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„Hamsterkäufe sind asozial“: Hanaus OB Kaminsky verurteilt panisches Kundenverhalten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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HANAU - Aus Angst vor dem Coronavirus werden zunehmend Lebensmittel auf Vorrat gekauft. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky kritisiert dieses Verhalten scharf. Das wird in einer Pressemitteilung deutlich.

„Wer panisch seinen Einkaufswagen vollpackt, handelt nicht nur sinnfrei und verantwortungslos, sondern schadet auch der Gemeinschaft.“ Mit diesen Worten hat Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky in einer Presserklärung das Kaufverhalten verschiedener Bürger kritisiert. Und er bringt seine Meinung mit drastischen Worten auf den Punkt: „Hamsterkäufe sind asozial“, so Kaminsky.

Manche Artikel zeitweise ausverkauft

Der Wahnsinn sei, so der OB, dass durch Hamsterkäufe erst die eigentlichen Probleme entstünden und manche Artikel zeitweise ausverkauft seien. Leere Regale seien kein Ausweis einer unzureichenden Versorgungslage, sondern einer rational abgestimmten Logistik, die nicht so schnell auf ein völlig irrationales Verhalten von Verbrauchern reagieren könne, so Kaminsky.

Supermärkte und Discounter würden nach einem ausgefeilten System und aufgrund jahrelanger Erfahrungswerte quasi „just in time“ beliefert. Wenn nun plötzlich aus welchen Gründen auch immer kurzfristig die Nudelregale leergekauft werden, könne man nicht von heute auf morgen einen „Nudellaster“ auf die Reise schicken.

Kein Grund zur Angst vorm Hungern

„Es gibt keinen Grund, Angst davor zu haben, dass Menschen in Deutschland wegen der Corona-Krise hungern müssen oder nicht genügend Papier für den Allerwertesten haben“, so Kaminsky, der sich über das Verhalten mancher Zeitgenossen nur wundern kann.

Deutschland sei Dank seiner leistungsfähigen Landwirtschaft in der Lage, sich selbst zu versorgen. Abgesehen davon habe die Bundesrepublik riesige Lagermengen zum Beispiel an Grundnahrungsmitteln, auf die bisher selbst in schwierigsten Situationen in Deutschland noch nie zurückgegriffen werden musste.

Irrationaler psychologischer Effekt

Über das Kaufverhalten einiger egoistischer Zeitgenossen können man auch angesichts der Auswahl nur den Kopf schütteln. Die offensichtliche Angst davor, dass Klopapier knapp wird, müsse man eher amüsiert zur Kenntnis nehmen.

„Weshalb aber in manchen Drogeriemärkten wegen der Hamsterkäufe zum Beispiel Tabs für die Geschirrspülmaschine oder Weichspüler zeitweise ausverkauft sind“, so der OB, „erschließt sich mir wirklich nicht.“ Der Oberbürgermeister vermutet auch hier einen irrationalen psychologischen Effekt. „Wir sind an übervolle Regale gewöhnt. Offenbar löst jetzt ein nicht mehr ganz so volles Regal einen Run auf das entsprechende Produkt aus – obwohl dies aktuell gar nicht benötigt wird.“

„Völlig widersinnig“

Kaminsky denkt im Zusammenhang mit den Hamsterkäufen auch an die Mitarbeiter in den Geschäften. „Sie leisten bereits einen großartigen Dienst bei der Versorgung der Bevölkerung“, so der Oberbürgermeister, „man sollte ihnen das Leben nicht noch dadurch erschweren, dass sie permanent Regale neu auffüllen müssen.“ Es sei doch völlig widersinnig, wenn Produkte in den Geschäften fehlen, die sich zuhause in den Wohnungen stapeln.

Nur zusätzliche Probleme

Das Hamstern führe im Kampf gegen das Virus nur zu zusätzlichen Problemen. Wer etwa wirklich ein bestimmtes Produkt benötigt und dafür drei oder vier Geschäfte abfahren muss, weil die Hamsterer die Regale leergeräumt haben, belaste nicht nur die Umwelt, sondern erhöhe zwangsläufig seine Kontakte zu anderen Menschen. „Aber gerade das soll ja vermieden werden“, so Kaminsky.

Hände waschen minimiert Risiko

Hanaus Oberbürgermeister rät dringend, sich an die Empfehlungen der entsprechenden Bundesbehörden zu halten und einen bestimmten Vorrat für 14 Tage vorzuhalten. Infos gibt es zum Beispiel beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz im Internet.

Die für die Versorgung wichtigen Geschäfte würden auf jeden Fall geöffnet bleiben, teilweise würden die Öffnungszeiten sogar ausgeweitet. Und wer sich beim Einkaufen an die Empfehlungen der Behörden halte, zum Beispiel an der Kasse einen Mindestabstand zum Nachbarn einzuhalten und sich regelmäßig – auch nach dem Einkauf – die Hände zu waschen, der minimiere das Risiko für sich und andere.

Der Oberbürgermeister wird aber auch deutlich: „Wenn die Probleme durch das Hamstern einiger anhalten, müssen wir uns als Stadt Hanau Maßnahmen überlegen, die dieses gemeinschaftsschädliche Verhalten unterbinden. Dazu haben wir die Möglichkeit.“

Mehrheit der Hanauer als Vorbild

Diejenigen, die sich irrational und egoistisch verhielten, sollten sich die Mehrheit der Hanauer zum Vorbild nehmen, die konsequent und dennoch ruhig den Empfehlungen und Anordnungen der Behörden folgen und sich solidarisch zeigen. Als Beispiel nannte Kaminsky die Eltern aus den relevanten Berufen, wie etwa aus dem Gesundheitsdienst oder den Rettungskräften, die Anspruch auf eine Betreuung ihrer Kinder haben.

Auch wenn es hier und da nochmal holpere, habe es sehr viel Lob für das Angebot der Stadt gegeben, das der OB direkt an die Betreuerinnen und Betreuer vor Ort und den Eigenbetrieb Kindertagesstätten weitergibt: „So stelle ich mir Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn vor – Hanau steht eben auch in dieser Krise an ganz vielen Stellen zusammen.“

„Gemeinsinn gefragt“

Für die Stadt Hanau kündigte Oberbürgermeister zudem die Einrichtung eines Lieferservice an, mit dem vor allem Personen versorgt werden sollen, die selbst nicht einkaufen gehen können oder sich in Quarantäne befinden. Der Service werde noch in dieser Woche gestartet, so der OB.

„Statt Panik ist jetzt Vernunft und vor allem Gemeinsinn gefragt. Unser Land führt einen Kampf gegen das Corona-Virus. Wir sollten keinen Kampf untereinander führen“, so Kaminsky abschließend. / mal

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