Eine Statue der Justitia
+
Ein 60-Jähriger wurde vor dem Amtsgericht Gelnhausen wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. (Symbolfoto)

Sechs Monate Haft

Nach Alkohol-Fahrt: Ein Zeuge ist bereits tot, zwei andere wurden manipuliert

Da half kein Leugnen und auch kein Konstruieren eines falschen Alibis: Ein 60-Jähriger wurde vor dem Amtsgericht Gelnhausen wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Birstein - Die Strafe wird allerdings für einen Zeitraum von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem wurde ein dreimonatiges Fahrverbot gegen den Birsteiner verhängt. Und er muss eine Strafe von insgesamt 1000 Euro an den Opferhilfeverein „Weißer Ring“ zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Monate gefordert, die Verteidigung Freispruch.

Die Alkoholfahrt des Mannes liegt schon einige Tage zurück. Am 27. Dezember 2018 fiel er in den frühen Abendstunden auf der Fahrt von Bad Orb in Richtung Wächtersbach wegen seiner Fahrweise einer Familie aus Birstein auf. Im Rückspiegel sah die 22-jährige Tochter, wie der Mann Schlangenlinien fuhr – zwischen Leitplanke und Gegenfahrbahn hin und her.

60-Jähriger aus Birstein fährt betrunken Auto mit 1,65 Promille - nun vor Gericht angeklagt

Also folgte die Frau mit ihren Eltern dem anderen Verkehrsteilnehmer bis auf den Parkplatz eines Einkaufsmarktes in Wächtersbach. Kurz zuvor überfuhr er noch in einem Kreisverkehr eine Verkehrsinsel, wie die 22-Jährige beobachtete. Nachdem der Mann das Auto abgestellt hatte, sei er in den Markt „getorkelt und gewankt“. Wie ihre Eltern erkannte sie den Fahrer als den 60-Jährigen, weil der in ihrer Nachbarschaft wohnt.

Sie riefen die Polizei zu Hilfe, die den 60-Jährigen in dem Markt ausfindig machte und zur Blutprobe bat. Die Untersuchung ergab einen Promillewert von 1,65. Absolut fahruntüchtig, resümierte ein Gutachter der Frankfurter Gerichtsmedizin. Doch der Angeklagte leugnete vor Gericht. Sein Verteidiger hatte eine ganz andere Geschichte parat. Am Tattag habe sein Mandant das Auto von mittags an einen Bekannten verliehen. Einem Heizungsmonteur, der selbst kein Auto besitze und spontan das Auto benötigte, um eine defekte Heizung in einem Schlüchterner Stadtteil zu reparieren.

Ein Ehepaar aus Brachttal sollte dem Angeklagten ein Alibi geben

Der Bekannte wäre damit ein wichtiger Zeuge gewesen, der den Angeklagten hätte entlasten können. Doch dieser ist einige Monate nach dem Vorfall überraschend gestorben, so die Einlassung.

Nun bekam der Beschuldigte nach Angaben des Verteidigers Angst, dass seiner Version des Autoverleihs nicht mehr geglaubt werde. Also beschritt er einen ungewöhnlichen Weg. Er verabredete sich mit einem Ehepaar aus Brachttal, das er flüchtig kannte. Dem teilte er relativ unverblümt mit, er brauche ein Alibi für den Nachmittag und frühen Abend des Tattages. Deswegen sollten sie bei der Polizei angeben, er sei bei ihnen zum Abendessen gewesen. Die Eheleute stimmten zu und machten die Falschaussage. Irgendwann bekamen sie kalte Füße und widerriefen die Angaben. Noch heute haben sie ein schlechtes Gewissen wegen des Vorfalls.

Umfangreiches Vorstrafenregister des Birsteiners mit insgesamt elf Eintragungen

Doch es gab noch eine andere Zeugin. Die 63-Jährige, bei der der Heizungsmonteur angeblich Reparaturarbeiten an dem Tag ausführte. Sie bestätigte das vor Gericht. Allerdings hätte der Mann demnach mehrere Stunden an Zeit benötigt, um ein defektes Heizungsrohr wieder abzudichten. Angaben, denen Gericht und Staatsanwaltschaft keinen Glauben schenkten.

Was sie jedoch aufhorchen ließ, war das umfangreiche Vorstrafenregister des Birsteiners mit insgesamt elf Eintragungen, fast ausschließlich Verkehrsdelikte und schon häufig mit Bewährungsstrafen geahndet. (ls)

Das könnte Sie auch interessieren