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Steuerboom dank Birkenstock: Stadt Steinau freut sich über hohe Einnahmen

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Von: Walter Kreuzer

Schuhkartons der Firma Birkenstock
Der Verkauf der Firma Birkenstock spülte Geld in die Kasse der Stadt Steinau. © Arno Burgi/dpa

Mehr als 12 Millionen Euro Gewerbesteuer hat die Birkenstock Production Hessen im November 2021 der Stadt Steinau (Main-Kinzig-Kreis) überwiesen. Es kann sogar noch mehr werden. So jedenfalls die Auskunft eines Konzernsprechers auf Anfrage unserer Zeitung. Er spricht von gezahlten 12,9 Millionen Euro.

Linz/Uerzell - Das ist zu schön, um wahr zu sein. So oder ähnlich waren die ersten Reaktionen im Steinauer Rathaus ausgefallen, als der unerwartete Geldregen Anfang November eintraf. Allerdings mahnte Kämmerer Gerhard Nüchter zur Vorsicht. Schließlich handelte es sich bei den 12,121 Millionen Gewerbesteuer, die da laut dem von ihm am 9. Dezember vorgelegten Finanzbericht plötzlich auf dem städtischen Konto standen, lediglich um eine Vorauszahlung.

Erst nach der endgültigen Veranlagung steht der wirkliche Betrag fest. Zudem bleibt der Stadt im Main-Kinzig-Kreis nur etwa ein Drittel der Summe, wegen höherer Umlagenzahlungen und geringeren Einnahmen bei den Schlüsselzuweisungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich.

Main-Kinzig-Kreis: Birkenstock zahlt Gewerbesteuer in Rekordhöhe an Steinau

Auf Anfrage bestätigte ein Konzernsprecher, dass „Birkenstock Gewerbesteuersonderzahlungen auf Veräußerungsgewinne in Höhe von etwa 12,9 Millionen Euro an die Stadt Steinau geleistet hat“. Hintergrund ist, dass der Sandalenhersteller mehrheitlich an die amerikanisch-französische Beteiligungsgesellschaft L Catterton und die Familienholding Financi’re Agache von Bernard Arnault verkauft wurde. Offiziell wurde kein Kaufpreis genannt, in Zeitungen war im Februar 2021 aber die Rede von vier Milliarden Euro – der Betrag steht undementiert im Raum.

Das Tochterunternehmen Birkenstock Productions Hessen GmbH hat seinen Sitz im Steinauer Stadtteil Uerzell, wo es aus der ehemaligen Schuhfabrik Alsa hervorgegangen ist. In der Antwort auf unsere Anfrage ist die Rede von „freiwilligen Vorauszahlungen“, die „vorab geleistet“ worden seien: „Im Rahmen der Veranlagung wird die finale Steuerlast festgesetzt, die mindestens in dieser Höhe bestehen bleibt. Wir gehen derzeit davon aus, dass sich die Steuerzahlungen noch einmal erhöhen. Die Veranlagung ist aber noch nicht abgeschlossen.“

Der Produktionsstandort von Birkenstock in Uerzell bringt der Stadt Steinau nun Gewerbesteuer in Rekordhöhe.
Der Produktionsstandort von Birkenstock in Uerzell bringt der Stadt Steinau nun Gewerbesteuer in Rekordhöhe. © Walter Kreuzer

Durch den Firmenverkauf seien „auf die deutschen Produktionsstandorte verteilt transaktionsbezogene Gewerbesteuersonderzahlungen in Höhe von 191 Millionen Euro“ bezahlt worden. Einschließlich aller anderen Standorte seien es 260 Millionen Euro. Diese Zahl werde sich wohl noch erhöhen.

Auf Steinau entfällt also ein relativ geringer Teil der gesamten Steuerlast. Das hängt damit zusammen, dass die Gewerbesteuer auf die verschiedenen Standorte des in Linz am Rhein ansässigen Konzerns verteilt wird. Die Höhe der Zahlungen richtet sich dabei nach den Lohnsummen.

Hohe Gewerbesteuereinnahmen in Steinau: Folge des Konzernverkaufs

So soll der größte Produktionsstandort im sächsischen Görlitz – dieser wurde einst von Uerzell aus aufgebaut und Birkenstock überlegte, den hiesigen Standort zugunsten von Görlitz zu schließen – mehr als 60 Millionen Euro erhalten. Mit etwa 2000 Mitarbeitern ist dort die Beschäftigtenzahl allerdings auch fast zehnmal so hoch. Zusammen mit den Kommunen Bernstadt, Markersdorf und Schönau-Berzdorf, wo ebenfalls Birkenstock-Fabriken stehen, flossen 103 Millionen Euro nach Sachsen.

Die Uerzeller Birkenstock-Tochter hat nach dem Konzernverkauf einen neuen Gewinnabführungsvertrag an die Birkenstock Group B.V. & Co. KG abgeschlossen. Dieser hat laut Konzern keine Auswirkungen auf die „Steuerlast. Es ist richtig, dass der handelsrechtliche Gewinn über den Gewinnabführungsvertrag in einem ersten Schritt von Steinau an die Konzernmutter abgeführt wird. Auf Ebene der Konzernmutter wird ein Gesamtgewinn ermittelt, der dann im Rahmen der gewerbesteuerlichen Zerlegung auf die Gemeinden – so auch Steinau – verteilt wird. Das Gewerbesteueraufkommen steht den jeweiligen Gemeinden zu.“

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