Eine Frau zieht sich Geld am Automaten.
+
Eine Frau zieht sich Geld am Automaten.

Diebstahl per EC-Karte?

„Eine lügt uns hier die Hucke voll“: Richter bleibt im Streit der ehemals besten Freundinnen nur Freispruch

„Eine lügt uns hier die Hucke voll.“ So brachte Richter Thomas Russell das Ergebnis der Verhandlung vor dem Amtsgericht Gelnhausen auf einen Nenner. Weil im Streit zweier Freundinnen am Ende Aussage gegen Aussage stand, sprach er die 27-jährige Angeklagte frei.

  • Eine 27-jährige Frau stand vor dem Amtsgericht Gelnhausen vor Gericht, weil sie Diebstahl begangen haben soll.
  • Das mutmaßliche Opfer war ihre ehemals beste Freundin.
  • Der 30-Jährigen soll die Angeklagte mehrmals unerlaubt mit deren EC-Karte von deren Konto höhere Geldbeträge abgehoben und für sich behalten haben.

Hasselroth - Vor dem Amtsgericht Gelnhausen hatte sich die Frau aus Hasselroth wegen des Vorwurfs des Diebstahls zu verantworten. Angezeigt worden war sie von einer 30-Jährigen. Beide waren einst beste Freundinnen, die in einem Haus wohnten und sich gegenseitig bei der Betreuung der Kinder halfen. Aber nur bis Juli 2019.

Beste Freundin angeklagt: Richter gibt Freispruch

Da hatte die Ältere, so steht es in der Anklage der Staatsanwaltschaft Hanau, der Jüngeren ihre Bankkarte mit der zugehörigen Geheimzahl übergeben. Während sie die Kinder hütete, sollte die andere damit von einem Bankautomaten 50 Euro abheben.

Überwachungsbilder aus der Bank liegen vor

Stattdessen buchte diese 500 Euro ab, übergab aber nur die erwarteten 50 Euro und die Bankkarte. Den Rest soll die Beschuldigte für sich behalten haben. Zwei Tage später soll die Angeklagte bei einem Besuch der Freundin deren EC-Karte entwendet und – die Geheimzahl noch im Kopf – bei einer anderen Bank 2000 Euro abgehoben und einbehalten haben.

Von dieser zweiten Aktion existieren Überwachungsbilder aus der Bank. Die 27-Jährige ließ über ihren Verteidiger beide Geldabhebungen einräumen. Das Geld habe sie jedoch in beiden Fällen komplett an die Freundin abgegeben.

Im Zweifel für die Angeklagte

Der Grund, warum sie am Automaten zugange war: Die 30-Jährige kannte sich mit der Technik nicht aus. Deswegen habe sie ihr gezeigt, wie das Gerät bedient werde. Von den 2000 Euro habe die 30-Jährige eine Couch kaufen wollen. Die Geschädigte beharrte derweil auf ihren Vorwürfen. Von den 2500 Euro habe sie lediglich 50 Euro gesehen.

Als Grund, warum die ehemalige Freundin sie angezeigt habe, mutmaßte der Verteidiger einen vorgelagerten Streit. Die 30-Jährige wollte die Jüngere zu einem Treffen mit zwei Männern mitnehmen, was diese ablehnte. Außerdem hatte er Gerüchte parat: So soll die Frau schon einmal in Gießen eine Person unberechtigt wegen Diebstahls angezeigt und psychische Probleme haben.

Gericht verwundert: Geschädigte lebt von Sozialleistungen

Richter Russell wunderte sich über die „ordentlichen Beträge“, die da auf dem Konto waren. Schließlich lebe die Geschädigte von Sozialleistungen. Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft war nicht ersichtlich, welche der beiden Damen log. Wenn der Diebstahl so stattgefunden habe, sei es eine „Sauerei“.

Nach dem Grundsatz „im Zweifel für die Angeklagte“ blieb dem Richter aber nichts anderes übrig als ein Freispruch. Zuletzt war ein krasser Fall von Tierquälerei an einem Fohlen vor Gericht in Gelnhausen verhandelt worden. Bei dem kleinen Pferd war das Halfter bereits in den Körper bis auf den Knochen eingewachsen.

Vor dem Amtsgericht Gelnhausen stand jüngst auch ein Mann aus Bad Orb vor Gericht. Auf martialische Weise hatte versucht, der 35-Jährige eine Frau einzuschüchtern. Seiner Internet-Bekanntschaft schickte er ein Foto von sich, in der Hand ein großes Messer, mit der Klinge in Richtung Kamera gehalten. 

Und das Jugendschöffengericht Gelnhausen verurteilte einen 22-Jähriger aus Schlüchtern zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren, weil er an eine Minderjährige zweimal Ecstasy abgegeben hat. (ls)

Das könnte Sie auch interessieren