Blick auf einen Medikamentenschrank (Symbolfoto).
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Einer Frau aus Schlüchtern wird vorgeworfen, Arzneien aus dem Gefängnis in Gelnhausen gestohlen zu haben.

Tatort Knast

Stahl 54-jährige Frau aus Schlüchtern Arzneien aus dem Gefängnis in Gelnhausen?

Schwere Anschuldigungen gegen eine Frau aus dem Altkreis Schlüchtern. Die Staatsanwaltschaft Hanau wirft der 54-Jährigen in 23 Fällen den Diebstahl von Medikamenten und in 34 Fällen Urkundenfälschung vor. Die Frau bestreitet die Vorwürfe teilweise.

  • Einer 54 Jahre alten Frau aus Schlüchtern wird vorgeworfen, Arzneien gestohlen zu haben.
  • Der Gesamtwert der aus dem Gefängnis in Gelnhausen gestohlenen Waren betrug über 1000 Euro.
  • Die angeklagte Beamtin bestreitet die Diebstähle.

Schlüchtern/Gelnhausen - Der mutmaßliche Tatort ist dabei ein besonderer: Die Jugendarrestanstalt in Gelnhausen. Dort hat die Frau bis zum Aufdecken der Straftaten in der Krankenstation gearbeitet. Dabei war sie auch für den Umgang mit den und die Bestellung der Medikamente zuständig. 

Laut Anklage sollen dort im Zeitraum von Mitte Januar 2017 bis Mitte Januar 2018 zahlreiche Arzneien verschwunden sein. Dabei handelt es sich nicht um spezielle Produkte, sondern eine bereite Palette: Von der Mundspülung bis zu Augentropfen, von Wärmepflastern über Nasenspray bis hin zu Beruhigungsmitteln.

Wert des Diebesgutes: über 1000 Euro

Alles eigentlich für die Verwendung bei den Arrestanten gedacht. Der Gesamtwert der gestohlenen Waren betrug über 1000 Euro. Als die Unregelmäßigkeiten an übergeordneter Stelle auffielen und eine umfassende Kontrolle der Bestände anstand, soll laut Anklagebehörde die Beamtin rückwirkend die Krankenakten der Insassen manipuliert haben.

So sollte es den Anschein erwecken, dass die Arzneien ordnungsgemäß ausgegeben wurden. Nach der Entdeckung der Differenzen wurde die 54-Jährige umgehend suspendiert. Heute lebe sie von um 50 Prozent reduzierte Bezüge.

Angeklagt bestreitet Diebstahl aus dem Gefängnis

Schon während ihrer Dienstzeit habe sie unter einer permanenten beruflichen und privaten Überlastung gelebt. Das habe zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen geführt, wegen denen sie sich immer wieder in ärztliche Behandlung begeben musste, erklärte der Verteidiger der Angeklagten.

Er bestritt auch in ihrem Namen die Diebstähle. Lediglich eines der Medikamente, die über die Arrestanstalt bei einer Gelnhäuser Apotheke bestellt wurden, habe sie für den Eigenverbrauch entnommen. Dies habe sie bei den Bestellungen auch angegeben und um eine separate Rechnung gebeten, um es aus eigener Tasche zu bezahlen.

Verteidiger spricht von Kurzschlusshandlung der Frau aus Schlüchtern

Die getrennte Abrechnung sei allerdings nur anfangs ein- bis zweimal erfolgt. Später sei es vergessen worden. Als die Frau dann im Vorfeld der umfassenden Kontrolle der Bestände in der Anstalt mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, sei die Angeklagte „in Panik geraten“.

In einer Art Kurzschlusshandlung habe sie die Krankenblätter der Arrestanten manipuliert. Der Verteidiger sprach in diesem Zusammenhang von einer „planlosen Ausführung“. Der Anwalt betonte, dass zahlreiche Bedienstete Zugriff zu dem Krankenzimmer und dem dortigen Medikamentenschrank hatten. Der Schlüssel hierfür habe zentral an der Pforte und damit für jeden zugänglich gelegen.

Prozess wird Dienstag am Schöffengericht Gelnhausen fortgesetzt

Selbst nach einem Schlosswechsel im April/Mai 2017 hätten immer noch mehrere Personen Zugang gehabt. Die Beschuldigte betonte, immer wieder auch andere Bedienstete an dem offenen Schrank mit der Medizin angetroffen zu haben. Auch offene Packungen seien ihr aufgefallen. Irgendwann habe sie den Überblick über die Entnahmen verloren.

Der Prozess wird am Dienstag mit der Anhörung weiterer Zeugen vor dem Schöffengericht Gelnhausen fortgesetzt.

ls  

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