„Nachts wird es leiser“, haben die Bahner diese Grafik mit einem Resümee überschrieben. Gelbe Flächen bedeuten, dass die Lärmbelastung in etwa gleich bleiben werde, in den grünen Flächen soll es leiser als zuvor werden. Das Überschreiten des  Grenzwerts vom grünen zum gelben Bereich falle künftig weniger deutlich aus.
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„Nachts wird es leiser“, haben die Bahner diese Grafik mit einem Resümee überschrieben. Gelbe Flächen bedeuten, dass die Lärmbelastung in etwa gleich bleiben werde, in den grünen Flächen soll es leiser als zuvor werden. Das Überschreiten des Grenzwerts vom grünen zum gelben Bereich falle künftig weniger deutlich aus.

Live-Chat der Deutschen Bahn

Strecke Schlüchtern-Steinau im Fokus: Brückenbauwerk erscheint unumgänglich

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Wenige Tage nach dem Live-Chat der Deutschen Bahn zum Abschnitt Bad Soden-Salmünster/Brachttal der geplanten Neubaustrecke (NBS) durch das Kinzigtal lud der Schienenkonzern am Dienstagabend erneut zu einer Online-Veranstaltung ein. Diesmal ging es um den Streckenabschnitt Schlüchtern/Steinau.

Region - Nach Auskunft der DB Netze AG als Veranstalter fanden sich etwa 250 Teilnehmer in dem Chat-Forum zur Neubaustrecke ein, in dessen Verlauf rund 100 Fragen gestellt worden seien.

Daher dauerte die mittlerweile vierte Auflage dieses Online-Formats zu der Neubaustrecke zwischen Neuwirtheim und Kalbach mit fast 150 Minuten auch knapp eine Stunde länger als das Chat-Forum in der Vorwoche.

Deutsche Bahn: Bürger werden früh an Planung beteiligt

Projektleiter Dirk Schütz verwies darauf, dass die Bürger mit dieser direkten Beteiligung vonseiten der Bahn ganz bewusst in ein derzeit noch frühes Planungsstadium (Raumordnungsverfahren) einbezogen würden, weil viele Einzelheiten noch nicht festgelegt und veränderbar seien, bevor das sich anschließende Planfeststellungsverfahren beginne.

Aus demselben Grund könne er aber manche Detailfragen noch nicht beantworten, weil die vertiefende Planung eben noch ausstehe, betonte Schütz. Nach Eröffnung des Raumordnungsverfahrens folge etwa ab 2022/23 die technische Planung für das Baurecht. In dieser Phase gehe es in erster Linie um die Baulogistik (Baustraßen, Lagerflächen), die Gestaltung der Brücken oder auch die Höhe der Lärmschutzwände an den rund 13 oberirdisch verlaufenden Kilometern der 44 Kilometer langen Neubaustrecke.

Brückenbauwerk in Niederzell im Fokus

Im Mittelpunkt der schriftlich gestellten Fragen stand das Brückenbauwerk bei Niederzell und die Streckenführung südlich von Steinau. Dort am Bellinger Berg sind derzeit zwei kurze oberirdische Abschnitte vorgesehen. Schütz räumte ein, dass womöglich ein Tunnel verlängert werden und somit ein offener Abschnitt wegfallen könne.

Grundsätzlich gelte, dass bei der Trassenführung der Antragsvariante ab einer möglichen Tiefe von 15 Metern die Untertunnelung Vorrang habe und ab 15 Metern über dem Geländeniveau eine Brücke gebaut werde. Zwischen diesen beiden Eckwerten werde mit Dämmen oder „Einschnitten“ operiert.

Bürger: Brücke über den Kinzigstausee?

Keine Wertung gab Schütz auf den Einwand eines Teilnehmers ab, warum die Niederzeller „mit einer solchen Monsterbrücke bestraft“ würden, während andere Kommunen kaum belastet seien. In diesem Kontext wurde aus dem Publikum erneut eine Brücke über den Kinzigstausee zumindest theoretisch ins Spiel gebracht.

Lärmgutachten misst Schallimmissionen

Nach Angaben des Projektleiters sollen die Brückenbauwerke auf der NBS jeweils eingleisig im Abstand von 25 Metern zwischen den beiden Tunnelröhren verlaufen. Es handele sich im Grunde um zwei Einzelbrücken. Diese seien von jedem bewohnten Punkt des Stadtteils mindestens 650 Meter und mit Blick auf den Lärmschutz deutlich weiter als die Bestandsstrecke entfernt.

Auf die Frage, ob bei Lärmsimulationen zu der neuen Strecke berücksichtigt worden sei, dass durch den vorherrschenden Westwind der Schall nach Niederzell hineingetragen werde, verwies Schütz darauf, dass die Schall-Immissionen in Lärmgutachten berechnet und nicht gemessen würden.

Die Kartengrafik der Bahn soll am Beispiel von Hausen mittels „Lärmfarben“ zeigen, dass die Neubaustrecke in der Summe weniger Lärm als die Bestandsstrecke verursacht. Obendrein entstehe dieser oberirdisch viel häufiger weit abseits von Siedlungen.

In einer höhenfreien Kurve bei Schlüchtern ist laut dem Chefplaner ein eingleisiger Verknüpfungspunkt zwischen der Bestandsstrecke und der neuen Strecke für Notfälle sowie für Streckenwechsel bei Reparaturen oder Zugumleitungen vorgesehen. Ein durchgehender 44-Kilometer-Tunnel von Gelnhausen bis Kalbach sei schon allein wegen des Tunnelrettungskonzepts nicht möglich.

Im regulären Fahrplan sollen nach Inbetriebnahme der NBS auf dieser nur Güter- und Fernzüge unterwegs sein. Bei letzteren verkürze sich die Fahrzeit von Fulda nach Hanau um 13 Minuten. Die Regionalzüge führen dann allein auf der Bestandsstrecke.

Zugtakt nun halbstündig?

Laut Dirk Schütz werde das Nahverkehrsangebot der Bahn im Bergwinkel vom bisher einstündigen auf einen halbstündigen Zugtakt erweitert. Durch die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund zu gestaltenden Zugfahrpläne werde es künftig wohl weniger verspätete Abfahrten geben.

Weitere Fragen drehten sich um den Natur- und Tierschutz sowie um die Barrierefreiheit an Bahnhöfen entlang der Bestandsstrecke. Dieser Aspekt ist laut Schütz aber „nicht Teil des Neubauprojekts“.

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