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Demente Seniorin bestohlen - Lebensgefährtin des Sohnes gesteht die Tat

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Eine Justitia-Statue in Frankfurt
Vom Konto einer dementen Frau wird mehrfach Geld abgehoben. Doch der Beschuldigte, ihr Sohn, war für die Taten wohl nicht verantwortlich. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa

Kurioser Verlauf einer Gerichtsverhandlung: Der Angeklagte bestreitet die ihm vorgeworfenen Taten und beschuldigt seine Lebensgefährtin.

Gelnhausen - In dem Verfahren vor dem Amtsgericht Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) ging es um 20 Fälle von Untreue, die einem 56-Jährigen vorgeworfen werden. Laut Staatsanwaltschaft soll er in der Zeit zwischen 2. Mai 2018 und 31. Juli 2019 unberechtigt regelmäßig Geld vom Konto seiner Mutter bei einem Geldautomaten in Steinau abgehoben haben.

Insgesamt kam so ein Betrag von über 14.600 Euro abhanden.

Main-Kinzig-Kreis: Demente Seniorin bestohlen - 14.600 Euro fehlen

Der Mann aus Bad Soden-Salmünster war verfügungsberechtigt für das Konto, weil die betagte Frau unter Demenz litt und daher auch in einem Altenheim lebte. Wegen der hohen Beträge, die von ihrem Konto abgehoben wurden, ging die Pflegeeinrichtung leer aus.

Die monatlichen Lastschriften für die Betreuung der alten Dame konnten nicht eingezogen werden, da die erforderliche Deckung fehlte. Das Geld soll der Beschuldigte für eigene Zwecke verwandt haben. (Lesen Sie hier: Trickdiebe geben sich gegenüber Senioren als Handwerker aus)

Der Mann bestritt die Vorwürfe vor Richter Wolfgang Ott. Er habe von dem Konto seiner Mutter keinerlei Geld abgehoben oder überhaupt irgendwelche bürokratischen Angelegenheiten für sie geregelt. Stattdessen habe er frühzeitig die Bankkarte seiner Lebensgefährtin gegeben und ihr auch die zugehörige Pin-Nummer anvertraut. Sie müsse die Abhebungen vorgenommen haben.

Lebensgefährtin als Schuldige - Verfahren gegen 56-Jährigen ausgesetzt

Auszüge und Briefverkehr, beispielsweise die Mahnungen des Altenheims, habe sie gezielt vor ihm versteckt. Die Frau leide unter einer psychischen Erkrankung, beteuerte der Verteidiger des Mannes. Diese bestätigte später als Zeugin die Vorwürfe und räumte ein, die Gelder abgehoben zu haben.

Somit blieb Richter Ott nichts anderes übrig, als das Strafverfahren gegen den 56-Jährigen auszusetzen. Zunächst soll die Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Polizei Details zu dem Handeln der Frau herausfinden. (ls)

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