Fotos: Boris Roessler/dpa

Gedenkfeier in Hanau: „Namen sollen nicht in Vergessenheit geraten“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hanau - Rund zwei Wochen ist der rassistische Anschlag von Hanau her. Eine zentrale Gedenkfeier steht kurz bevor. Mahnungen werden laut, dass auch danach die Erinnerung wachgehalten werden muss.

Von Carolin Eckenfels (dpa)

An den Anschlagsorten von Hanau liegen noch immer Blumen für die Opfer. Kerzen brennen und ein Schild mahnt: „Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst.“ Fast zwei Wochen nach dem rassistischen Attentat, bei dem neun Menschen mit ausländischen Wurzeln starben, ist das Gedenken noch sehr präsent.

Auch in der Stadt erinnern Plakate mit Schriftzügen wie „Wir sind alle gleich“ und „Hanau steht zusammen“ an die tödlichen Schüsse. An einer Hauswand sind die Namen der Opfer aufgesprüht. Doch einige Angehörige fürchten, dass die Erinnerung an den 19. Februar nach den offiziellen Trauerfeiern viel zu schnell verblassen könnte.

Attentat dürfe nicht in Vergessenheit geraten

„Die Namen sollen nicht in Vergessenheit geraten. Das, was in dieser Stadt passiert ist, soll nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Newroz Duman vom Hanauer Bündnis „Solidarität statt Spaltung“. Die Liste von rechtsextremen Morden in Deutschland sei lang.

„Wir dürfen es nicht zulassen, dass so ein Attentat in Vergessenheit gerät. Das muss uns im Alltag begleiten.“ Seit dem Anschlag steht die 30-Jährige im Kontakt zu Familien und Freunden der Opfer. Vielen hätten derzeit keine Kraft mehr, über ihre Situation zu reden.

Zentrale Gedenkfeier am Mittwoch

Am Mittwoch, 4. März, ist in Hanau eine zentrale Gedenkfeier für die Opfer, ihre Angehörigen und für mittrauernde Bürger geplant. Dazu werden unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erwartet.

„Die gesamte Stadtgesellschaft befindet sich nach wie vor in einer Art Schockstarre“, erzählt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Noch viel mehr und schlimmer gelte das natürlich für die Familien der Opfer. Deswegen sei es ein Anliegen, die Angehörigen bei der zentralen Gedenkfeier in den Mittelpunkt zu rücken. Es solle nicht nur Ansprachen von Politikern, sondern auch von Hinterbliebenen und Freunden geben.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Nicht nur Erinnern und Gedenken seien wichtig, sagt Newroz Duman. Handeln sei es auch. „Viele der Angehörigen sagen: Wir brauchen sofort eine lückenlose Aufklärung. Wir wollen nicht, dass irgendetwas unter den Tisch gekehrt wird. Wir wollen alles wissen.“

Es sei wichtig, dass die Menschen keine Angst haben müssten, dass etwas vertuscht werden könnte. „Was viele Angehörige auch wollen, ist, dass gehandelt wird. Sie sagen: Wir wollen nicht, dass noch mehr Menschen Opfer von Rassismus werden.“

Raum zum Austausch schaffen

Betroffen von dem Attentat ist unter anderem die Familie des 24-jährigen Can-Luca. Seinem Vater gehört der beschossene Kiosk, wie er berichtet. Wie es nun weitergehen soll, das wisse man noch nicht. „Mein Vater ist im Zwiespalt.“ Wenn das Geschäft wieder öffne und Jugendlichen wieder einen Treffpunkt biete, sei das ein Zeichen dafür, dass man gemeinsam stärker sei. Andererseits seien da die Bilder vom Anschlag, die im Kopf blieben.

Wichtig sei, dass Angehörige und Betroffene nicht allein gelassen würden und ihre Forderungen im Mittelpunkt stünden, sagt Newroz Duman vom Bündnis „Solidarität statt Spaltung“. Deswegen sei die Idee für einen Begegnungsort und ein Dokumentationszentrum geboren worden. Man wolle einen Raum schaffen zum Austausch, für Hilfe und Unterstützung – und auch dadurch die Erinnerung an den Anschlag von Hanau wach halten.

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