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Coronavirus: Schulen im Main-Kinzig-Kreis ab Montag geschlossen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die beiden Schulträger Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau haben am Freitag bekanntgegeben, ab Montag, 16.März die Schulen im gesamten Kreisgebiet geschlossen zu lassen. Sie appellierten zugleich an das Staatliche Schulamt, eine Notbetreuung zu organisieren, um Härtefälle abzufedern.

Grund ist die Ausbreitung der Coronavirus-Erkrankung. Binnen zweier Tage hatte der Main-Kinzig-Kreis 13 neue bestätigte Fälle gemeldet, neun am Donnerstag, vier weitere aus Linsengericht, Birstein, Großkrotzenburg und Hanau am Freitag. Damit ist das neuartige Virus in bereits neun Kommunen des Main-Kinzig-Kreises angekommen.

Am Freitag hatte der Main-Kinzig-Kreis bereits die Friedrich-August-Genth-Schule in Wächtersbach vorsorglich schließen lassen, weil ein Mitglied der Schulgemeinde engen Kontakt zu einer erkrankten Person hatte. Um eine Weiterverbreitung möglichst zu verhindern, hatte der Kreis als Schulträger und mit seinem Gesundheitsamt – in Abstimmung mit der Schule und dem Staatlichen Schulamt – die Einrichtung geschlossen.

Kreis reagiert vor Land Hessen

„Unser Ziel neben dem Erkennen und Absondern sind das Verlangsamen der Ausbreitung und der Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger. Wir tun alles dafür, indem wir ab einem angemessenen Punkt und für einen vertretbaren Zeitraum eine erhebliche Zahl an Kontaktketten drastisch reduzieren“, erklärten Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und der Kreisbeigeordnete Winfried Ottmann seitens des Kreises wie auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel und Stadtrat Thomas Morlock seitens der Stadt Hanau.

Stadt und Kreis folgen damit den Beispielen anderer Bundesländer sowie den Empfehlungen der Bundeskanzlerin, sämtliche Sozialkontakte auf ein Mindestmaß zurückzuführen. Auch wenn für den Schulbetrieb das Land Hessen zuständig ist, haben sich der Main-Kinzig-Kreis sowie die Stadt Hanau für diesen sofortigen Schritt auf kommunaler Ebene entschieden, der vorerst seitens des Kreises auf einschließlich 3. April sowie seitens der Stadt Hanau auf den 10. April befristet ist und in Hanau weitere Einrichtungen ebenfalls umschließt.

Entscheidung hat erhebliche Nebenwirkungen

„Seit zwei Wochen sehen wir auf Landesbene, dass nichts entschieden wird. Da gibt es keine Führungsstärke, es fehlt die Unterstützung an der Basis“, monierte Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Landrat Thorsten Stolz ergänzte: „Wir reden über rund 100 Schulen im Bereich des Main-Kinzig-Kreises, mit all den Fragen der Lehrer und der Eltern, die nun aus unterschiedlichen Kommunen kommen. Entscheidungen wie an der FAG-Schule in Wächtersbach sind fachlich notwendig. Aber Insellösungen, das zeigt sich heute deutlich, sind nicht das Gebot der Stunde.“ Vor allem biete sich mit den zwei Wochenendtagen nun eine sinnvolle Zeitspanne, die sowohl die Eltern für ihre Wochenplanung als auch die Schulen für die weitere Vorbereitung nutzen könnten, so Stolz.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky schloss daran an. „Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sollen und müssen wir bis auf Weiteres auf alle vermeidbaren Sozialkontakte verzichten“, beschreibt OB Kaminsky die Maßgabe, an der sich die Frage, ob eine Einrichtung geöffnet bleiben könne, zu orientieren hat. „Jede unserer direkten Entscheidungen, die wir hier und jetzt treffen, hat erhebliche Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen, das ist uns bewusst.

Bitte um Verständnis

Aber wenn wir uns selbst aufgeben, alles zu tun, um eine Verbreitung der Erkrankung zu verlangsamen, mit der Betonung auf langsam, dann gibt es keine Alternative zu diesen Entscheidungen. Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse und auf die wachsende Dynamik haben wir aus Verantwortungsbewusstsein für unsere Bürgerinnen und Bürger am Freitag offiziell den Krisenstab einberufen, wo festgelegt wurde, dass wir überall dort, wo wir es selbst in der Hand haben, öffentliche Räume schließen“, erklärt Hanaus OB die weitreichende Entscheidung der Stadt, die auch zu einer Schließung aller städtischen Kindertagesstätten von Montag an bis vorerst 10. April führt.

Der Kreisausschuss wie auch der Magistrat der Stadt Hanau bitten die Elternschaft um Verständnis für diesen Schritt. Es werde sich zeigen, ob dieser Schritt ausreichend und angemessen gewesen ist. Aber „wir übernehmen damit im Hier und Heute Verantwortung“, man wolle verlangsamen und die Bevölkerung schützen, „wir sind dabei aber auch auf die Eigenverantwortung und die Mithilfe jeder Bürgerin und jedes Bürgers angewiesen“, so Kaminsky und Stolz gemeinsam.

Notbetreuung gewährleistet

Die Kreis- und Stadtspitzen wissen, dass die Entscheidung für Eltern eine Herausforderung bedeutet. Daher fordern sie das Staatliche Schulamt auf, genauso wie die Städte und Gemeinden nun Verantwortung zu übernehmen. An den Schulen des Main-Kinzig-Kreises wie auch der Stadt Hanau muss deshalb vor Ort ab der kommenden Woche eine Notbetreuung gewährleistet sein. „Das muss das Staatliche Schulamt organisieren und die Information zügig und zielgerichtet an die Schulgemeinden und Eltern weiterleiten“, fordern Landrat Stolz und OB Kaminsky. Es geht vor allem darum, für die Menschen Planbarkeit zu schaffen. / akh

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