Ein ICE auf einer Bahnstrecke im Kinzigtal
+
Die Bahn baut im Kinzigtal.

Sanierung steht an

Bahnstrecke Elm-Sterbfritz: Viele Sperrungen bis 2027

Viel gebaut wird in den nächsten Jahren an der Bahnstrecke zwischen Elm und Sterbfritz. Darüber informierte die Bahn im Gemeinschaftshaus in Elm. Als erstes wird im dortigen Bahnhof ein neues elektronisches Stellwerk gebaut.

Elm - An den verschiedenen Stellwerken, die es in den vergangenen mehr als 100 Jahren im Elmer Bahnhof gab, lässt sich die technische Entwicklung gut ablesen. Die Stellwerke dienen dazu, mit Weichen und Signalen den Zugverkehr zu steuern. Oft mühsam war es in früheren Zeiten für den Fahrdienstleiter, die Signaleinrichtungen und Weichen mit Hilfe von großen Handhebeln umzustellen. Eine elektromechanische Variante kam später hinzu.

In den 1960/70er Jahren wurde eine neue Generation mit Drucktastenstellwerken eingeführt. Die elektrisch angetriebenen Weichen und Signale bedient der Fahrdienstleiter auf seinem Stelltisch per Tastendruck, so im Elmer Bahnhof. Damit einher ging eine deutliche Erhöhung der Sicherheit im Bahnbetrieb.

Die neueste technische Errungenschaft ist das sogenannte Elektronische Stellwerk mit digitalen Handlungsabläufen. Diese zukunftsweisende Technik zieht jetzt im Elmer Bahnhof ein. Darüber und über weitere Baumaßnahmen berichteten Vertreter der Bahn im Gemeinschaftshaus. Dazu begrüßte Ortsvorsteherin Inge Vey zahlreiche Interessenten.

Lesen Sie hier: Die Bahn bohrt im Kinzigtal - bis zu 187 Meter tief

Bahnstrecke bei Elm: Ein Jahr wird voll gesperrt

Referenten waren Elisabeth Obiero und Gustav Thiemann von der Bahn-Projektleitung. Wie sie ausführten, herrsche auf der gesamten, 56 Kilometer langen Bahnstrecke von Flieden über Elm, Sterbfritz und Jossa bis Gemünden dringender Handlungsbedarf. Die Strecke sei eine Hauptverkehrsader von Nord- nach Süddeutschland und erlange besondere Bedeutung für den nationalen und internationalen Güterverkehr, für den Personennahverkehr sowie als Umleitungsstrecke.

In der Baustufe eins im Zeitraum von 2025 bis 2027 sei eine Bündelung einer Vielzahl von Baumaßnahmen vorgesehen mit einer geplanten einjährigen Vollsperrung.

Als Vorabmaßnahme findet zwischen 2020 und 2022 der Bau eines elektronischen Stellwerks in Elm statt, einschließlich einer kompletten Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik zwischen den Bahnhöfen Elm und Sterbfritz. Neben dem bestehenden Stellwerksgebäude am Elmer Bahnhof wird ein neues Gebäude errichtet, in welchem die neue elektronische Technik Einzug hält.

„Es wird ein reines Technikgebäude, die Bedienung erfolgt durch den Fahrdienstleiter in Flieden“, erklärte Gustav Thiemann. Heißt: In Elm gibt es künftig keinen Fahrdienstleiter mehr. Die Inbetriebnahme soll Ostern 2022 erfolgen. Ein ähnliches neues Stellwerksgebäude wird im Bahnhof Sterbfritz gebaut.

Zwischen beiden Bahnhöfen wird die komplette Leit- und Sicherungstechnik erneuert, mit neuen Signalen sowie der Verlegung von rund 100 Kilometer Kabel. „Die Sicherheit wird erhöht“, betonte Thiemann. Dies betrifft auch den Bahnübergang in Vollmerz. Los geht es bereits im Herbst.

Von 300 auf 0 Mitarbeiter

Elm ist ein bedeutendes Eisenbahnerdorf. Dem Bahnhof kam früher eine bundes- und europaweite Rolle zu. Züge von Paris nach Berlin machten hier Station. Grund war der Distelrasen. Wegen des Höhenunterschiedes konnten die Züge von Hanau nach Fulda den Berg nicht auf direktem Weg überqueren, sondern mussten einen Umweg über Elm nehmen, als sogenannte Spitzkehre. Dies änderte sich erst mit dem Bau des Distelrasentunnels (1909 bis 1914). Bis dahin mussten die Züge im Bahnhof Elm „Kopf“ machen.

Dadurch und auch wegen des erforderlichen „Nachschiebens“ in Richtung Flieden mussten im Bahnhof Elm zahlreiche Dampflokomotiven vorgehalten werden. Hierzu gab es ein großes Bahnbetriebswerk sowie großzügige Gleisanlagen mit zahlreichen weiteren Betriebsstellen.

In seiner Blütezeit gab es am Elmer Bahnhof rund 300 Mitarbeiter, wodurch sich rund um den Bahnhof ein komplett neuer Ortsteil entwickelte. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verlor der Bahnhof an Bedeutung. Zurzeit gibt es nur noch fünf als Fahrdienstleiter beschäftigte Mitarbeiter im Schichtdienst, deren Stellen nach Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerks im Jahr 2022 ebenfalls wegfallen. / fch

Für erste Maßnahmen erfolgt vom 1. bis 30. November eine Vollsperrung der Strecke. Während dieser Zeit wird rund um die Uhr gearbeitet, weshalb es zu nächtlichen Lärmbelästigungen kommen kann. Weitere zeitweise Sperrungen stehen 2021 an.

Wie Elisabeth Obiera weiter berichtete, ist als Parallel-Baumaßnahme der Umbau der eingleisigen Strecke zwischen den Bahnhöfen Schlüchtern (Abzweigstelle Ziegenberg) und Elm vorgesehen. Die Abfuhr des zu entsorgenden Bauschutts erfolgt in Elm über die Eisenbahnstraße. Ortsvorsteherin Vey meldete Bedenken wegen Verkehrsbehinderungen an und forderte Beweissicherungsmaßnahmen.

Wie die Projektleiterin bekanntgab, erfolgt in einer zweiten Baustufe zwischen 2025 und 2027 die Erneuerung der Bahntrasse einschließlich des Brandenstein- und des Ebertsbergtunnels zwischen Elm und Sterbfritz. In der Folgezeit ist der Umbau der restlichen Strecke bis Burgsinn vorgesehen. Elisabeth Obiero kündigte weitere Informationsveranstaltungen an: „Wir wollen, dass wir mit Ihnen im Dialog sind“. (fch)

Das könnte Sie auch interessieren