Landesbischöfin Beate Hofmann vor Oberstufenschülern und Lehrkräften der Kinzigschule in deren Pausenhalle. Zu den durchgängig aufmerksamen Zuhörern zählte unter anderem Schulleiter Karsten Günder (rechts). / Fotos: Hanns Szczepanek

„Gewissen schärfen und ein Urteil bilden“: Landesbischöfin Beate Hofmann in Kinzig-Schule

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Mit der neuen Landesbischöfin von Kurhessen-Waldeck, Dr. Beate Hofmann, erwartete die rund 160 Schüler und Lehrkräfte der Kinzig-Schule am Mittwochvormittag ein prominenter Gast zum 7. „Schlüchterner Gespräch“. Im Mittelpunkt stand der biblische Herrschaftsauftrag an den Menschen – und Folgerungen für dessen Handeln in der Gegenwart.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanns Szczepanek

Dieser Auftrag ergibt sich aus dem Satz „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen“ aus dem Alten Testament. 39 Schülerinnen und Schüler hatten in zwei Religionskursen unter der Leitung von Schulpfarrerin Dr. Heike Bausch in zwölf Gruppen mehrere Themenblöcke kompakt erarbeitet. Ihre Erkenntnisse fassten die Schüler jeweils kurz zusammen stellten der Bischöfin Fragen, die sich für sie daraus ergeben hatten.

Hofmann zu politischem Extremismus

Das breit angelegte Spektrum reichte dabei von Kinderarbeit und „Ausbeutung durch Großkonzerne“ oder auch Luxusgüter über Schwangerschaftsabbruch, Palliativmedizin und Sterbehilfe bis hin zur „Würde der Tiere“, Tierversuche, Klonversuche am Menschen sowie politischem Extremismus.

Bei letztgenanntem Thema räumte Hofmann, es sei ihr ein persönliches Anliegen, dass die Landeskirche hierzu Stellung beziehe. Nur wenige Wochen nach ihrer Wahl war der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke mutmaßlich von Rechtsextremisten ermordet worden. Auch die Bedrohung oder Einschüchterung von Amts- und Mandatsträgern, zumal solche im Ehrenamt, seien nicht hinnehmbar, denn „es darf nicht sein, dass jemand sein zivilgesellschaftliches Engagement aufgibt, weil er Angst hat“, so Beate Hofmann.

Seit 38 Jahren Vegetarierin, aber nicht grundsätzlich gegen Nutztierhaltung

Mit Blick auf den Zustand der Welt verwies die Bischöfin auf jenen Teil der Schöpfungsgeschichte, der sich mit dem Bewahren und Gestalten des „Garten Eden“ beschäftige. Die weitere rücksichtslose Ausbeutung der Erde führe zwangsläufig zu deren Kollaps. Deshalb stelle sich der Kirche ebenso wie allen Menschen die Frage: „Wie verhalten wir uns, damit dieser Planet überleben kann?“ Hofmann erklärte, der Mensch müsse sich Grenzen setzen, Maß halten und sowohl in großem Rahmen, etwa mit internationalen Abkommen, als auch im Kleinen, im Alltag eines jeden, Verantwortung zeigen. Dazu zählten vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit grundlegende Fragen wie „Was esse ich? Welche Art Kleidung trage ich? Nehme ich Bus und Bahn oder fahre ich mit dem Auto?“

Angesichts der Komplexität globaler Zusammenhänge gelinge es in Industrieländern kaum jemandem, hundertprozentig ökologisch zu leben. Doch jeder könne viel dafür tun, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Hierfür gebe es auch „die Macht der Einkaufstasche“, wenn Konsumenten nach ökologisch erzeugten „fairen“ Produkten fragten. Am Ende stünden fraglos höhere Preise, es werde aber niemand an den Pranger gestellt. Vielmehr müsse gemeinsam mit den Landwirten nachhaltig-ökologisches Wirtschaften gefördert werden. Hofmann räumte zwar ein, seit 38 Jahren Vegetarierin zu sein, dies bedeute aber nicht, dass sie Nutztierhaltung grundsätzlich ablehne. Der „evangelische Weg“ sei in diesem wie in anderen Lebensbereichen: Das Gewissen schärfen, ein eigenes Urteil bilden und danach angemessen handeln.

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