Volker Schork (links) und Herrmann Stiegler zählten auf der Brücke bei Leimenhof (mit Blick auf die Engelbert Strauss CI-Factory), den Verkehr und fordern vehement: „Abstand halten!“
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Volker Schork (links) und Herrmann Stiegler zählten auf der Brücke bei Leimenhof (mit Blick auf die Engelbert Strauss CI-Factory), den Verkehr und fordern vehement: „Abstand halten!“

Auto Club Europa

Verkehrszählung am Distelrasen: Jeder fünfte Lastwagen fährt zu dicht auf

Der Auto Club Europa (ACE) hat bei Verkehrszählungen, die auch an der A66 bei Schlüchtern stattgefunden haben, festgestellt, dass jeder fünfte Lastwagen zu dicht auffährt. Daran haben aber auch jene Autofahrer ihren Anteil, die zu wenig über die Funktion des Notbrems-Assistenten wissen, der in Lastwagen seit 2015 Pflicht ist.

Schlüchtern - Der Schwerlastverkehr hat in den vergangenen Jahren jährliche Zuwachsraten. Jeder Autofahrer kann dies insbesondere auf den Autobahnen mitverfolgen. Die zunehmende Verkehrsdichte in den Morgen- und Abendstunden führt zu immer kürzeren Abständen zum vorausfahrenden Fahrzeug und infolge dessen zu Auffahrunfällen mit zum Teil schweren Personen- und Sachschäden sowie Staus und stundenlangen Straßensperrungen.

Nach Angaben des ACE nehmen diese Unfälle besonders auf den Autobahnen zu. „Die täglichen Stau- und Unfallmeldungen im Rundfunk und den anderen Medien beginnen in den frühen Morgenstunden, wenn sich der Berufsverkehr in Gang setzt“, stellt der Vorsitzende vom ACE-Kreisvorstand Main-Kinzig und Wetterau, Hermann Stiegler (Rodenbach), bei der Präsentation der Abstandzählungen auf der A66 fest.

Verkehrszählung am Distelrasen: Jeder fünfte Lastwagen fährt zu dicht auf

Die traurige Bilanz aus dem Jahr 2019: 488 Lastwagen-Unfälle an den Stauenden und 45 Todesopfer. Davon fanden 410 reine Unfälle ausschließlich zwischen Lastwagen mit Leicht- und Schwerverletzten statt. Diese Fakten waren für den ACE-Kreisvorstand Anlass, den Mindestabstand der Brummis untereinander auf der A66 zwischen Gelnhausen und Fulda und in umgekehrter Richtung nach Hanau zu beobachten und zu zählen. (Lesen Sie hier: Corona-Sonderkontrollen im Main-Kinzig-Kreis: Polizei erwischt 23 Nachtschwärmer).

Die Ehrenamtlichen, Hermann Stiegler (Kreisvorstandsvorsitzender), Anton Hofmann (Kreisvorstands-Mitglied und Pressesprecher) und der Regionalbeauftragte für Hessen, Volker Schork, alle im roten ACE-Outfit gut zu erkennen, beobachteten und notierten über eine Stunde von 13 bis 14 Uhr auf der Brücke von Leimenhof nach Flieden über die A66 die Abstände und hielten dies in einer Tabelle fest.

Ernüchternde Ergebnisse nach der Zählung

Die Zählungen führten zu ernüchternden Ergebnissen. Von den 64 gezählten Lastwagen in Richtung Fulda hielten 44 den korrekten Abstand von mindestens 50 Metern ein, allerdings waren 20 mit zu geringem Abstand unterwegs. In der Gegenrichtung waren 82 Brummis unterwegs. Davon hielten 70 den korrekten Abstand ein und zwölf fuhren mit zu geringem Abstand. Folglich fuhr insgesamt jeder Fünfte zu dicht auf.

Bei der Zählung blieben die Lastwagen zwischen den Autos und Sprintern unberücksichtigt, was einem ehemaligen Brummi-Fahrer aufstieß, der die Zählaktion vor einigen Wochen beobachtete und zu der Bemerkung veranlasste: „Ihr wollt wohl unseren Berufsstand schlechtreden und für alle Unfälle auf den Autobahnen verantwortlich machen.“ Dem widersprach Anton Hofmann als ehemaliger Gewerkschaftsekretär mit folgenden Argumenten: „Wir wollen Lastwagenfahrer nicht schlechtmachen, leisten sie doch wichtige Arbeit. Ein Problem ist in vielen Fällen mittlerweile der starke Termindruck, unter dem Fahrer stehen. Da wird um jede Minute gekämpft. Gleichzeitig gibt es aber auch solche, die während der Fahrt Kaffee kochen, Filme schauen oder mit dem Handy hantieren, wie Fernsehreportagen von der Autobahnpolizei zeigen.“

Anton Hofmann (ACE): „Lastwagenfahrer haben immer die Uhr im Rücken“

Zum Thema Sprinter gab Anton Hofmann dem Brummi-Fahrer recht. „Die Lastwagenfahrer haben immer die Uhr im Rücken“, sagt er. „Der Zeitdruck ist in der Branche groß. Noch größer ist er jedoch bei den Lieferdiensten, die mit Sprintern unterwegs sind.“ (tim)

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