Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

Faschingsbesuch eskaliert auf der Wache: Polizei setzt Pfefferspray gegen Sauf-Brüder ein

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Dem Brüderpaar aus einem Schlüchterner Stadtteil ist nach diesen Faschingserlebnissen sicherlich der Spaß am Feiern vorerst flöten gegangen. Ein „Besuch“ auf der Polizeistation Schlüchtern eskalierte. Das Ergebnis: Abschürfungen, blaue Flecken – und eine saftige Anzeige. Aber der Reihe nach.

Eigentlich wollten sie nur vom Faschingsumzug in Steinau zurück nach Schlüchtern, berichten die Brüder. Und schließlich seien sie „Opfer eines tätlichen Gewaltangriffs von drei Beamten“ geworden. Das sehen die Polizisten anders. Nicht aber, dass Pfefferspray und Knüppel zum Einsatz kamen. Das bestätigt auch Polizeistations-Leiter Otto Höhl.

Zum Ablauf: Am Samstag, 22. Februar, hätten sie sich gegen 17 Uhr vom Steinauer Kumpen aus auf den Heimweg gemacht. Sie hatten auf dem Umzug Alkohol getrunken. Auf halbem Weg zum Bahnhof sei es zu einer Konfrontation mit anderen Mitfeiernden gekommen. Die Brüder seien darin „verwickelt worden“, hätten sich aber entschieden, der Situation aus dem Weg zu gehen.

Genervt vom Warten auf der Wache

Auf dem Heimweg habe sie die Nachricht erreicht, dass Anzeige gegen sie erstattet werden soll. Sie riefen die Polizei an, um dies zu klären. Es sei die Bitte an sie gerichtet worden, „umgehend in die Polizeistation zu kommen“, was sie auch taten.

Was dort passierte, schienen sie aber nicht so erwartet zu haben: Personalien aufschreiben und warten. Sie hätten gefragt, wie lange das noch dauern könnte. Die „genervte“ Antwort des Beamten sei gewesen, dass die Kollegen derzeit keine Zeit hätten.

„Männer waren betrunken und penetrant“

Die Brüder blieben hartnäckig, warteten weiter und stellten Nachfragen. Bis es dem Polizisten zu bunt wurde und er sie der Station verweisen wollte. Zuerst allein. Da die jungen Männer aber immer noch nicht gehen wollten und einer versucht habe, die Tür aufzuhalten, kamen zwei weitere Beamten hinzu. Die Stimmung wurde hitziger.

Die jungen Männer wurden rausgedrängt, was laut Dienststellenleiter Höhl das gute Recht der Polizisten gewesen sei. Denn aus Sicht der Polizisten waren die jungen Männer betrunken und penetrant. Einer von ihnen habe beim Rausdrängen einen Beamten in den „Schwitzkasten“ nehmen wollen.

Pfefferspray gegen Asthmatiker

Es sei zum Handgemenge gekommen. Pfefferspray und Knüppel kamen zum Einsatz. Die jungen Männer seien gestürzt, was Prellungen und Abschürfungen belegen. Unter Schmerzen hätten sie die Flucht angetreten – bis zum Parkplatz vor dem Forstamt.

Dort seien sie am Ende ihrer Kräfte gewesen und hätten den Notruf tätigen müssen, da einer der Brüder Asthmatiker sei und nach dem Einsatz des Pfeffersprays unter Atemnot litt. Während der Asthmatiker ins Krankenhaus gebracht wurde, musste sein Bruder bei den Polizisten bleiben: ausnüchtern. Es folgte eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und tätlichen Angriffs auf einen Polizeibeamten.

„Wenn ein Polizist attackiert wird, hört der Spaß auf“

Ein Alkoholtest habe 1,05 Promille ergeben. „Etwa fünf Bier“, erklärt der unfreiwillige „Übernachtungsgast“ im Nachgang. Er beklagt, dass ihm nie die Rechte verlesen worden seien und ihm sein Telefonanruf versagt wurde. Die Brüder sehen sich von der Polizei ungerecht behandelt.

Die Beamten sehen das anders. Man habe den Brüdern mehrfach gesagt, dass noch keine Anzeige gegen sie vorliegen würde. Und doch seien „die Betrunkenen“ dort geblieben. Dass sich die jungen Männer dem Hausrecht widersetzt hätten, sei das eine, „aber wenn ein Polizist attackiert wird, dann hört der Spaß auf“, so Otto Höhl. / tim

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