Die ersten Kundenpakete verlassen die CI-Factory am Distelrasen.
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Die ersten Kundenpakete verlassen die CI-Factory am Distelrasen.

Startschuss am Distelrasen

Engelbert Strauß: Das erste Paket verlässt die CI-Factory (mit Video)

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Corona zum Trotz: Am Mittwochmorgen hat das „Erste Paket“ offiziell den Warenausgang der neuen CI-Factory von Engelbert Strauss am Distelrasen verlassen. Dies war gleichzeitig der Startschuss für den Regelbetrieb der Fabrik am Distelrasen.

Schlüchtern - Seit Monaten gibt es virtuelle und reale Probeläufe für den Versand von Warenkartons aus der CI-Factory von Engelbert Strauss. Am Mittwoch ging vom Distelrasen ganz offiziell das erste Kundenpaket auf die Reise zum Besteller der Ware.

Nach der Probephase ist die Belegschaft der Firma BLG Logistics nun also in den Betriebsmodus gewechselt. Die Firma Strauss ist nach wie vor Eigentümerin des mächtigen Gebäudes an der Grenze von Schlüchtern zu Flieden, das Traditionsunternehmen BLG ist in deren Auftrag aber Betreiber des logistischen Anlagenteils. Die Schuhproduktion und weitere Bereiche wie etwa die Veredelung und Individualisierung von (Arbeits-) Kleidung läuft parallel unter direkter Regie von Engelbert Strauss.

BLG Logistics betreibt laut Unternehmenssprecher Andreas Hoetzel in Deutschland ein halbes Dutzend vergleichbar große Versandlager. Bundesweit gibt es gut 40 BLG-Standorte, weltweit sind es etwa 100 mit zusammen rund 20 000 Beschäftigten. In Schlüchtern sollen künftig 350 arbeiten.

Leiten den Standort (von links): Martin Weckmüller und Lothar Glöckner.

Bei Volllast können auf dem Distelrasen bis zu fünf gleichzeitig entladen werden. Für reguläre Lkw mit Paletten stehen beim Wareneingang maximal zwölf Tore zur Verfügung. Ebenfalls bis zu zwölf Lkw können im Areal des Warenausgangs zeitgleich beladen werden. Die Versandkapazität ist bis auf 3000 bis 4000 Paketsendungen pro Stunde ausbaubar.

Nachdem die Waren in Schlüchtern angeliefert worden sind, werden sie mittels Gabelstaplern und Bändern entladen sowie über eine Fördertechnik, die Transportbändern in Flughäfen ähnelt, zur Kommissionierung gebracht. In diesen beiden Abteilungen kommt ein Großteil des Personals zum Einsatz.

Bis zu 4000 Lieferungen pro Stunde verlassen künftig das Werk.

Personalintensiv ist auch die Bearbeitung von Retouren, deren Anzahl nach Auslieferung des ersten Kundenpakets in nächster Zeit deutlich zulegen wird.

Ist das Warenpaket gemäß der individuellen Bestellung zusammengestellt, werden unter Aufsicht von Mitarbeitern automatisch die jeweils vorgesehenen Werbemittel sowie Rechnung oder Lieferschein eingelegt. Eine Maschine namens „Kartondeckler“ macht dann genau das, wonach sie benannt ist, bevor das Paket vollautomatisch etikettiert und mit Paketband ummantelt wird. Danach geht es zum Warenausgang – und in der Regel noch am selben Tag auf den Weg zum Kunden.

Martin Weckmüller nimmt hier das augenscheinlich erste Paket vom Förderband. Dessen Ende mündet in eine sogenannte Wechselbrücke, an welche ein Lkw angedockt wird.

Zahlen

In der CI-Factory von Engelbert Strauss auf dem Distelrasen sind derzeit etwa drei Millionen Artikel eingelagert. Dies entspricht 15 Prozent der Lagerkapazität. Somit können bis zu 20 Millionen Artikel Platz finden. Die Gesamtzahl der Lagerplätze im vollautomatischen, 17 Meter hohen Hochregallager beträgt rund eine Million Kartons. Gegenwärtig befinden sich etwa 150 000 Kartons in dem Logistikzentrum. Würden alle Förderbänder und Rollenstraßen hintereinander liegen, wären sie 13 Kilometer lang. In der individualisierten Schuhproduktion will Engelbert Strauss bis zu 400 000 Schuhe pro Jahr herstellen.

Wenn im Jahr 2021 der Volllast-Status erreicht sein wird, können vom Distelrasen bis zu 4000 Sendungen pro Stunde verschickt werden. Im Moment arbeiten dort etwa 200 Menschen, davon jeweils die Hälfte bei BLG und Engelbert Strauss. Die Investitionskosten liegen bei gut 200 Millionen Euro. Die Fläche des Logistikzentrums an der Autobahn 66 entspricht zehn Fußballfeldern.

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