Die weißen Ziegen sind in Gomfritz inzwischen durch eine CAE-freie Herde Bunter Deutscher Edelziegen ersetzt worden.
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Die weißen Ziegen sind in Gomfritz inzwischen durch eine CAE-freie Herde Bunter Deutscher Edelziegen ersetzt worden.

„Neues von den Ziegenbauern“

Abschied von den weißen Edelziegen: Krankheit macht Herdenaustausch in Gomfritz nötig - Film Dienstag im TV

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Wenn die Zuschauer des Hessenfernsehens Dienstagabend ab 21 Uhr „Neues von den Ziegenbauern vom Bergwinkel“ erfahren, dann sehen sie in dem knapp 45-minütigen Beitrag eine Herde Weißer Deutscher Edelziegen, die es in Gomfritz aber gar nicht mehr gibt. Denn Timo Haas (42) und Frank Simon (50) haben sich von dieser Herde verabschiedet.

Gomfritz - Der Grund ist eine Viruserkrankung der Ziegen, welche die Immunabwehr der Ziegen schwächt und zum Abmagern der Tiere führt. Außerdem verringert sich bei den Milchziegen die Melkleistung. Wo auf anderen Höfen bis zu drei Litern pro Tag und Tier möglich sind, kamen die Tiere der beiden Gomfritzer Ziegenbauern nicht über zwei Liter hinaus.

Zwar steht bei den Produkten der Klosterhöfer Ziegenkäserei nicht Masse, sondern Klasse im Mittelpunkt, doch „auch Biobauern müssen rechnen“, heißt es in dem hr-Film von Juliane Hipp. Das Auswechseln der Herde markiert eine Art „roten Faden“ in dem Fernsehbeitrag. Das Virus ist für den Menschen völlig gefahrlos und selbst für die Tiere nicht tödlich. Deshalb können auch deren Milch und Fleisch frei verarbeitet werden.

Gomfritz: Abschied von den weißen Edelziegen - Krankheit macht Herdenaustausch nötig

Der Befall der Herde war schon eine Weile bekannt, doch erst nach ausgiebigem Abwägen, Überlegen und auch Durchrechnen sind Haas und Simon dem Rat von Fachleuten der Universität Gießen gefolgt, die gesamte Herde auszutauschen. Dennoch war dieses Projekt für die Partner sowohl finanziell und emotional eine weitreichende Entscheidung, denn die Tiere empfindet Frank Simon weniger als Produktbringer, sondern als „Kolleginnen“ in dem landwirtschaftlichen Betrieb. (Lesen Sie hier: Zwei ausgewachsene Wildschweine spazieren mit fünf Frischlingen durch Schlüchtern).

Das Zeitliche segnen musste nun auch seine Lieblingsziege Annegret, mit zwölf Lebensjahren quasi „die Oma der Herde“. Sie hörte sogar auf ihren Namen. Von den etwa 120 Milchziegen kam laut Timo Haas etwa die Hälfte zum Schlachter, die andere Hälfte wurde an Ziegenbauern verkauft, die der CAE-bedingte Minderertrag nicht stört. Von den etwa 200 kleinen Ziegen im Stall wurde ein Drittel verkauft, der Rest verwertet.

„Auch Biobauern müssen rechnen“, heißt es im hr-Film von Juliane Hipp

Die neue Herde aus Bunten Deutschen Edelziegen hat Kathrin Happ aus Süddeutschland nach Schlüchtern transportieren helfen. Die Herde wurde im vergangenen Herbst im Röhrigshof „geparkt“, bis die weißen Ziegen nicht mehr auf dem Hof waren.

Der Stall in Gomfritz wurde danach zweimal gereinigt sowie desinfiziert und stand vier Wochen leer, damit keine Neuinfektion mehr möglich ist. Auf dem Grundstock von 70 Ziegen wird nun aufgebaut. Im März werden weit mehr als 100 Lämmer erwartet. 2022 soll dann die ursprüngliche Herdengröße erreicht sein.

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