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Geschäftsfrau erhält nach Insolvenz Geldstrafe

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Schlüchtern - Die 46-Jährige sei strafrechtlich verantwortlich für das Geschehen, ohne wirklich kriminell zu sein. So fasste der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau seinen Eindruck von einer Angeklagten aus Schlüchtern zusammen.

Vor dem Amtsgericht Gelnhausen wurde sie dennoch von Richter Thomas Russell wegen Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt zu einer Geldstrafe von 1200 Euro (80 Tagessätze zu je 15 Euro) verurteilt. Ihr Verteidiger hatte zuvor eine Einstellung des Strafverfahrens vorgeschlagen.

Schaden von über 10.000 Euro

Die Anklagebehörde hatte der Geschäftsfrau vorgeworfen, im Zeitraum von August 2018 bis Februar 2019 die Arbeitnehmer-Anteile von Mitarbeitern nicht an die jeweiligen Krankenkassen abgeführt zu haben. Dabei entstand ein Schaden von über 10.000 Euro. Außerdem legte sie für das Jahr 2017 keine Bilanz vor.

Vor Gericht räumte die 46-Jährige die Vorwürfe sofort ein. Jeden Monat habe sie um das Überleben des Unternehmens gekämpft und versucht, neue Kunden zu gewinnen. Mit den Krankenkassen habe sie Ratenverträge vereinbart, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Sie sei über die Höhe des Schadens später selbst überrascht gewesen. Ihre Absicht sei es jedoch zu keinem Zeitpunkt gewesen, irgendjemand schädigen zu wollen.

Verteidiger forderte Verfahrenseinstellung

Nachdem das Unternehmen auf ihren eigenen Antrag im Juni 2019 in die Insolvenz ging, habe sie sich wieder einen Arbeitsplatz gesucht, um im Angestelltenverhältnis Geld zu verdienen. Von ihrem Bruder habe sie mittlerweile die Zusage, dass er für die Schulden bei den Krankenkassen aufkomme.

Ihr Verteidiger versprach, dass diese Zahlung innerhalb der Familie gesichert sei, und forderte deswegen eine Verfahrenseinstellung. Richter Russell und der Vertreter der Anklage konnten sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Dafür sei die Schadenshöhe zu hoch. Sie signalisierten allerdings Entgegenkommen, um der Frau ihre berufliche Zukunft nicht zu verbauen. In einem vorab ergangenen Strafbefehl waren 120 Tagessätze gegen sie verhängt worden.

Verfahren wegen fehlender Bilanz eingestellt

Damit wäre sie vorbestraft gewesen und diese Sanktion hätte – weil über 90 Tagessätze – bei Bewerbungen im Führungszeugnis gestanden. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt, sodass es jetzt zu der mündlichen Verhandlung kam. Deswegen senkte der Richter das Urteil nunmehr auf 80 Tagessätze. Das Verfahren wegen fehlender Bilanz wurde eingestellt.

Die 46-Jährige sei nicht böswillig kriminell geworden, habe sich in einer schwierigen Situation befunden, in der die Betroffenen schnell in die Strafbarkeit abrutschten, kommentierte Russell. / ls

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