Fotos: privat

Auf dem Drahtesel in die Welt hinaus – 71-Jähriger dokumentiert Touren mit Kamera

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Ohne seinen Drahtesel ist Axel Friedrich nur selten anzutreffen. Seine Touren quer durch den Bergwinkel und darüber hinaus dokumentiert er bereits seit etlichen Jahren mit der Kamera – und stellt die kurzen Filme für andere begeisterte Radler und Radtouristen auf dem Videoportal Youtube online, auf seinem Kanal „friaxel“.

Von Katrin Noll

Seine Leidenschaft entdeckte der 71-Jährige früh: Als kleiner Junge reiste er ab Mitte der 1950er Jahre mit seinen Eltern und den Geschwistern regelmäßig in den Ferien von Weichersbach zum Zelten nach Italien. Auf der Fahrt dorthin bewunderte er stets die sportlichen Radfahrer, die mit ihren Rennrädern selbst steilste Alpenpässe bezwangen. „Da schwor ich mir insgeheim: Wenn ich groß bin, fahre ich auch einmal mit dem Rad über die Alpen.“

Bis er sich den Traum erfüllen konnte, vergingen fast 30 Jahre – vergessen hat er seinen Kindheitswunsch jedoch nie. „Ich hörte auf zu rauchen und kaufte von dem ersparten Geld für meine Frau und mich zwei Fahrräder mit Fünf-Gang-Schaltung.“ Anfangs ist er aber lediglich von Zuhause zur Arbeit gefahren, erzählt der ehemalige Konstrukteur und Projektleiter im Bereich Schlachthausbau bei der Firma Vogt in Schlüchtern: „Mir hat sechs Wochen lang der Hintern weh getan.“

Erster Film entstand 1985

Das Ehepaar hielt am neuen Hobby fest und startete bald darauf, im Mai 1985, eine ausgedehntere Tour mit Zelt und Schlafsack an den Gardasee. Dabei entstand auch Axel Friedrichs erster Fahrradfilm, damals noch aufgenommen im Super-8-Format. Es folgten zahlreiche weitere Touren: auf den bekannten Fernradwegen Passau – Wien, Bodensee – Königssee, dem Fünf-Flüsse-Radweg, dem Main-, Saale-, Rhein- und Kocher-Jagst-Radweg oder entlang kleinerer Flüsse wie Fulda, Ilm, Unstrut, Lahn und Eder – jeweils von der Quelle bis zur Mündung.

Auf selbst zusammengestellten Routen radelte Friedrich von Schlüchtern in die Welt hinaus: ins Elbsandsteingebirge, in den Spreewald, mehrfach nach Berlin und bis nach London. „Der Höhepunkt war die 1800 Kilometer lange Tour zur Olympiade 1992 nach Barcelona.“

Über 40.000 Kilometer gefahren

Für seine Arbeitskollegen – erst in der Firma Vogt, dann in der Kinzig-Schule, wo Friedrich bis zur Rente elf Jahre lang als Fachlehrer für Informationsverarbeitung beschäftigt war – organisierte er mehr als 40 Radausflüge, bei deren Planung er das Internet nutzte. Kurz vor seinen Eintritt in den Ruhestand 2011 kaufte er sich ein neues Rad, mit dem er schon über 40.000 Kilometer zurückgelegt hat. „Das entspricht der Strecke einmal um den Äquator“, sagt er stolz.

Einen Großteil dieser stattlichen Kilometer-Summe hat er in heimatlichen Gefilden zurückgelegt. Dabei kam er mit vielen anderen Radlern ins Gespräch. „Mir fiel auf, dass den meisten außer der Route von Schlüchtern aus um den Stausee bei Ahl kaum andere Ziele bekannt waren.“ Auch das fehlende Radwegekonzept in Schlüchtern bemängelt er – hier besteht laut Friedrich dringend Nachholbedarf: Nur wenige ausgewiesene Radwege, keine fahrradgerechte Beschilderung mit Entfernungsangaben und Wegpassagen, die durch Drängelgitter, Verbotsschilder und Treppenstufen auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen nicht passierbar seien.

Erfahrung an Touristen weitergeben

Auch dass der Hessische Fernradweg R3 – der in schlechtem Zustand sei – auf einer für Radfahrer gefährlichen Hauptverkehrsader um die Kernstadt herumgeführt wird, ist für ihn unverständlich – gehe so doch die Kaufkraft der vielen Tourenradler dem Einzelhandel und der Gastronomie in der Innenstadt verloren.

Deshalb beschloss er, den Radlern und Radtouristen, die nach Schlüchtern kommen, Alternativen an die Hand und seine Erfahrungen weiterzugeben. Er fing damit an, seine Fahrten mit der Kamera aufzunehmen, bearbeitete sie bei schlechtem Wetter am Computer nach, unterlegte sie mit stimmungsvoller Musik. Diekurzweiligen und informativen Tourenporträts lud Friedrich auf dem Videoportal Youtube hoch. Inzwischen hat er auf seinem Kanal „friaxel“ über 70 Clips online gestellt, darunter 66 Videos von Radtouren rund um Schlüchtern.

Freude über positive Kommentare

„Ich achte immer darauf, außergewöhnliche Ziele oder schöne Landschaften anzufahren. Und besonders freue ich mich über positive Kommentare, die mich sogar von anderen Kontinenten erreichen, aus Südamerika oder den USA, wo sich ehemalige Bergwinkler oder Nachfahren von Auswanderern die heimatlichen Aufnahmen gerne anschauen.“

Seine Touren, die er alleine, in Begleitung seiner Frau oder mit gleichgesinnten Freunden unternimmt, sind zwischen 13 und 87 Kilometer lang, eignen sich für Einsteiger und Fortgeschrittene und starten zumeist direkt in der Bergwinkelstadt. Wenn nicht, so sind Start und Ziel mit dem Auto oder der Bahn leicht zu erreichen. Unter den Videos findet sich eine kleine Tourenbeschreibung mit Kilometerangabe und oft ein Link, der auf Tourenplaner verweist, von denen GPS-Daten heruntergeladen werden können.

Reizvolle Natur und tolle Ausblicke

Mit Freude ist Axel Friedrich im Sinntal unterwegs, auch die verschiedenen Bahnradwege in der Region, etwa von Altengronau nach Wildflecken oder der Vulkanradweg im Vogelsberg und der Milseburgradweg in der Rhön, haben es ihm angetan – wegen der reizvollen Natur und der tollen Ausblicke. „Außerdem sind sie schön zu fahren“, weiß er. Demnächst möchte er auf seinem Drahtesel das Kalibergwerk in Neuhof, Büdingen und den Glauberg ansteuern und dies dokumentieren. „Ideen und Ziele gibt es noch genug.“

youtube.com/user/friaxel/videos

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