Christian Zimmermann ist studierter Agrarwissenschaftler.
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Christian Zimmermann ist studierter Agrarwissenschaftler.

Wahl am 1. November

„Die Grimmstadt muss Chancen ergreifen“: Christian Zimmermann kandidiert bei Bürgermeisterwahl in Steinau

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Bürgermeisteramt und Landwirtschaft haben mehr gemeinsam als man denkt – das berichtet Kandidat Christian Zimmermann (parteiunabhängig) aus Steinau. Im Fall seiner Wahl will der gebürtige Österreicher als Erstes bei der Verwaltung ansetzen und dann gemeinsam „heiße Eisen“ wie Haushalt, Windkraft und Bahnausbau anpacken.

Steinau an der Straße - Zahlen und Finanzen sind das Steckenpferd von Zimmermann. Als Agrar-Manager berät der 50-Jährige seit 2014 landwirtschaftliche Betriebe. Da geht es häufig um Millionen. Verluste müssten hierbei dargestellt und die Finanzlage der Betriebe bewertet werden, erklärt er. Steinaus desolater Haushalt wird dies von dem verheirateten Vater zweier Töchter ebenso erfordern.

Zimmermann wurde 1970 als erster von vier Söhnen in Graz geboren. Im Alter von zwei Jahren kam er nach Deutschland. 1992 zog die Familie nach Steinau und bewirtschaftete bis 2013 die Domäne Hundsrück. Der landwirtschaftliche Betrieb der Zimmermanns ist inzwischen nach Seidenroth verlegt worden. Neben seinem Beruf unterstützt Zimmermann dort seinen Bruder. Zöge er ins Rathaus ein, will der Kandidat dies einstellen und ausschließlich Bürgermeister sein. Die Politik liege in der Familie: In der österreichischen Verwandtschaft seien viele kommunalpolitisch engagiert, erzählt er.

Christian Zimmermann kandidiert bei Bürgermeisterwahl in Steinau

Seine Berufe haben den studierten Agrarwissenschaftler und -manager fit für das Bürgermeisteramt gemacht, findet er. Die Landwirtschaft sei geprägt durch Verordnungen, Rahmenrichtlinien, juristische Abläufe und Verwaltungstätigkeiten. Dies komme ihm für das angestrebte Amt zugute. Zimmermann bringt noch anderes Hintergrundwissen mit und zwar in Bezug auf Themen wie Umwelt, Naturschutz, Forstwirtschaft, Wasserrahmenverordnungen und Gesetze. Das sind nützliche Fachkenntnisse etwa bei den geografischen Details von Windkraftplänen oder der geplanten Bahntrasse.

„Ich bin damit vertraut, Dinge auf den Prüfstand zu stellen“, erklärt Zimmermann. Wo will er in Steinau damit anfangen? „Beim Umgangston“, sagt er. Und fügt hinzu: „Ich will ein neues Wir-Gefühl etablieren. Steinau und seine Ortsteile sind so vielfältig, zum Beispiel was das kulturelle Angebot und die Landschaft betrifft. Andere Kommunen mit ähnlichen Standortbedingungen zeigen uns, was möglich ist. Diese Chance müssen wir ergreifen.“

Themen

Umwelt und Natur

Klimaneutrale Verwaltung, Wärmegewinnung in öffentlichen Gebäuden, Erhalt des städtischen Waldbestands. Steinau angesichts des Klimawandels fit für die Zukunft machen.

Soziales

Familien-, kinder- und jugendfreundliche Kommune schaffen. Den Neubau des Kinder-gartens Märchenwald anpacken. Altersge-rechte Wohnmög-lichkeiten für Senioren, Seniorenrathaus eta-blieren, Ehrenamts-börse.

Kultur

Kulturschaffende, Privatleute, Vereine und Kirchen bei der Organisation von Veranstaltungen für die Gemeinschaft unterstützen.

Verwaltung

Die Stadt als Dienstleisterin der Bürger. Neubeginn im Bereich Kommunikation.

Wohnungsbau

Neue Wohngebiete sollen in den Ortsteilen erschlossen, Potenziale in der Innenstadt besser genutzt, Baulücken geschlossen werden.

Wirtschaft und Digitalisierung

Schnelles Internet, mittelständische Betriebe und Start-Ups ansiedeln.

Finanzen

Konsolidierungsziele erarbeiten, Entlastung des Schuldendrucks, Unternehmen ansiedeln, Tourismus und Museen fördern, Tourismus-App etablieren. Förderanträge stellen.

Zimmermann möchte mit der Belegschaft im Rathaus schauen, wo der Schuh am meisten drückt und dort ansetzen. Stichwort Effizienz, Abläufe präzisieren, Digitalisierung und klimaneutral wirtschaften. „Die Verwaltung muss sich als Dienstleister für den Bürger verstehen und sich auch so präsentieren. Ich kenne Kuhställe, die sind digitaler als unser Rathaus. Das kann so nicht bleiben“, findet er. Beeindruckt ist er vom produktiven Miteinander in den Gremien seit Arnold Lifka Interimsbürgermeister ist. „Wir alle wollen Steinau nach vorn bringen, über Parteigrenzen hinweg. Nur darauf kommt es an“, bekräftigt er.

Dazu gehöre auch, sich Fördergelder nicht mehr „durch die Lappen gehen zu lassen“ und vor allem Förderfähiges zu bieten. „Die Gelder sind projektbezogen. Das ist kein Topf, indem man nach Herzenslust wühlen kann“, gibt der Steinauer zu bedenken. Den Betriebswirt beschäftigt die Frage, wo etwas eingespart werden kann, um langfristig eine lebenswerte Stadt für die Bürger zu erhalten. An so mancher Stellschraube ließe sich drehen, findet er und bringt zum Beispiel eine Umwandlung der Bäder in eine gemeinnützige GmbH ins Spiel. „Wir müssen offen für Neues sein“, so der 50-Jährige.

Zimmermann: Ich bin damit vertraut, Dinge auf den Prüfstand zu stellen

Zimmermann hält die Ansiedlung von mittelständischen Unternehmen für wichtig, will die Grimmstadt für Start-Ups attraktiv machen sowie privat geführte Unternehmen zum Bleiben und Investieren ermutigen. „Was hat Steinau davon?“, lautet für ihn stets die Frage. Auch bei der Windkraft: „Ich bin davon nicht abgeneigt. Die Landwirtschaft ist wie kein anderer Wirtschaftszweig vom Klimawandel geplagt. Dass die Energiewende notwendig ist, lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber die Vorrangflächen für Windkraft werden am Schreibtisch festgelegt“, kritisiert er. Ein Windpark solle nicht entstehen, wo 200 Jahre alte gesunde Eichen stehen. Wo Borkenkäfer gewütet hätten aber vielleicht schon. „Und am besten so, dass die Gewerbesteuer in Steinau gezahlt wird“, sagt er. Für den Bau von Windrädern gelte, dass die Grundvoraussetzungen stimmen müssten.

Was die Trassenvarianten der geplanten neuen Bahnstrecke betrifft, will Zimmermann Steinaus Interessen wahren. „Die Trasse wird kommen, das lässt sich nicht verhindern, aber wir können mitbestimmen, wie sie kommt“, sagt er. Es müsse dafür gekämpft werden, dass Einschnitte in die Natur, die Belastung der Bürger und die Konsequenzen für die Stadt so gering wie möglich ausfielen. Steinau könne es sich – auch aus wirtschaftlicher Sicht – nicht leisten, dass zum Beispiel die Neubaugebiete direkt betroffen seien. Gewisse Rahmenbedingungen müssten eingehalten werden.

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