Repro: Tim Bachmann

Ehepaar Alt nimmt nach zwölf Jahren Abschied vom Elmer Gemeinschaftshaus

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Elm - Abschied nehmen, heißt es nach zwölf Jahren für das Pächterehepaar Alt. Sie haben das Pachtverhältnis für das Dorfgemeinschaftshaus in Elm zum Silvestertag im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung auf eigenen Wunsch beendet. Die Gründe sind schnell genannt: Gesundheit, Zeit und natürlich das Finanzielle. Sabine Alt: „Dorfkneipen haben es heute schwer.“

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

„Oft hört man: ‚Früher war alles besser‘. Vieles hat sich in den letzten zwölf Jahren verändert. Oft hört man auch das Wort ‚Kneipensterben‘. Sicherlich trägt dazu bei, dass das Gastronomiegewerbe – gerade auf dem Dorf – nicht mehr den Stellenwert hat, welchen es früher einmal hatte“, so die Pächter in einer Online-Mitteilung an ihre Gäste gewandt.

Internet statt Kneipe?

In Zeiten der Digitalisierung treffe man sich heute nicht mehr Abends auf ein Bier in der Stammkneipe. Dinge würden im Internet gekauft, die regionalen Unternehmen und Vermarkter hätten es immer schwerer. Das Geld sitze eben nicht mehr so locker, wissen die Alts.

Auch die steigenden Auflagen, das Finanzamt, Teuerungsraten und die Bürokratie machten es kleinen Unternehmen immer schwerer, konkurrenzfähig zu bleiben beziehungsweise das alles selbständig und kostendeckend zu bewältigen, erklärt Sabine Alt, die selbst noch halbtags arbeitet, während Uwe Alt inzwischen in Rente ist. Wie Sabine Alt berichtet, haben auch gesundheitliche Gründe zur Entscheidung für den Ausstieg beigetragen: „Wir wollen uns einfach unseres Lebens erfreuen, solange wir es noch können“, sagt sie und lächelt.

Dank an treue Gäste

Ausdrücklich danken die Wirtsleute den treuen Gästen, Wegbegleitern und Gönnern, ihrem Team, dem Koch und auch der Stadt Schlüchtern als Eigentümerin der Immobilie: „Hier sind wir immer auf ein offenes Ohr gestoßen, die Zusammenarbeit war stets reibungslos“, berichten die Alts.

Das Lob gibt Thomas Rau von der Stadtverwaltung gern zurück: „Wir können von Seiten der Stadt Schlüchtern die wirklich gute Zusammenarbeit mit dem Pächterehepaar Alt nur ausdrücklich betonen. Wir wünschen den Pächtern für die weitere private wie berufliche Zukunft alles erdenklich Gute. Die Pächter waren stets darum bemüht, für die Elmer Dorfgemeinschaft ein Haus der Begegnung zu sein.“ Familie Alt sei besonders darauf bedacht gewesen, alles in Schuss zu halten. So konnten immer wieder notwendige Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden, um das Gemeinschaftshaus weiter zu betreiben.

40 Jahre auf dem Buckel

Doch wie geht es jetzt weiter? „Das ist offen“, berichten die Alts. Mittlerweile hat das Gebäude mehr als 40 Jahre auf dem Buckel. Dereinst von den Elmern in Eigenregie errichtet, ist es seit vielen Jahren in Besitz der Stadt Schlüchtern. Und die Stadtverwaltung muss sich mit der Frage beschäftigen, ob man das Dorfgemeinschaftshaus im Bestand saniert oder ob gar ein teilweiser oder kompletter Rückbau vonnöten ist, erklärt Rau.

Da kommen die Fördermechanismen zur Dorferneuerung (integriertes kommunales Entwicklungskonzept, Ikek), an der die Stadt Schlüchtern seit diesem Jahr teilnimmt, natürlich genau zur richtigen Zeit. Über das Elmer Dorfgemeinschaftshaus und seine zukünftige Entwicklung hatte der „Ikek-Ausschuss“, bestehend aus Ortsbeiratsmitgliedern, Stadtverwaltung, Vertretern der NH-Projektstadt und weiteren Bürgern, bereits während der Sitzungen im Herbst dieses Jahres beraten.

Studie soll in Auftrag gegeben werden

Wie Thomas Rau mitteilt, soll schon im übermorgen anbrechenden neuen Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, die in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Nutzern klären soll, wie ein Dorfgemeinschaftshaus Elm künftig aussehen könnte.

„Da es für die Stadt Schlüchtern klar ist, wie wichtig das Gemeinschaftshaus für die Elmer Bevölkerung ist, bleibt das Gebäude natürlich auch nach Beendigung des Pachtverhältnisses weiter in Betrieb“, so Rau. Ähnlich wie in den übrigen Gemeinschaftshäusern der Stadt soll dies ohne Pächter mittels eines Hausmeisters bewerkstelligt werden. Hierzu wurden bereits erste Gespräche geführt.

Gemeinschaftshaus steht weiter zur Verfügung

Die Elmer Vereine können das Gemeinschaftshaus in Eigenregie für Veranstaltungen und Proben bis auf Weiteres nutzen. Auch für private Feiern steht es zur Verfügung.

Das könnte Sie auch interessieren