Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller steht, während eines Facebook-Livevideos, auf dem Dach des Langer-Gebäudes
+
Bürgermeister Matthias Möller beendete seinen Rundgang auf dem Dach des Langer-Gebäudes.

20 Minuten Nostalgie

Führung durch Langer-Gebäude per Livestream

Ein letzter Blick in die verlassenen Abteilungen, eine letzte Fahrt auf der Rolltreppe: In einem Facebook-Livestream führte Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) am Sonntag knapp 20 Minuten lang durch das ehemalige Kaufhaus Langer, informierte über Planungen und Rückbau – und weckte Erinnerungen.

Leger, in Jeans und Sneakers, begrüßte der Rathauschef die zahlreichen Zuschauer an den Smartphone- und Computerbildschirmen vor dem Haupteingang des ehemaligen, 1949 erbauten Kaufhauses, bevor es ins leer geräumte Erdgeschoss ging (das Video können Sie sich hier anschauen).

Hier erläuterte Möller unter anderem das Konzept des Neubaus mit einem Dreiklang aus Kultur- und Begegnungsstätte, Wohnen und Handel und betonte: „Wir werden zwar das Gebäude abreißen, aber wir werden sicherlich nicht die Erinnerungen auslöschen. Diese wollen wir auf Bildern und in Texten bannen. Schreibt uns vielleicht auch die eine oder andere Anekdote, schreibt uns eure Fragen. Und sendet uns vielleicht auch das eine oder andere Bild aus vergangenen Tagen zu, sodass wir möglichst viel fürs Archiv sammeln können.“

Letzte Fahrt auf der Rolltreppe

In der ehemaligen Schallplattenabteilung war – wie auch im angrenzenden Parkhaus – zu sehen, dass die Rückbauarbeiten bereits begonnen haben. „Unser Lost Place“, wie Möller die Baustelle kommentierte. Und er hatte weitere unterhaltsame Fakten parat, unter anderem zum meistverkauften VHS-Film im Langer: Dies war mit über 1500 Exemplaren „Titanic“, der hier Anfang der 2000er Jahre in Dauerschleife über einen damals hochmodernen und innovativen Grundig-Plasma-TV lief.

Nach einer letzten Fahrt auf der Rolltreppe und einem Zwischenstopp im ersten Obergeschoss, bei dem der Bürgermeister in eigenen Erinnerungen schwelgte, etwa über die einst mehr als 400 Quadratmeter große Kinderabteilung („Die war für mich immer eines der Highlights.“), folgte der Gang durchs zweite Obergeschoss. Denn nicht zuletzt gehörte früher zur Einkaufstour mit der Familie auch ein Abstecher ins Restaurant, „gutes Essen als lohnender Abschluss“, wie Möller ausführte.

Lob von ehemaligen Mitarbeitern

Die Gastronomie ist bereits seit Anfang der 2000er Jahre geschlossen, die verwaiste Theke, einige Bänke und Raumteiler sind jedoch noch vorhanden – ebenso wie die Erinnerungen der Livestream-Zuschauer. „Der Kakao war gut“, entsinnt sich eine Userin. Prominente waren hier ebenfalls zu Gast, Günter Strack etwa oder Marie-Luise Marjan („Lindenstraße“), wie Möller zu berichten wusste: „Mutter Beimer stellte hier ihr Kochbuch vor.“

Im regen Chat tummelten sich auch einige ehemalige Langer-Mitarbeiter. Dort gab es viel Lob und Dank für „die schöne Idee“ und den „tollen Rundgang“, aber auch einige wehmütige Kommentare. Der Vorschlag eines Teilnehmers, eine der charakteristischen Langer-Bodenplatten im Bergwinkelmuseum auszustellen, stieß auf Zustimmung.

Abriss wohl Ende des Jahres abgeschlossen

Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Abrissarbeiten am Jahresende abgeschlossen sein. Sie sollen für Nachbarn, Geschäftsleute und Bürger möglichst geräuscharm ablaufen. Richtig laut wurde es hingegen noch einmal, als Möller das Notstromaggregat auf dem Dach des verlassenen Kaufhauses anwarf, das auch während des Abrisses einmal im Monat laufen muss, wie er erklärte.

Anschließend verabschiedete er sich nach knapp 20 Minuten mit einem Blick über die Dächer Schlüchterns von den Zuschauern. Zuvor hatte er noch angekündigt, dass weitere Facebook-Livestreams zum Stadtumbau folgen werden und dazu aufgerufen: „Schreibt uns einfach, was euch interessiert.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema