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Dorfjugend hält alten Neujahrsbrauch aufrecht

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Gunzenau - Etliche Jahre hat er sich um diese Aufgabe gedrückt. Gestern musste er kapitulieren: Chris Bloß war der Strohbär, der zum Jahresbeginn von der Dorfjugend durch den Ort geführt wurde.

Die Tradition im Freiensteinauer Ortsteil Gunzenau ist schon uralt, wird von der Dorfjugend aber ähnlich hoch gehalten, wie ansonsten in der Großgemeinde nur noch in Ober-Moos. Dort ziehen die jungen Frauen und Männer bereits am 27. Dezember durch den Ort, um in jedem Haus um Eier, Wurst oder etwas Bargeld zu bitten. Im Gegenzug ist der Bär dabei, der die bösen Geist vertreiben soll.

Die Bräuche sind sich so ähnlich – und haben wohl den gleichen Ursprung –, dass sich eine gewisse nachbarschaftliche Rivalität entwickelt hat. "Die Ober-Mooser haben gelästert, dass sie den schöneren Bären hätten", meinte gestern einer der etwa 30 jungen Leute, die mit dem Gunzenauer Bären durch die Straßen zogen. Nun, über Schönheit lässt sich bekanntlich nicht streiten. Es gibt aber einen Unterschied, der sich auf das Aussehen niederschlägt: In Ober-Moos wird das Haferstroh zunächst zu langen Würsten gewickelt und gebunden. In Gunzenau dagegen wird direkter vorgegangen. Der für den Job des Bären ausgewählte junge Mann wird direkt in das Haferstroh gewickelt und dieses dann mit Seilen fixiert. Dadurch und durch den hohen Strohkopf, auf den im Nachbardorf verzichtet wird, erhält der Bär ein etwas wilderes Aussehen als in Ober-Moos.

Gegen 9 Uhr kamen am Neujahrstag die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammen, um in knapp dreistündiger Arbeit den Bären zu wickeln. Eigentlich war Fabian Seltner dafür ausgewählt worden. Eine beim Fußball zugezogene Knieverletzung erforderte aber eine Neubesetzung der Hauptrolle. Diese übernahm schließlich mit Chris Bloß der mit 30 Jahren älteste in der Runde. "Ich musste es jetzt machen, weil ich noch nicht der Bär war. Ich habe es immer rausgezögert und mich drum gedrückt. Jetzt mit 30 musste ich mich aber der Realität stellen", erklärte er lachend während des Zugs durch den knapp 160 Einwohner zählenden Ort. Obwohl Straßen, Höfe und Dächer leicht mit Schnee bedeckt waren und auch das Thermometer eine Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt anzeigte, wurde es Bloß alles andere als kalt. Sein Fell aus Stroh hielt so warm, dass er ins Schwitzen geriet, obwohl er lediglich mit Hose und dünnem Pulli bekleidet war.

Zum Abschluss ging es dann am späten Nachmittag in die Gaststätte Hofmann, wo noch zünftig gefeiert wurde.

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