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In der Erinnerung lebendig bleiben – Gedenkfeier des St. Elisabeth Hospiz

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gelnhausen - Das goldene Herbstlicht fällt durch die hohen Kirchenfenster der Marienkirche, sanftes Kerzenlicht unterstreicht die Atmosphäre. Auf einem kleinen Tisch liegen die bunten Steine bereit, die die Hospizgäste selbst gestaltet haben. Sie sind mit Namen und kleinen Sprüchen versehen, verraten mit kleinen Symbolen so manches über den Charakter des Menschen, der sie gestaltet hat.

Mit einem feierlichen Gedenkgottesdienst erinnerten Angehörige, Mitarbeiter und Ehrenamtliche in der Marienkirche sich gemeinsam an die 49 Menschen, die zwischen April und September verstorben sind. Eine Gedenkfeier mit traurigen Momenten, aber auch mit schönen Erinnerungen und Freude, schreibt der Caritas-Verband.

„Es ist Herbst geworden“, stellte Pfarrer Uwe Steuber mit Blick auf den durch die Kirchenfenster hereinfallenden Sonnenschein fest. Doch der Herbst ist nicht nur eine Zeit der bunten Blätter und der letzten warmen Tage, er ist auch eine Zeit des Abschiednehmens und der Vergänglichkeit. Er begrüßte die rund 100 Gäste, die in die Gelnhäuser Marienkirche gekommen waren.

Erinnerungssteine der Verstorbenen

Symbolischer Mittelpunkt des Gottesdienstes waren die bunten Erinnerungssteine der Verstorbenen. Und auch Kaplan André Lemmer hatte einen Stein in die Marienkirche mitgebracht. Einen, den ihn ein guter Freund aus Korsika mitgebracht hatte, und den er eines Tages dorthin zurück bringen müsse.

Seit rund vier Jahren liege dieser Stein in seinem Büro, und wann immer sein Blick darauf falle, denke er an seinen Freund. Dabei werde ihm auch bewusst, dass dieser Stein nur dort sei, weil ihn jemand aufgehoben und für ihn mitgenommen habe. „Und mit dem Leben ist es genauso“, so Lemmer. Auch dieses müsse aufgehoben und gelebt werden, bevor es eines Tages wieder zurückgegeben werden müsse.

Alle Anwesenden haben einen geliebten Menschen loslassen müssen, die Hilflosigkeit der Trauer und die Kapitulation vor dem Unvermeidlichen erleben müssen. Im Unterschied zu einem Stein, der zurückgelegt werde, würden die geliebten Menschen jedoch nicht einfach abgelegt, sondern zurück in Gottes Hand gegeben. Er rät den Trauernden: „Nehmen Sie die ganzen wunderbaren und vielleicht auch schweren Erinnerungen an ihre Lieben auf.“

Kraft auf dem Weg der Trauer

Mit nachdenklichen Impulsen zu den Themen Abschiednehmen, Trauer und Erinnerung griff auch Hospizleiter Frank Hieret diesen Gedanken auf, während Pflegedienstleiterin Beatrix Gesang nach und nach die Kerzen für die Monate April bis September entzündete.

Für jeden Monat wurden die Namen der verstorbenen Hospizgäste verlesen und die Angehörigen konnten nach vorne kommen, um den Erinnerungsstein oder eine Blume entgegen zu nehmen. Der „Stein der Erinnerung“ soll den Angehörigen auf dem Weg der Trauer Kraft geben, wie Karin Heil feststellt: „Der Stein der Erinnerung möge Ihnen Halt geben in Momenten, in denen der Verlust spürbar ist. Halten Sie sich fest an ihm und an der Erinnerung.“

Gedenkfeiern bereits feste Tradition

Die stimmungsvolle Gedenkfeier, die das Hospiz zweimal jährlich veranstaltet, wird von den Angehörigen sehr geschätzt. Auch diesmal fanden sich rund 100 Teilnehmer in der Kirche ein um gemeinsam mit den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen des Hospizes den Verstorbenen zu gedenken. Zuvor hatte es bereits beim Kaffeetrinken Gelegenheit gegeben, ausführlich ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen zu teilen.

Die regelmäßigen Gedenkfeiern sind dabei bereits feste Tradition für das Hospiz geworden. Hier findet Trauer ebenso einen Platz wie Freude, wie Hospizleiter Frank Hieret berichtet: „Es ist ein Zusammentreffen mit vielen Emotionen.“ Der gute Zuspruch an Teilnehmern zeigt deutlich, dass dies von den Angehörigen sehr geschätzt wird. / lea

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