Die Außenansicht des Landgerichts Hanau. (Symbolfoto)
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Vor einem Jahr begann der Prozess am Hanauer Landgericht um fünf mutmaßliche Köpfe eines bundesweit agierenden Bordellrings. (Symbolfoto)

Plädoyers werden gehalten

Prozess um ausgebeutete Transsexuelle vor dem Ende 

Ein großes Gerichtsverfahren gegen die mutmaßlichen Strippenzieher eines Prostitutionsrings geht dem Ziel entgegen. Derzeit werden Plädoyers gehalten.

Hanau - Der Langzeit-Prozess gegen fünf mutmaßliche Köpfe eines bundesweit agierenden Bordellrings mit Transsexuellen aus Thailand neigt sich dem Ende entgegen. Am Montag wurden am Hanauer Landgericht weitere Plädoyers gehalten.

Während die Anklage Freiheitsstrafen zwischen zwei sowie neun Jahren und drei Monaten gefordert hat, beantragte die Verteidigung am Montag deutlich geringere Strafen. In dem im vergangenen Sommer begonnenen Prozess geht es unter anderem um Menschenhandel, Einschleusung, Zwangsprostitution, Ausbeutung und Steuerhinterziehung. Verantworten müssen sich vier thailändische Frauen und ein deutscher Mann.

Prozess um ausgebeutete Transsexuelle: Plädoyer der Verteidigung steht noch aus

Für die Hauptangeklagte, eine 63 Jahre alte Frau aus Thailand, beantragte die Verteidigung am Montag fünf Jahre und drei Monate. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte zuvor neun Jahre und drei Monate gefordert. Für ihren Partner, einen 66 Jahre alten Deutschen, hält die Generalstaatsanwaltschaft fünf Jahre für angemessen. Das Plädoyer der Verteidigung für ihn steht noch aus.

Kathrin Rudelt von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft den Angeklagten vor, über Jahre hinweg vor allem Transsexuelle aus Thailand mit erschlichenen Touristenvisa nach Deutschland eingeschleust zu haben. Ziel sei gewesen, sie als Prostituierte auszubeuten. So hätten die Opfer fiktive Schulden von durchschnittlich 15 000 Euro abarbeiten müssen und seien unter Druck gesetzt worden.

Prozess um ausgebeutete Transsexuelle: Duo soll Helfer gehabt haben

Rudelt warf den vier thailändischen Frauen und dem Deutschen „erhebliche kriminelle Energie“ vor. Vor allem die Hauptangeklagte (63) und ihr Partner (66) seien als Strippenzieher in Erscheinung getreten und hätten den bundesweiten Bordellring geleitet.

Das Duo soll Helfer gehabt haben: Zwei Schwestern, die in Maintal (Main-Kinzig-Kreis) eines der Bordelle geleitet haben sollen, sollen für jeweils dreieinhalb Jahre hinter Gitter, wie die Anklägerin gefordert hatte. Für die „Hausdame“ des Etablissements plädierte sie auf zwei Jahre auf Bewährung.

Prozess um ausgebeutete Transsexuelle: Keine „klassische, von Gewalt geprägte Zuhälterei“

Die Verteidiger wiesen in ihren Plädoyers darauf hin, dass es sich nicht um eine „klassische, von Gewalt geprägte Zuhälterei“ gehandelt habe. Zudem seien die Frauen nicht eingesperrt gewesen. Einige der Angeklagten hätten zuvor selbst als Prostituierte gearbeitet. Die nach Deutschland eingeschleusten Frauen und Transsexuellen hätten zuvor gewusst, dass sie in Deutschland anschaffen gehen sollten.

Eines der Opfer hatte dagegen in einer Nebenklage zu Prozess-Beginn angegeben, es habe zeitweilig rund um die Uhr für Sex zur Verfügung stehen müssen und von Tätigkeiten in Siegen (NRW), Rastatt (Baden-Württemberg), Hannover (Niedersachsen), Rodgau und Maintal (Hessen) berichtet. Das Opfer hab an, fast immer in den Häusern eingesperrt gewesen zu sein.

Prozess um ausgebeutete Transsexuelle: Es geht auch um viel Geld

Bei dem Prozess geht es neben menschlichen Schicksalen auch um viel Geld. Die Anklage beantragte wegen Steuerhinterziehung die Einziehung von 1,6 Millionen Euro. Bei Durchsuchungen hatten die Beamte in Siegen (NRW) allein 210 000 Euro Bargeld entdeckt. Versteckt war das Geld in einer Tiefkühltruhe. Aufgedeckt worden war der Bordellring bei einer Großrazzia im April 2018, an der rund 1500 Beamte der Bundespolizei eingesetzt waren.

Der Prozess begann vor einem Jahr vor dem Hanauer Landgericht. 42 Verhandlungstage wurden bereits abgehalten. Da alleine zehn Pflichtverteidiger beteiligt sind, musste der Prozess wegen der Corona-Pandemie zunächst unterbrochen werden, weil die Räumlichkeiten im Justizzentrum nicht groß genug sind, um die Abstände zu wahren. Nun wird das Verfahren im Tagungszentrum Congress Park Hanau fortgesetzt.

dpa

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