Foto: Rainer Habermann

Doppel-Brandstiftung in Schlüchtern: Beweise reichen bislang nicht zur Verurteilung

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Schlüchtern - Im Prozess gegen eine heute 45-jährige, geistig behinderte Schlüchternerin wegen des Verdachts der Brandstiftung und schweren Brandstiftung an zwei Discountern in Schlüchtern im August 2018, hat sich der konkrete Tatverdacht während des dritten Verhandlungstags vor dem Hanauer Landgericht nicht weiter erhärtet.

Von Rainer Habermann

Drei Zeugen wurden von der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Landgerichtspräsidentin und Richterin Susanne Wetzel gehört: eine Kripobeamtin, welche die Ermittlungen in der Brandsache leitete; eine Anwohnerin, die Fotos von der Angeklagten am Tatort gemacht hatte – allerdings als Schaulustige während des hoch lodernden Feuers; und ein Sachverständiger der Brandversicherung eines Marktbetreibers, der als Gutachter bei der Brandermittlung eingesetzt war.

Überwachungsvideos bringen keine Klarheit

Zudem wurde das Video einer Überwachungskamera im Gerichtssaal abgespielt, das beim vorigen Termin fehlte und dessen Ersatz – drei Schwarzweiß-Aufnahmen – für Befremden bei allen Prozessbeteiligten sorgte. Doch auch nach Abspielen des Videos konstatierte Richterin Wetzel: „Ob das für eine Verurteilung wegen Brandstiftung in zwei Fällen reicht?“

Zu sehen ist darauf lediglich eine hell gekleidete Person in kurzer Hose oder Rock, die in weiter Ferne hinter dem Gebäude verschwindet. Auch ein völlig pixeliges Hineinzoomen auf die Person konnte die angebliche Brandstifterin nicht einwandfrei identifizieren. Der „Timecode“ im Video stimmt zwar mit der ungefähren Tatzeit überein, aber nur mit viel Fantasie lässt sich aus dem Video schließen, dass es die Angeklagte war, die hinter dem Gebäude verschwand und dann tatsächlich auch die Mülltonnen in Brand setzte, die letztlich zum Vollbrand des Norma-Marktes führten.

„Ich habe zweimal Quatsch gemacht“

Davon gibt es kein Video. Nur dass in Papier- und Restmülltonnen der Brandherd lag, bestätigte der Brandsachverständige. Hat die Angeklagte hinter dem Markt eine Zigarette geraucht? Man weiß es nicht, Raucherin ist sie jedenfalls. Hat sie den Brand gelegt? Und wenn ja: fahrlässig oder vorsätzlich?

Auch das spielt eine gewaltige Rolle bei der Strafzumessung. Vor allem aber: War sie es überhaupt? Schließlich konnte eine direkte Zeugin sie auch nur vor der vermeintlichen Tat beobachten; und hinterher, unter den Schaulustigen, die es ja bei Großbränden immer in Massen gibt.

Die Zeugin, die ein Foto von der 45-Jährigen gemacht hatte, wie diese mitten unter den Gaffern stand, zog ihr Kamerahandy jedenfalls gezielt – wohl weil ihre Tochter, Schlüchterner Feuerwehr-Mitglied, und ihr Schwiegersohn, auch Kamerad, sagten: „Da ist schon wieder die!“ Weil sie auch am Tag zuvor, als der Jawoll-Markt brannte, unter den Gaffern war.

Die stadtbekannte Angeklagte hatte bei der polizeilichen Vernehmung gesagt: „Ich habe zweimal Quatsch gemacht.“ Aber das „Geständnis“ ist widerrufen. Und für jeden gilt vor Gericht: Im Zweifel für den Angeklagten. Die Tat muss erst bewiesen sein.

Das könnte Sie auch interessieren