Archivfoto: Alexander Gies

Ende einer Ära: Imbiss-Spezialitäten der Familie Sperzel wird es „auf Achse“ nicht mehr geben

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Region - Mehr als fünf Jahrzehnte gehörte der Imbissstand der Familie Sperzel aus Bad Soden-Salmünster zum Kalten Markt in Schlüchtern ebenso wie die Stände des Krämermarkts oder die Fahrgeschäfte. Doch ab diesem Jahr wird der große Imbisswagen Unter den Linden fehlen.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanns Szczepanek

Geschäftsführer Peter Sperzel erläuterte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Anmeldungen sowohl für den Kalten Markt wie auch für den Helle Markt 2020 in Schlüchtern ebenso wenig versandt worden seien wie für den Schelmenmarkt in Gelnhausen oder auch den Barbarossamarkt in der Kreisstadt, der am vergangenen Wochenende stattfand. Dort wurden die Imbiss-Spezialitäten der Familie Sperzel von langjährigen Besuchern offenbar so sehr vermisst, dass manch einer im Schnellrestaurant „Wurscht und Burger“ der Sperzels in Gelnhausen, das Peter Sperzel und seine Schwester Bettina Wenzel gemeinsam betreiben, schon ungläubig nachfragten, wo auf dem Markt der Imbisswagen stehe.

Mehrere Gründe

Auch im baden-württembergischen Bad Wimpfen, wo die Spezialitäten der Sperzels beim Talmarkt ähnlichen „Kultstatus“ genießen wie im Kinzigtal, war die Verwunderung über die Absage offenbar groß. Von der Messe Wächtersbach oder dem Leisenwalder Heiratsmarkt hatte sich das Imbissunternehmen aus der Kurstadt schon vor einigen Jahren verabschiedet.

Laut Geschäftsführer Peter Sperzel kamen bei der Entscheidung, sich aus dem sogenannten Reisegeschäft – also dem mobilen Imbiss auf Märkten und Heimatfesten – vollständig zurückzuziehen, mehrere Gründe zusammen.

Zum einen schmälerten steigende Kosten, die auch durch immer mehr Auflagen und rechtliche Vorgaben entstünden, die Gewinnspanne. Die Zusatzkosten könnten aber mit Blick auf die Konkurrenzfähigkeit nicht einfach auf die Kunden umgelegt werden. Die rein ökonomische Seite habe jedoch nicht den Ausschlag geben, denn „ich habe das Reisegeschäft immer gern gemacht, schließlich bin ich ja damit aufgewachsen“.

Fehlende Geschäftsnachfolge

Zum anderen spielten der in der Gastronomie-Branche vorherrschende Mangel an geeignetem Personal und die fehlende Geschäftsnachfolge eine wichtige Rolle. Bislang habe er, Sperzel, zwar immer kompetentes und ausgesucht freundliches Personal gefunden. Nicht wenige seiner Aushilfen seien über viele Jahre zur Verfügung gestanden. Doch ein solches Team zu bilden werde immer schwieriger. Dieses markiert für ihn neben der Produktqualität aber einen wichtigen Teil des Qualitätsanspruchs der Firma. Im Hochbetrieb seien bei einem Heimatfest zwei Dutzend Kräfte im Einsatz, die möglichst reibungslos Hand in Hand arbeiten müssen.

„Ein weinendes Auge“

Als nach der Saison 2019 seine „rechte Hand“ altersbedingt einen ruhigeren Job angetreten habe, sah sich Peter Sperzel außerstande, die Hauptlast des Reisegeschäfts künftig allein zu tragen. Hinzu kommen persönliche Gründe, denn der kürzlich 50 Jahre alt gewordene Selbstständige hat der jahrzehntelangen Arbeitsbelastung auch gesundheitlich Tribut zollen müssen. Zwar bilde das 2015 eröffnete Schnellrestaurant in Gelnhausen längst die Haupteinnahmequelle, dennoch sei ihm der Abschied vom Reisegeschäft „nicht leicht gefallen“. Und es gebe nach wie vor „ein weinendes Auge“. Seine Eltern Reinhold und Marianne Sperzel haben „Sperzel’s Spezialitäten“ 1962 gegründet und über Jahrzehnte hinweg als Familienunternehmen aufgebaut. Das zwar temporäre, aber nicht minder anstrengende Reisegeschäft übernahm später deren einziger Sohn Peter. Seine weiteren zwei Schwestern sind im Hotel- und Gaststättengewerbe tätig, Vater Reinhold lebt nicht mehr.

Sechs Enkel haben andere Pläne

Die insgesamt sechs Enkel der Gründergeneration haben andere berufliche Pläne, sodass ein Einstieg der jungen Generation in das „zunehmend schwieriger werdende Reisegeschäft“ obsolet ist, sagt der zweifache Vater und vierfache Onkel Peter Sperzel.

Eine Rückkehr auf Heimatfeste und Märkte schließt er in bisherigem Umfang kategorisch aus, die Teilnahme mit einem nur kleinen Stand sei in den Folgejahren aber denkbar. Daher will Sperzel auch nicht gleich das ganze Betriebsinventar verkaufen, wozu auch etwa 20 Fahrzeuge zählen.

Mit großen Einsatz und Herzblut

Für seine Mutter Marianne Sperzel (80), die noch Eigentümerin der Spezialitäten-GmbH ist und trotz fortgeschrittenem Alter stets mit großem Einsatz und viel Herzblut das Reisegeschäft unterstützt hat, ist das Aus für ihr Lebenswerk „eine Katastrophe, fast schon ein Weltuntergang“. Die Entscheidung ihres Sohnes habe sie letztlich überrascht, doch dies „ist jetzt nicht mehr zu ändern, ich muss damit leben“, blickt die als Optimistin bekannte Dame ein Stückchen nach vorn. Marianne Sperzel ist in der Region mehrfach ehrenamtlich engagiert und sieht für sich darin weiterhin eine Aufgabe.

Das könnte Sie auch interessieren