch das Recht auf kostenfreie Schnelltests ersetzt. Der Haken: Der Fall in Meike R.s Kita fällt genau in die zwei Wochen dazwischen. Eine Zeit, in der nicht verbindlich geklärt ist, wer die Kosten übernimmt.

Das Gesundheitsamt verweist die Kita-Leiterin auf die Internetseite des hessischen Sozialministeriums. Dort solle sie sich die entsprechenden Formulare für die Kostenübernahme ausdrucken: „Dort gab es aber nur Formulare für Lehrer. Die habe ich dann einfach ausgedruckt und die alten Formulare mitgenommen, die für Erzieher bis Mitte November galten.“

Covid-Test im Main-Kinzig-Kreis: Ungeklärte Kostenübernahme führt zu Problemen

Die Arztpraxis, die die Tests vornimmt, hat zunächst keine Bedenken gegen die Formulare. „Die Praxis war wirklich super und hat es für uns möglich gemacht, dass wir in Schichten getestet werden können“, sagt Meike R.

Die Enttäuschung kommt einen Tag später: Die Arztpraxis informiert Meike R., dass es ein Problem mit dem Labor gebe. Die Formulare seien falsch, die Kostenübernahme nicht geklärt, die Tests würden folglich nicht ausgewertet. Meike R. erklärt der Praxis, dass im Zweifelsfall der Kita-Träger für die Kosten aufkommen werde. Dies sei bereits geklärt. Allein: Es nützt nichts.

In ihrer Ratlosigkeit wendet sich Meike R. erneut an das Gesundheitsamt: „Die Mitarbeiter dort waren sprachlos, als ich ihnen die Situation geschildert habe.“ Der Rat des Amtes: „Ich solle direkt im Labor anrufen und sagen, dass die Tests ausgewertet werden müssen, weil wir einen triftigen Grund durch den positiven Test der Kollegin haben.“

Kita-Leiterin im Main-Kinzig-Kreis: Schroffe Abfertigung von Testlabor - Proben vernichtet

Rund eine halbe Stunde hängt sie in der telefonischen Warteschleife des Labors. Dann erhält sie die schroffe Auskunft: „Mit Ihnen rede ich nicht. Sie sind nicht der Auftraggeber der Tests.“ Meike R. bleibt hartnäckig, schildert ihre Situation und weist erneut darauf hin, dass der Träger die Kosten im Zweifelsfall übernehmen wird.

Es ändert sich nichts. „Der Mitarbeiter des Labors hat mir gesagt, dass ich dann eben ein anderes Formular hätte verwenden müssen. Es gab aber keins für Erzieher. Außerdem hätte angeblich die Praxis angerufen und den Auftrag storniert, weil ein anderes Labor zuständig sei.“

Wenig später erfährt die Kita-Leiterin, dass die Proben vernichtet worden sind. Sie telefoniert erneut mit der Arztpraxis und erhält den Vorschlag, mit den Kolleginnen nochmals zum Test zu kommen. „Bis dahin sind eineinhalb Wochen vergangen. Zum Glück hat in dieser Zeit keine andere Kollegin Symptome entwickelt. Deshalb haben wir auf einen erneuten Test verzichtet. In dieser Zeit hätten sich über den einen Fall aber zig weitere Menschen anstecken können, wenn es anders ausgegangen wäre, ohne dass wir ein Testergebnis erhalten hätten.“

Einen Vorwurf will Meike R. weder dem Gesundheitsamt noch der Praxis oder dem Labor machen: „Die haben sicher alle für ihren Bereich korrekt gehandelt.“ Trotzdem ist ihr Fassungslosigkeit anzumerken: „Ich vermute, wir sind nicht die einzige Einrichtung, die solche Erfahrungen gemacht hat. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn die Fallzahlen steigen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema