Falko Fritzsch sucht Helfer für die Tafel im Bergwinkel.
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Falko Fritzsch sucht Helfer für die Tafel im Bergwinkel.

Appell von Vorsitzendem Fritzsch

Tafel im Bergwinkel sucht in Corona-Zeiten Helfer: „Es geht uns derzeit an die Substanz“

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Ein Hilferuf ereilt unsere Zeitung aus den Reihen der Tafel im Bergwinkel. Seit Corona gibt es weniger Personal, aber die Kundenzahl nimmt zu. Weitere Helfer werden dringend gesucht. Aber was müssen Interessierte eigentlich tun, wenn sie mitmachen wollen? 

Main-Kinzig-Kreis - „Wir sind froh über jede Unterstützung, die wir kriegen können. Seit Beginn der Pandemie werden zehn Prozent mehr Körbe gepackt als zuvor, 54 Haushalte sind hinzugekommen, sagt Falko Fritzsch (72) aus Schlüchtern. Der Vorsitzende der Tafel im Bergwinkel steht in der Ausgabestelle in Schlüchtern, die am Vortag regulär für die Kundschaft geöffnet hatte.

Eine Kiste mit Lebensmitteln steht noch abholbereit im Kühlfach, Tiefkühlpizzen zum Aufbacken lagern in der Kühltruhe, ein paar Getränke-Pakete sind übrig, an einem Ständer hängt etwas Kleidung. Wieder haben sie einen Ausgabe-Tag während der Corona-Krise geschafft. Aber: „Unseren Helfern geht es derzeit an die Substanz“, berichtet Fritzsch.

Wegen Corona: Tafel im Bergwinkel hat weniger Personen zur Verfügung und sucht Helfer

Insgesamt 949 Tafeln gibt es in Deutschland, davon allein 57 in Hessen. Die Tafel im Bergwinkel ist zuständig für Sinntal, Schlüchtern, Steinau und Bad Soden-Salmünster, rund 1300 Warenkörbe werden derzeit im Verteilerzentrum in Steinau monatlich gepackt und dann an den Ausgabestellen an circa 800 Kunden verkauft. Sie müssen ihren Anspruch schriftlich nachweisen können.

Die ehrenamtliche Organisation gehörte zu jenen, die am frühesten trotz Corona wieder ihre Tore öffneten, der Main-Kinzig-Kreis half dafür mit Mitarbeitern aus. Inzwischen leisten die ehrenamtlichen Helfer den Dienst wieder vollständig allein. Aber das Personal ist knapp. 133 Personen sind im Dienst. Sie sind tätig in den vier Ausgabestellen, helfen beim Packen der Lebensmittelkörbe im Warenlager in der Zentrale in Steinau oder fungieren als Fahrdienst, um übriggebliebene Ware bei den Supermärkten abzuholen. 133 – das klingt viel und ist doch wenig. Es wären sogar mehr. „28 Personen sind allein wegen Corona derzeit nicht aktiv. Viele von uns gehören der Risikogruppe an, andere können durch private Verpflichtungen, wie etwa die Pflege von Angehörigen, nicht ständig im Einsatz sein“, so der Vorsitzende.

Arbeitsalltag der Helfer bei der Tafel hat sich durch Corona und die Hamsterkäufe erschwert

Corona hat den Arbeitsalltag der Helfer noch aus einem anderen Grund erschwert: Wegen der Hamsterkäufe während des Lockdowns fehlen nun die Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum in nächster Zeit ablaufen würden. Bei Mehl, Reis und Nudeln mache sich dies sehr bemerkbar, dasselbe gelte für manche frische Ware. Lebensmittel dazukaufen, sei aufgrund der Struktur der auf Spenden basierten Tafeln nicht erlaubt, sagt Fritzsch.

Fakten

Das Konzept: Organisationen wie die Tafel im Bergwinkel sind ehrenamtlich geführt. Sie versorgen Kunden, die ihre Bedürftigkeit schriftlich nachweisen müssen. Diese können zu einem geringen Preis Warenkörbe mit Lebensmitteln kaufen, die von den Helfern gepackt werden. Der Inhalt stammt aus Spenden von Supermärkten. Es handelt sich dabei etwa um Ware, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald überschritten ist.

Kontakt: Informationen rund um eine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Tafel im Bergwinkel gibt es in der Geschäftsstelle in Steinau unter Telefon (0 66 63) 91 13 88. Die Geschäftsstelle befindet sich an der Adresse Brückentor 22b. Sie ist Montag bis Mittwoch und freitags von 9 bis 11 Uhr besetzt.

Mitarbeiten: Wer einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten und sich bei der Tafel engagieren möchte, hat die Möglichkeit, nach Terminabsprache unter der obengenannten Telefonnummer, unverbindlich vorbeizukommen und in die Arbeit reinzuschnuppern.

Spenden: Da die bundesweiten Vorgaben der Tafeln nicht vorsehen, Lebensmittel dazuzukaufen, bitten die Verantwortlichen im Bergwinkel jene, die spenden wollen, dies in Form von Warengutscheinen zu tun.

Seine Mitstreiter und er wollen darüber aufklären, was ein Engagement für die Tafel bedeutet. „Viele denken, sie müssten fünf Tage die Woche für uns parat stehen, aber das stimmt nicht“, sagt Fritzsch. Die Tätigkeiten könnten zeitlich flexibel angepasst werden. Angesprochen seien Menschen, die sich „nicht ausgelastet fühlen“. Bereits ein Engagement von einmal pro Woche für ein bis zwei Stunden würde helfen, sagt Fritzsch. Gern gesehen seien Leute, die auf Abruf verfügbar sind. Gearbeitet wird in festen Teams, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten.

Die Tafel im Bergwinkel sucht Helfer in Corona-Zeiten: Eine Altersgrenze gibt es nicht

Eine Altersgrenze gibt es nicht. Vom fitten Ruheständler bis zum Studenten, eine „gemischte Truppe“ wäre ideal, findet der Schlüchterner. Wer während der Corona-Pandemie nicht mit vielen verschiedenen Menschen zu tun haben möchte, kann trotzdem helfen. Etwa beim Sortieren und Packen der Waren oder beim Fahrdienst zu den Supermärkten. Körperlich fit müsse man für letzteres aber sein, betont Fritzsch, weil dabei schwere Kisten ein und ausgeladen werden.

„Das ist nichts, wenn Sie es an der Bandscheibe oder mit dem Herzen haben“, betont er. Wer sich mit Zahlen und Bürokratie auskennt, ist ebenfalls willkommen, denn die Tafel gleicht einem Gewerbeunternehmen, muss Vorgaben und Standards erfüllen. Über junge Mitstreiter, die körperliche Arbeit nicht scheuen, würden sich die Verantwortlichen besonders freuen. Auch ein freiwilliges soziales Jahr könnte bei der Tafel geleistet werden, bestätigt Fritzsch auf Nachfrage.

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