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Gericht: 62-Jähriger wollte Blockade von Hof nicht hinnehmen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Sinntal - Er war im wahrsten Sinne des Wortes der „Stein des Anstoßes“: Ein überdimensionaler Wackerstein, der mit einer Kette und Schloss den Zugang zu einer Hofeinfahrt in Sinntal verhindern sollte.

Dem 62-jährigen Mieter des Anwesens war diese Barriere aber offenbar ein Dorn im Auge. Jedenfalls soll er laut Staatsanwaltschaft Hanau am späten Vormittag des 16. Juni vergangenen Jahres versucht haben, das Schloss mit einem Trennschleifer zu entfernen und den Stein mittels eines Bohrers in handliche Stücke zu zerteilen. Auf diese Weise, so die Anklagebehörde, wollte er die Zufahrt zum Hof gewährleisten und die Nutzung als Parkplatz erzwingen.

Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllt

Der Beschuldigte wies vor dem Amtsgericht Gelnhausen den Vorwurf weit von sich. Sein Verteidiger verwies auf einen umfangreichen Rechtsstreit zwischen seinem Mandanten und dem Vermieter. Dieser stehe nun aber vor einem Ende, da der Beschuldigte in einen anderen Ort umziehe. Nach einer Befragung von Richter Wolfgang Ott räumte der 62-Jährige ein, sich über den Blockade-Zustand an seinem Hof bei einem Freund beschwert zu haben. „Da müsste was gemacht werden“, habe er gesagt. Als der Freund mit Bohrer und Werkzeug anrückte und den Materialien zu Leibe rückte, sei er zugegen gewesen, räumte der Beschuldigte ein.

Das reichte dem Vorsitzenden für eine Verurteilung. Wenn der Angeklagte bei der Straftat zugegen war und nichts aktiv dagegen unternommen habe, sei der Tatbestand der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung erfüllt. Da müssten keine weiteren Zeugen mehr gehört werden, argumentierte Ott. Angeklagter und Verteidiger zeigten sich überrascht über den schnellen Tatnachweis.

62-Jähriger hat bereits einiges auf dem Kerbholz

Seinerseits überrascht war der Richter über das Vorstrafenregister des Sinntalers, das Dutzende Eintragungen enthält. Die älteste datiert auf 1974. Immer wieder fiel der Mann wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis auf. Aber auch beispielsweise der Erwerb von Drogen und Diebstähle sind aktenkundig. Der 62-Jährige hat nach eigenen Angaben deswegen schon viele Jahre im Gefängnis verbracht.

Der Beschuldigte könne daher den Gerichtssaal nicht straffrei verlassen, argumentierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau, zumal das vorliegende Delikt während laufender Bewährung geschah. Er forderte eine Geldstrafe von 800 Euro (80 Tagessätze zu je 10 Euro). Richter Ott urteilte gleichlautend und gab dem Mann mahnende Worte mit auf den Weg. Die Tat sei als eine Art Selbstjustiz zu sehen, was nicht geduldet werden könne. / ls

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