Foto: Lena Quandt

Grundwasserstände im Bergwinkel haben sich erholt – aber noch nicht genug

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Na, hat es denn jetzt nicht mal genug geregnet? Gefühlt seit Dezember reiht sich ein Niederschlag an den anderen. Da müsste doch der Grundwasserspiegel wieder ordentlich gefüllt sein, oder? Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem, welche Kriterien man anlegt.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Die gute Nachricht: Die meisten Grundwasser-Messstellen im Bergwinkel und in den angrenzenden Regionen liegen seit dem Zeitraum November und Januar wieder über der Grenze für Niedriggrundwasser.

An vielen Stationen wurde insbesondere seit dem Jahreswechsel darüberhinaus die Grenze für das langjährige Monatsmittel überschritten. Den Wert für einen „hohen Grundwasserstand“ hat allerdings niemand erreicht.

Regenmenge deutlich unter offiziellem Monatsmittelwert

Es besteht aber noch Hoffnung: Denn nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) dauert die Grundwasserneubildung im Schnitt circa 50 Tage. Regen, der heute fällt, kommt also erst Anfang Mai in den tieferen Schichten an.

Die schlechte Nachricht: Die Regenmenge 2019 liegt noch deutlich unter dem offiziellen Monatsmittelwert des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der im Zeitraum von 1961 bis 1990 gemessen wurde. Kurzfassung: Die Grundwasserstände haben sich erholt, aber sie sollten noch besser sein.

111 Liter Regen im Mai 2019

Der Diplom-Meterologe Jörg Asmus aus Elm, der beim DWD im Bereich Forschung und Entwicklung tätig ist, betreibt in seinem Wohnort eine private Wetterstation (wetterstation-elm.de), über die er seit einigen Jahren zahlreiche Wetterdaten sammelt und aufbereitet. So hat er für das Jahr 2019 eine Gesamtregenmenge von 672 Liter pro Quadratmeter registriert.

Der höchste Wert wurde im Mai des vorigen Jahres mit rund 111 Litern vermerkt. Damals kam es in vielen Orten des Bergwinkels zu Hochwasser und Überschwemmungen. Dafür war der Februar 2019 mit nur 23 Litern auf dem Quadratmeter der trockenste Monat.

Im Schnitt pro Jahr 861 Liter Regen

In den zurückliegenden Jahren seit 2011 war das Jahr 2018, in dem landauf, landab von einer Dürre die Rede war, mit 554 Litern das regenärmste. Asmus weist darauf hin, seine Zeitreihe sei noch zu kurz, um valide Daten wie sogenannte klimatologische Mittelwerte angeben zu können.

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber ein Blick in das unweit gelegene Herolz. Dort fiel zwischen 1961 und 1990 im Schnitt pro Jahr 861 Liter Regen vom Himmel – also immerhin fast 190 Liter mehr, als in Elm im vergangenen Jahr gemessen wurde.

Orographie spielt wichtige Rolle

Das bedeutet: Es hat zwar viel geregnet, aber im Grund noch zu wenig. Das gilt sogar für das laufende Jahr: Zwar lag der Februar mit seinen Niederschlagsmengen deutlich über dem Normalwert, für den Januar gilt das aber schon nicht mehr, und auch der laufende Monat März muss sich noch anstrengen.

Auch hier gilt eine Einschränkung in der Aussagekraft: Dafür ist die Orographie verantwortlich, die bewirken kann, dass auch bei benachbarten Stationen aufgrund von geringfügig anderen äußeren Bedingungen beim Niederschlag unterschiedliche Werte ermittelt werden.

Wälder und Landwirtschaft dürsten noch

Da spielen Faktoren wie die Beschaffenheit von Höhenzügen wie Neigung und Richtung ein Rolle. Jeder kennt das: Hinter dem Berg regnet es, davor ist es trocken.

Dennoch bleibt als Quintessenz: Wir alle sind den Regen leid, aber für die Wälder und die Landwirtschaft wäre es gut, wenn noch ein paar Liter dazu kommen würden.

Grundwasser Messstellen

- Magdlos: Über dem Niveau von Niedriggrundwasser (NGW) und über dem langjährigen Monatsmittel (LMM) - Elm: über NGW und LMM - Steinau: über NGW und knapp über LMM - Ahl: über NGW, aber deutlich unter LMM - Spessart (zwischen Marjoß und Seidenroth): über NGW und LMM - Hain-Gründau: über NGW und unter dem LMM - Langenselbold: über NGW, aber unter LMM - Büdingen: unter NGW und unter LMM - Gedern: über NGW und knapp über LMM - Rixfeld: über NGW und knapp über LMM

Quelle: hlnug.de

Regen – Liter pro Quadratmeter an der Wetterstation Elm:

- 2019: 672

- 2018: 554

- 2017: 866

- 2016: 701

- 2015: 633

- 2014: 624

- 2013: 759

- 2012: 850

- 2011: 693

Quelle: wetterstation-elm.de

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