Fotos: privat

Einsatz-Training bei 38 Grad – Judith Bertholdt unterrichtete Polizisten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern / Banjul (Gambia) - Bei brütend heißen 38 Grad Außentemperatur andere Menschen in Einsatztechniken im Freien trainieren: Wahrlich eine heiße Angelegenheit. Für Hauptkommissarin Judith Bertholdt rund zwei Wochen Alltag.

Von Ulrich Schwind

Die Polizeibeamtin aus Schlüchtern war kürzlich aufgrund ihrer Co-Trainer-Tätigkeit für polizeiliche Auslandsmissionen zur Ausbildung afrikanischer Polizeikräfte in Gambia eingesetzt. Bei dem Projekt handelt es sich um eine bilaterale Stabilisierungsmaßnahme des westafrikanischen Landes unter der Federführung des Auswärtigen Amtes. In dessen Rahmen werden dortige Polizeikräfte in verschiedenen Bereichen qualifiziert und erhalten außerdem monetäre Hilfe für den Aufbau der gambischen Polizei.

Die 40-Jährige ist normalerweise Angehörige der hessischen Bereitschaftspolizei in Mühlheim/Main, wo sie als Einsatztrainerin künftige Polizeibeamte in Techniken der Fahrzeug- und Personenkontrolle schult.

Auch der Übungsleiter kann vieles lernen

Nun transferierte sie ihr Fachwissen unter der Projektleitung der Polizei-Hochschule Baden-Württemberg nach Afrika. Gemeinsam mit einem Saarländer Kollegen war sie im Teilprojekt „Police Training School“ für die Ausbildung angehender Einsatztrainer verantwortlich. Der sogenannte OTC (Operational Trainer Course) besteht aus drei zweiwöchigen Modulen in englischer Sprache mit aufeinander aufbauenden Inhalten.

Bei brütender Hitze wurde täglich die Eigensicherung in verschiedensten Situationen im Freien trainiert. Da es sich um ein „Train the Trainer“-Seminar handelte, standen natürlich auch Inhalte wie der Aufbau einer Trainingseinheit, Methodik und Didaktik sowie Lehrproben der Teilnehmer auf dem Programm.

Begeisterung für den Beruf

Judith Bertholdt und ihr Kollege machten sich im Vorfeld viele Gedanken bezüglich der Lehrinhalte, da das, was beide zuhause im Einsatztraining vermitteln, auf die lokalen Bedürfnisse und örtlichen Gegebenheiten angepasst werden musste. An der Polizeischule in Old Yundum, gut 20 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Banjul gelegen, wurde das Duo aus Deutschland herzlich von dem Leiter der Einrichtung sowie neun hochmotivierten, angehenden Einsatztrainern empfangen. Die „Schüler“ hatten hohe Ansprüche. Sie wollten, dass die Lehrer aus Deutschland ihr gesamtes Wissen mit ihnen teilen.

„Ich war von Beginn an beeindruckt von der Lebenseinstellung der Kollegen, die trotz der für uns schwierigen Bedingungen vor Ort, eine große Zufriedenheit und Begeisterung für ihren Beruf ausstrahlten“, fasst die Schlüchternerin ihren Eindruck zusammen. Während die Gäste aus Deutschland in jeder Pause nach einem noch so kleinen Fleckchen Schatten suchten, trainierten die Kollegen aus Gambia die neu erlernten Techniken unermüdlich weiter, bis sie diese verinnerlicht hatten.

Improvisation an der Tagesordnung

Auch das gesamte Trainingsumfeld sorgte für Verwunderung. Hier in Deutschland ist es unvorstellbar, einige Techniken der Selbstverteidigung ohne Schutzausrüstung oder Fallschule, Bodenkampf und Festnahmetechniken ohne Judomatte zu trainieren. Dort schon. Weil die Ausrüstung fehlte, musste improvisiert werden. Ausrangierte Autoreifen wurden zu Schlagpolstern umfunktioniert. Mit Hilfe von ausgelegten alten Decken wurde versucht, die Hautabschürfungen etwas zu minimieren. Und die Deutschen lernten, dass man für Wunden keine Pflaster, sondern nur die Blätter eines bestimmten Baumes braucht, um eine Blutung zu stoppen.

Judith Bertholdt spricht von zwei „sehr beeindruckenden Wochen“: „Bei allen Problemen, die der tägliche Dienst hier ab und zu mit sich bringt, können wir uns doch im Großen und Ganzen glücklich schätzen, wenn man Polizeiarbeit einmal global betrachtet.“ Im Juni findet das nächste OTC-Modul statt, was die Helfer aufgrund der Regenzeit vermutlich wieder vor neue Herausforderungen stellt. Die Schlüchternerin ist schon sehr gespannt.

Über Jahre gesammelte Auslandserfahrung

Für die Polizeihauptkommissarin war dies nicht der erste Auslandseinsatz. Anfang 2013 hatte sie bereits ein dreiwöchiges Praktikum in Miami Gardens absolviert, ein Problemviertel der amerikanischen Großstadt Miami. Ende Juli 2014 ließ sie sich ein Jahr lang für die Auslandsmission Eulex in den Kosovo abordnen. Hauptsächlich im serbischen Teil von Mitrovica war sie Angehörige des „Special Police Department“ und übte eine beobachtende und schützende Funktion aus.

Anfang 2018 versah sie auf der griechischen Insel Samos acht Wochen lang in einem sogenannten Hotspot an der Außengrenze Europas ihren Dienst, um Hilfe bei der Erfassung von Flüchtlingen zu leisten, die über das Mittelmeer nach Europa kamen.

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